Jedermann kann sich in einem Verfahren vor Gericht durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Aber was kann man tun, wenn man mit seinem Anwalt Streit hat, sich von ihm schlecht vertreten fühlt oder er gar zu einem Gerichtstermin gar nicht erscheint?

Bisher gibt es die Möglichkeit sich bei der Rechtsanwaltskammer über diesen Anwalt zu beschweren; das haben im vergangenen Jahr 1250 Berliner getan.

Demnächst kommt eine weitere Möglichkeit dazu: Das Bundesjustizministerium will eine Ombudsstelle für Streitigkeiten zwischen Mandanten und Anwälten einrichten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist vom Bundeskabinett kürzlich verabschiedet worden, im nächsten Frühjahr soll das neue Gesetz in Kraft treten. Die bundesweite Schlichtungsstelle soll von Mandanten kostenlos in Anspruch genommen werden können, angesiedelt wird sie bei der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. In der Anwaltschaft findet das Vorhaben Anklang. Im Berliner Tagesspiegel weitere Ausführungen zum Thema.

Eine Ombudsstelle erfüllt die Aufgabe eines unparteiischen Schiedsmannes. Sie geht dabei in folgenden Schritten vor: objektive Betrachtung des Streitfalls / Abwägen der von beiden Seiten vorgebrachten Argumente / Vergleich von Schaden, Aufwand und Kostenfaktoren / Erreichen einer zufriedenstellenden Lösung / oder Aussprechen einer empfohlenen Lösung. Ähnlich den Ombudsstellen in Banken und Versicherungen wird auch in der Anwaltschaft dann ein Schlichtungsverfahren nur eröffnet, wenn sich beide Streitparteien (also Anwalt und Mandant) dafür aussprechen. Ebenfalls ist es hier beiden Parteien überlassen, ob sie dem Spruch des Ombudsmannes bzw. der Ombudsfrau Folge leisten.

Dieses Jahr eine Beschwerdestelle innerhalb der Berliner Schulbehörde, nächstes Jahr eine Ombudsstelle in der Anwaltschaft. Beides ein guter Schritt in Richtung ADR = Alternative Dispute Resolution / in Richtung einer zu staatlichen Gerichtsverfahren alternativen Streitbeilegungsmethoden.

Christa Schäfer