An manchen Schulen gibt es funktionierende Mediationsprojekte, an anderen Schulen ist die Schulmediation bereits wieder eingeschlafen, und an weiteren Schulen starten nun pünktlich zum neuen Schuljahr neue Konfliktlotsen- und Streitschlichtergruppen. Woran liegt es, ob ein Mediationsprojekt an einer Schule Erfolg hat oder träge vor sich hin läuft bzw. eingestellt werden muss?

S. Behn, N. Kügler, H.-J. Lembeck, D. Pleiger, D. Schaffranke, M. Schroer und S. Wink haben im Rahmen der Institute „Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich“, „Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz“ (ism) und „Institut des Rauhen Hauses für Soziale Praxis in Hamburg“ (isp) eine bundesweite Evaluation von Schulmediationsprojekten vorgenommen. Die Ergebnisse können in dem Buch „Mediation an Schulen“ nachgelesen werden.

Besonders spannend sind dabei die Kapitel, die aus der Evaluation Schlüsse ziehen und von „Strategien zur erfolgreichen Umsetzung eines Mediationsprojektes“ sowie den zugehörigen „Handlungsempfehlungen“ berichten. Für eine Schule, die sich im Hinblick auf Ihr Konfliktlotsenprogramm weiterentwickeln bzw. ein derartiges Projekt starten möchte, sind diese Kapitel von großer Bedeutung.

Hier im folgenden die acht Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren für ein Mediationsprojekt an einer Schule: 1. Mediation sollte nicht das einzige Projekt im Bereich der Gewaltprävention und Demokratieerziehung an der Schule sein und zudem unbedingt in das Schulprogramm eingebunden werden. 2. In Konferenzen sollte oft an die Mediation erinnert werden und es sollte Modelle geben, bei denen ein persönlicher Kontakt zwischen Streitschlichtern und bestimmten Klassen in Form einer Patenschaft gefördert wird. 3. Es ist wichtig, dass die MediationslehrerInnen Supervision oder kollegiale Beratung erhalten und weitere LehrerInnen als MediatorInnen ausgebildet werden. 4. Nicht nur die SchülermediatorInnen sollten wissen, wie man mit Konflikten umgeht, vielmehr sind vielfältige Trainings für möglichst viele SchülerInnen im Bereich der Erweiterung der sozialen Handlungskompetenzen wichtig. 5. Die Einbindung von SchulsozialarbeiterInnen in das Projekt bietet vielfältige Unterstützung und trägt zum Gelingen des Mediationsprojektes bei. 6. Breit angelegte Informationsveranstaltungen für Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen vor Projektstart sowie eine gemeinschaftliche Entscheidung für das Projekt und der Startschuss durch die Schulkonferenz haben einen positiven Einfluss auf den Projektverlauf. 7. Die Reflektion des vorhandenen institutionellen Umgangs mit Konflikten sowie die Einführung eines systematischen, verbindlichen und transparenten neuen Konfliktmanagementsystems an der Schule bei klaren und nicht überfordernden Ziele für das Mediationsprojekt bringt einen großen Gewinn. 8. Zentrale Rahmenbedingungen sind u.a. die Freistellung der Lehrkräfte, die Begleitung der SchülermediatorInnen, die Freistellung der SchülerInnen für Mediationen auch innerhalb der Unterrichtszeit sowie die Einrichtung eines Mediationsraumes.

Wer mehr zum Thema „Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren von Mediationsprojekten an Schulen erfahren möchte, dem empfehle ich das oben beschriebene Buch bzw. die zugehörige Webseite des Evaluationsvorhabens.

In einem anderen meiner Blogartikel gibts mehr zum Thema Konfliktbearbeitung an Berliner Schulen.

Christa Schäfer