Oft hört man im Alltag den Begriff des „Interkulturellen Konflikts“. MediatorInnen berichten gerne von „Interkultureller Mediation“. In der Zwischenzeit gibt es viele Abhandlungen über diese beiden Themenfelder. Folgende Begriffsdefinitionen finde ich besonders schlüssig:

Christine Mattl hat in ihrem Buch „InterKULTURelle interpersonale Konflikte“ in Anlehnung an Friedrich Glasl definiert: „Interkulturelle interpersonale Konflikte sind Konflikte im Sinne einer Interaktion zwischen Personen, die verschiedene kulturelle Systeme repräsentieren, wobei wenigstens eine Person Unvereinbarkeiten im Denken / Vorstellen / Wahrnehmen / Fühlen / Wollen mit der anderen Person in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung erfolgt und Kultur eine Rolle spielt.“ Kultur wird hier als ein System begriffen, das über geographische Einheiten hinausgeht.

Die Definition des Begriffes Interkulturelle Mediation ist nicht so einfach. Während für einige Theoretiker die Kultur keine große Rolle spielt und die Universalität des Problemlöseprozesses im Vordergrund steht, sehen andere kulturelle Differenzen als Hauptursache für das Scheitern von friedlichen Konfliktbearbeitungsprozessen. Ich schließe mich in meiner Auffassung Petra Haumersen und Frank Liebe an, die in ihrem Buch „Multikulti: Konflikte konstruktiv“ beschreiben, dass die Interkulturelle Mediation selbst einer Suchhaltung, einer Aufforderung zu einem Experiment entspricht. Man sollte darum versuchen, mit dem vermuteten Einfluss der kulturellen Unterschiede differenziert konstruktiv umzugehen.

Milena Manns hat auf dieser Basis ihre Masterarbeit im Fach Mediation zum Thema „Interkulturelle Mediation in Theorie und Praxis (Gemeinwesen) an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) geschrieben. Letzte Woche hat sie im MediationsZentrum Berlin einen Vortrag über ihre Forschungen gehalten. Am Ende der Arbeit stellt sie 10 Thesen auf, von denen ich einige Wesentliche hier zitieren möchte:

„Die Stadtteilmediatoren haben es im Gemeinwesen mit mikro- und makrosozialen Konflikten zu tun. Die Akteure stehen in verschiedenen Beziehungen zueinander und bewerten die Konflikte meist negativ. Es gibt Differenzen bei Interessen, im Verhalten und in seelischen Tätigkeiten. Alle 5 Qualitäten (nach Moore) finden Nennung.“ Bearbeitet werden sowohl Sachverhalts-Konflikte, als auch Interessen-Konflikte, Beziehungs-Konflikte, Werte-Konflikte und Struktur-Konflikte. „Die Konflikte äußern sich latent, manifest, gewaltlos und extrem und weisen unterschiedliche (meist hohe) Eskalationsstufen auf.“

„Die Mediatoren räumen der Kultur unterschiedlich starke Stellenwerte hinsichtlich der Anpassung des Verfahrens, der Techniken und der Anforderungen an den Mediator ein.“

„Die wichtigsten Erfolgskriterien einer interkulturellen Mediation sehen die Mediatoren in der Spiegelung der Parteien durch die Co-Mediatoren (auf kultureller und sprachlicher Ebene) und in der Erfassung des Individuums in seiner kulturellen Vielfalt und seinen individuellen Bedürfnissen.“

Die hier vorgestellt Arbeit ergänzt in idealer Art und Weise das neu erschienene Buch zur Gemeinwesenmediation. Besten Dank an Milena Manns, dass ich hier über ihre Arbeit berichten durfte. Wer sich für die weiteren Thesen interessiert oder die gesamte Arbeit lesen möchte, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen, ich vermittle dann weiter. Die Theoriebildung zur Gemeinwesenmediation hat mit dieser Arbeit einen großen Fortschritt erringen können.

Christa Schäfer