oder: Der Mitternachtssport und die Buurtväter

In Berlin Spandau gibt es seit ca. einem Jahr eine unkonventionelle Methode der Konfliktprävention: den „Mitternachtssport“. Das von dem Sozialarbeiter Ismail Öner initiierte und betreute Projekt hat dafür gesorgt, dass eine Turnhalle in Spandau-Wilhelmstadt Freitag nachts bis 3 Uhr für Jugendliche geöffnet hat. Jetzt tummeln sich die 14- bis 20jährigen nicht mehr am Wochenende auf der Straße, sondern treiben Sport. Neben der sportlichen Betätigung lernen sie Fair Play, Teamwork und verbindliche Regeln. Viele jugendliche Migranten haben früher auf der Straße „abgehangen“ und aus lauter Langeweile „Scheiße“ gemacht. Jetzt gibt ihnen der Sport Beschäftigung und Lebensfreude. Seitdem sind nach den Angaben des zuständigen Polizeiabschnittes die Straftaten in der Gegend spürbar zurückgegangen. Also lautet die Devise: Konfliktprävention und weniger Gewalt durch mehr Sport.

Die Idee zum Mitternachtssport kommt aus New York und den Pariser Banlieues. In Großstädten wie Hannover, Frankfurt am Main und Köln gibt es Mitternachtssport schon seit Jahren. In Berlin hat das Projekt in Spandau große Erfolge gezeigt und demnächst werden dort weitere drei Turnhallen für den Mitternachtssport geöffnet. Dennoch ist an eine flächendeckende Anwendung dieses Konzeptes zur Konfliktprävention in Berlin vorerst nicht gedacht.

In Amsterdam-West/Niederlande gibt es seit seit einigen Jahren eine unkonventionelle Methode der Konfliktintervention: die marokkanischen Buurtvaders. Dieses von marokkanischen Vätern initiierte Projekt hat zum Ziel, die Sicherheit im Stadtviertel zu erhöhen, indem sie junge Männer von der Straße holen und sie in ihren Zukunftsperspektiven unterstützen. Die Zielgruppe des Projektes sind ebenfalls jugendliche Migranten. Die marokkanischen Väter (Buurtvaders) machen abendliche Rundgänge durch die Straßen und sprechen hierbei Jugendliche und Jugendgruppen u.a. auf ihr andere Menschen beeinträchtigendes Verhalten an. Der Einstieg ins Gespräch folgt auf indirekte Weise durch ein Gespräch über das Wetter, über Fußball oder die Schule. Erst danach wird mit einer wertschätzenden Haltung Kritik geäußert. Die Jugendlichen werden eingeladen zu Fragen bezüglich der Reflexion ihres Verhaltens, ihrer Verantwortung gegenüber ihrer direkten Umgebung sowie sich selbst. So übermitteln die Väter Werte und Normen auf eine respektvolle Weise, ohne die Jugendlich moralisch zu verurteilen oder einen Machtunterschied auszuspielen.

Partizipation und das Mitgestalten-Können der eigenen Umgebung und der eigenen Möglichkeiten sieht das Projekt als ein gutes Mittel, eine weitere Radikalisierung der Migrantenjugend zu verhindern. Auch hier in diesem Projekt sind die Gewalttaten im Stadtteil deutlich zurückgegangen. Die Väter haben ihre eigenen Interessen selber in die Hand genommen und sorgen sowohl für Intervention als auch Prävention im Konfliktfall. In einem neu erschienenen Büchlein der Stiftung Mitarbeit sowie auf folgender Internetseite gibt es mehr Informationen zum Thema.

Nicht auf Stadtteilebene, sondern auf Schulebene Gewalt und Sucht durch Tätigkeit und Lebenssinn vorbeugen, das will das Buddy-Projekt. Mehr zu diesem Projekt zur Förderung sozialer Handlungskompetenz für Schüler in Schulen auch in diesem Blog.

Christa Schäfer