Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Die VW-Regel in der Kommunikation

Die Sprache ist ein wesentliches Element in der Mediation. Und zur Sprache bzw. zur Intervention durch Sprache bzw. zu minimalen Interventionen mit maximaler Wirkung ist mir gerade ein fantastisches Buch in die Hände gefallen: Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior aus dem Carl-Auer Verlag.

Dieses Buch richtet sich vornehmlich an Psychotherapeuten, Berater, Supervisoren, Coachs und Organisationsentwickler. Meiner Meinung nach darf bei dieser Aufzählung die Berufsgruppe der MediatorInnen jedoch nicht fehlen!

Die VW-Regel hat meine Mediationsausbilderin bereits in meiner Ausbildung stets betont, allerdings natürlich nicht als solche benannt: „Hinter jedem Vorwurf steckt ein Wunsch!“ Bei Prior in der MiniMax-Intervention Nr. 15 heißt dies: „Aus V mach W.“

Wie oft gibt es Medianten, die sich gegenseitig Vorwürfe an den Kopf werfen: „Nie hilfst du mir im Haushalt …“ oder „Und wenn ich nach Hause komme, dann sitzt du immer vor dem Fernseher oder quatscht mit deinen Freundinnen am Telefon …“ So geht es in manchen Ehen zu, es gibt Vorwürfe über Vorwürfe, und in den allermeisten Fällen tut der Weg in die Mediation, der Weg zu einer Änderung der Kommunikation bzw. der Schritt zur Lösung dieser Kommunikationsstörung gut. Wie anders klingt es hingegen, wenn sie sagt: „Ich wünsche mir, dass du mehr im Haushalt hilfst und zum Beispiel Dienstags das Altpapier in die Tonne bringst.“ Und er könnte dann sagen: „Und ich wünsche mir, dass du mich begrüßt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und dich mit mir gemeinsam an den Tisch setzt, um die Neuigkeiten des Tages zu besprechen.“ Das klingt doch schon viel anders als die Vorwürfe und wird natürlich – da freundlicher und gezielter formuliert – auch eher angenommen und berücksichtigt.

Übrigens steckt in diesem Beispiel auch die MiniMax-Intervention Nr. 4, denn „immer“ stimmt in den meisten Situationen nicht. Sagt sie: „Immer brüllst er mich an!“, so kann das gar nicht sein. Durch bedacht formuliertes Spiegeln und Fragen kann der Mediator dieses „immer“ auf seine tatsächliche Größe zurückschrauben: „In der Vergangenheit hat er Sie oft angebrüllt. Wann war das letzte Mal, an das Sie sich erinnern können, und was ist da passiert …“ Nach Klärung dieser Situation kann dann der Mediator weitergehen und Situationen erfragen, wann die Kommunikation gut geklappt hat, wie sich dies angefühlt hat, was dieses Gespräch ausgemacht hat usw. Da kommt dann das zu mediierende Paar einer Lösung schon viel näher.

Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior bringen mit einem Mini-Leseaufwand einen maximalen Gewinn für MediatorInnen. Die Reflexion der eigenen Kommunikation in der Mediation wird mit Hilfe der vorgeschlagenen Interventionen riesig spannend. Auch für den Alltag und das tägliche Miteinander in Familie und Beruf kann man diesem Buch viel Gewinnbringendes entnehmen.

Ach, und übrigens sorgt in dem Buch ein kleine Bär mit seiner radikalen Form der deutschen Rechtschreibung für echten Lesegewinn: „’n tolles Buch hap ich da grad inne Finger gekricht!“

Auf der auf der Homepage der Regionalstelle Frankfurt der Milton Erickson Gesellschaft können Sie in das Vorwort sowie in zwei weitere Interventionen hineinschnuppern. Ein MiniMax-Buch für Lehrer ist übrigens gerade in der Entstehung – ich freue mich schon jetzt sehr darauf. Und falls Sie sich für „Fragen in der Mediation“ interessieren, schauen Sie doch hier in diesem Blog auf den entsprechenden Artikel.

Christa Schäfer

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  1. Danke für die schöne Zusammenfassung. Ich wußte nicht mehr, dass Manfred Prior in seinem Buch von der VW-Regel schreibt. Mir ist nur noch der Satz einer Klientin im Ohr, als sie damals Haberzettl zitierte. Aber lesen Sie selbst: http://shivanireutlingen.wordpress.com/2011/09/19/jeder-vorwurf-ist-ein-schlecht-formulierter-wunsch/

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