„Mit dem Täter-Opfer-Ausgleich auf dem Weg einer humaneren Strafrechtspflege“ – so lautete das Thema einer interessanten Tagung, die am 30. und 31. Januar in Berlin stattfand.

„Viele Opfer von Straftaten fühlen sich von der Justiz allein gelassen. Die Staatsanwaltschaft erhebt zwar im Namen des Staates Anklage, und das Strafverfahren dient der Wahrheitsfindung und der Bestrafung des Täters. An die Opfer jedoch wird in diesem Moment weniger gedacht.“ – so steht es in der Einladung, die die Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft TOA e.V. verfasst hat.

Nach den Grußworten von Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz, und dem fantastischen Eröffnungvortrag „Täter – Opfer – Versöhnung“ von Prof. Dr. Horst Eberhard Richter gingen viele kompetente ReferentInnen mit spannenden Vorträgen auf das Thema des Sozialen Friedens durch außergerichtliche Konfliktschlichtung ein.

Der Täter-Opfer-Ausgleich ist eine besondere Art des Mediationsverfahrens, nämlich Mediation im Strafrecht. Er bemüht sich in Anlehnung an den englischsprachige Begriff „restorative justice“ um ausgleichende Gerechtigkeit. Für diejenigen, die mit diesem Thema nicht viel anfangen können, zunächst einige Zahlen bezüglich des TOAs in Deutschland: Laut einer bundesweiten Statistik gibt es in den letzten Jahren ca. 4.000 bearbeitete Fälle jährlich, wovon 40 % Jugendliche betreffen, 30 % Erwachsene und bei weiteren 30 % sowohl Erwachsene als auch Jugendliche involviert sind. Auf die Deliktstruktur schauend kann festgestellt werden, dass 47 % der bearbeiteten Fälle körperliche Schäden betreffen, 19 % nehmen Bezug auf psychische Schäden und 20 % behandeln Eigentumsdelikte. In 90 % aller Fälle gibt es eine Ausgleichsvereinbarung!

Diese Ausgleichsvereinbarung besteht beispielsweise darin, dass eine Entschuldigung ausgesprochen wird, Schadensersatz geleistet wird, gemeinsame Aktivitäten unternommen werden, Arbeitsleistungen erbracht werden oder Schmerzensgeld gezahlt wird. Sowohl Täter als auch Opfer sind mit dem Abschluss des Ausgleichs zufriedener als mit einem Strafrechtsverfahrens. Täter übernehmen durch den TOA Verantwortung für ihre Tat, sie erlangen durch das Verfahren eine Unrechtseinsicht, erweitern ihre soziale Kompetenz und können Reue zeigen; nur ein geringer Prozentsatz der Täter begeht eine weitere Straftat. Das Opfer kann sich artikulieren, Ärger loswerden, Ängste abbauen und letztlich Frieden finden.

Insgesamt also eine wunderbare Methode, die meiner Meinung nach auch der „Erziehung“ und dem Umgang mit Konflikten dient. Kürzlich gab es dazu übrigens einen interessanten Artikel im Spiegel unter dem Titel Vom Monster zum armen Würstchen.

Übrigens ist die Gemeinwesenmediation nach Überzeugung vieler TOA-Spezialisten eine präventive Methode, um Straftaten vorzubeugen. Das macht sie zu einem wichtigen und notwendigen Partner des TOA und einem Mediationsbereich, der schon in den letzten Jahren immer mehr an Gewicht in Deutschland zugenommen hat.

Christa Schäfer