Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Respektvolles Zuhören und der Silberne Sinn

„… das respektvolle Zuhören bedeutet weit mehr, als respektvoll zu schweigen, wenn der andere spricht. Es erfordert höchste Aufmerksamkeit, denn allzu leicht lässt man sich durch übereilte Schlussfolgerungen und tief sitzende Vorurteile ablenken. Damit der Fühlsinn sich entfalten kann, muss man seine inneren Stimmen zum Schweigen bringen und darüber hinaus nicht nur auf Worte, sondern auch auf Gesten, die Haltung des Körpers und das Mienenspiel des anderen achten. Wenn es gelingt, eine Seele durch diese Art des >Sichleihens< zu beleben, einen Zustand der Enthüllung und Entdeckung herzustellen, dann sprechen wir Silbernen vom >Heiligen Zuhören<. Wir betrachten es als einen der größten Dienst, die ein Mensch dem anderen erweisen kann …“

Dieser Absatz stammt aus dem Roman „Der silberne Sinn“ des in Berlin geborenen Schriftstellers Ralf Isau.

Yeremi Bellmann ist die Hauptperson des Romans. Sie hat im Kindesalter im Regenwald Südamerikas den kollektiven Selbstmord einer Sekte miterleben müssen und reist im Erwachsenenalter als Anthropologin und Forscherin mit einer Expedition in ebendiese Gegend. Die Expedition folgt den Spuren des Silbervolkes, einer geheimnisvollen Urbevölkerung, die über den „Silbernen Sinn“ verfügt. Jefferson Flatstone, Geldgeber für die Expedition, will nach weißen Göttern suchen lassen, empathischen Telepathen, die die Gefühle anderer Menschen erkennen und sogar manipulieren können. Yeremi trifft Saraf Argyr, einen Angehörigen des „silbernen Volkes“ und einen „weißen Gott“. Die Hoffnungen der Wissenschaftler erfüllen sich: Sarafs Sippe besitzt den „Silbernen Sinn“ …

Der Roman fußt auf einem tatsächlich stattgefundenen Ereignis: Am 18. November 1978 starben über neunhundert Mitglieder des „Tempels des Volkes“ in Jonestown, einer Siedlung im Dschungel von Guyana. Er verbindet das historische Geschehen mit einem hypothetischen Bild über die Hintergründe des Geschehens.

Der Roman ist für Kommunikationsspezialisten und MediatorInnen eine großartige Lektüre, denn es ist spannend und aufregend zugleich, die Gedanken und die Fiction Ralf Isaus mit den Fachthemen unseres Berufs und dieses Blogs zu vergleichen. Im Roman ist ausführlich die Rede von Empathie, da gibt es Absätze und Beispiele zum Aktiven Zuhören, zu der Wirkung von Spiegelzellen und zur Gefahr der möglichen Manipulation durch Aktives Zuhören. Insgesamt eine Lektüre, die sich meiner Meinung nach keine Mediatorin und kein Mediator entgehen lassen sollte.

Christa Schäfer

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  1. Vielen Dank für diese positive Leserstimme. Als Autor des Romans freut man sich immer, wenn die Mühe, die man die Recherche gesteckt hat, auf solche Weise honoriert wird. Ich wünsche allen Leser, dass sie in der Kunst des »Heiligen Zuhörens« fortfahren mögen.

    Herzlichst

    Ralf Isau

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