Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Lachen ist ansteckend oder: Warum Spiegelzellen in der Mediation so wichtig sind

Spiegelzellen gelten immer noch als der „letzte Schrei“ in der Hirnforschung. 1991 wurde die erste Spiegelzelle von Vittorio Gallese entdeckt. Die Zellen haben die Fähigkeit, unser Gegenüber zu spiegeln (daher das Wort Spiegelzellen). Sie können die Welt wahrnehmen und Muskeln steuern. Jedes Mal, wenn wir etwas sehen, wird unser Gehirn so aktiviert, als würden wir die wahrgenommene Handlung selbst anführen.

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Ihr Gegenüber gähnt und sie machen es ihm gleich nach. Sie steigen in den Bus ein und der Busfahrer lächelt Ihnen freundlich zu – da geht der Rest des Tages doch gleich viel leichter … Wir gähnen, lachen und machen Grimassen, wenn unser Gegenüber uns das vormacht. Dann kommen nämlich die Spiegelzellen ins Spiel, die uns die Fähigkeit geben, unser Gegenüber zu spiegeln.

So funktioniert auch das Mitgefühl, ebenfalls Empathie genannt. Das Mitgefühl ist im wahrsten Sinne des Wortes „körperlich“, denn die Hirnforscher können es sehen, hören und mit ihren Elektroden messen. Der Ursprung des Mitgefühls liegt darin, dass ich innerlich mein Gegenüber imitiere, mich mental in die Person hineinversetze und so tue, als würde ich das tun, was sie tut. So muss ich, um die andere Person zu verstehen, nur mich selbst verstehen. Empathie besteht also aus neuronalem Nachvollziehen der Verhaltensweise und des Gefühls der von mir betrachteten Person.

Das heißt aber auch, dass nur derjenige Trauer, Wut, Verzweiflung, Skepsis usw. empfinden kann, der diese Gefühle kennt. Denn nur wer ein Gefühl erlebt hat, dessen Spiegelzellen können es exakt interpretieren und imitieren und somit zum Verstehen und Nachvollziehen freigeben. Es gibt die Theorie, dass es bei gefühlskalten Verbrechern an Spiegelzellen mangelt – bewiesen ist dies bisher noch nicht.

Ja, und dann stellt sich noch die Frage, warum wir dann nicht permanent am Spiegeln anderer Personen sind. Es gibt glücklicherweise einen „Riegel“ im Gehirn, der verhindert, dass wir die Imitationen ständig ausführen. Nur wenn wir uns auf die Empathie einlassen, findet sie auch statt.

Wer sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen möchte, der schaue in diesen Artikel von Bas Kast: „Auf der Suche nach dem Mitgefühl“ oder dessen Buch „Revolution im Kopf“. Wer Gefühle spannend findet, der findet hier mehr zum Zeitalter der Emotionen.

Ja, und jetzt ist auch klar, warum bei Mediationen möglichst viele Spiegelzellen zum Einsatz kommen sollten: Erst dadurch ist gegenseitige Empathie und Verstehen in der Phase der Konflikterhellung möglich.

Christa Schäfer

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Konflikte, Mobbing, Mediation, Mobbingberatung

  1. Berthild Lorenz

    „Das heißt aber auch, dass nur derjenige Trauer, Wut, Verzweiflung, Skepsis usw. empfinden kann, der diese Gefühle kennt.“

    Ich erlebe immer wieder, dass viele Menschen kaum Gefühle benennen können, dass sie sagen, dass sie im Dienst keine Gefühle zeigen dürfen. Funktionieren ist angesagt, somit kann auch keine Empathie für sich und den anderen Menschen aufkommen.

    Ich engagiere mich seit einiger Zeit für Yunus und Rigo und hab ein 3 Minuten Video mitgebracht, in dem der Staatsanwalt das deutlich sagt:
    http://www.yunus-rigo-prozess.de/videos/
    Es ist das 5.Video von oben; Haftverschonung der Beiden …

    „Ja, und dann stellt sich noch die Frage, warum wir dann nicht permanent am Spiegeln anderer Personen sind.“
    Hm, irgendwelche Personen müssen ja auch die sein, die gespiegelt werden, sonst würde das ganze Land ja endlich voller lachender Menschen sein!

    „Es gibt glücklicherweise einen „Riegel“ im Gehirn, der verhindert, dass wir die Imitationen ständig ausführen. Nur wenn wir uns auf die Empathie einlassen, findet sie auch statt.“

    Und es ist für Jeden eine Wohltat, weil Empathie für beide Gemeinschaft miteinander herstellt.

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