Vor einiger Zeit bin ich gefragt worden, ob Probleme und Konflikte das Gleiche sind. Ich konnte nicht sofort antworten, sondern habe mich auf die Suche begeben. Dabei bin ich auf das Buch „Einführung in die Mediation“ von Joseph Duss-von Werdt gestoßen, der Probleme und Konflikte folgendermaßen unterscheidet:

Der Begriff „Problem“ kommt vom griechischen problema = Hindernis, Schutzwall, Mauer. Er bezeichnet ein sachliches Hindernis, einen umstrittenen Sachverhalt und bezieht sich auf Sachinhalte.

Der Begriff „Konflikt“ kommt vom lateinischen confligere = zusammenschlagen, streiten, kämpfen. Ein Konflikt ereignet sich auf der Beziehungsebene, wenn Personen oder Gruppen aneinandergeraten, sich die Köpfe einhauen usw. Bei nahen Beziehungen wie im Familienkontext sind die Beteiligten an einem Konflikt persönlicher und direkter betroffen als in weitläufigeren Beziehungsstrukturen.

Konflikte werden häufig verfremdet und dann über Probleme ausgetragen. Es geht beispielsweise bei einer Trennungs- und Scheidungsmediation dann nicht um die Klärung der Beziehung zueinander, sondern es geht darum, wer das alte Erbstück von Tante Erna bekommt.

Auch Probleme werden über Konflikte ausgetragen. Wenn ein Gegenstand oder eine Ressource knapp oder nur ein Mal vorhanden ist, so kann es durchaus Streit oder Krieg zwischen Personen oder Personengruppen deswegen geben.

Mediation ist nach Duss-von Werdt vermitteltes Verhandeln bei Problemen und Konflikten. Mediation löst primär Probleme und erst sekundär Konflikte.

Gute MediatorInnen sollten demnach zwei Augen offen halten: eines für den Konflikt und eines für das Problem. Ein drittes Auge sollte die Sichtweisen zur Herstellung eines Gesamtbildes verbinden.

Das Buch von Duss-von Werdt (Carl-Auer Verlag) ist zu übrigens sehr zu empfehlen – nicht nur für Mediationsanfänger. Und falls Sie das Thema Konflikte in Berlin (eigentlich müsste ich sagen: Probleme in Berlin) interessiert, so schauen Sie sich doch bei meinen Artikeln zu diesem Thema um.

Christa Schäfer