Nun, dies ist ein Mediationsblog, und dennoch gehört das Thema Entspannung in der Schule genau hierher. Viele Schulkinder müssen sehr früh aufstehen, zur Schule hetzen, eine Unterrichtsstunde nach der anderen absolvieren, erst Mathe, dann Deutsch, dann Sachkunde, Sport dazwischen, manchmal gibt es zu wenig Pause zum Essen und Trinken, dann in die Aula und das Theaterstück proben … Wer sich als Erwachsener ständig auf andere Themen konzentrieren muss und permanent so ungefähr 25 Personen um sich hat, der weiß, wie energiegeladen diese Tage sind.

Da ist es gut, zumindest ein Mal am Tag eine Quelle der Ruhe zu finden und „herunterzukommen“. Viele Kinder neigen zu Tagträumen, sie sitzen dann da und starren „Löcher in die Luft“. Diese Tagträume sind eine wichtige Pause im (zu) anstrengenden Alltag und sie fördern die psychische und körperliche Integration und Gesundheit. Schule kann/könnte diese Tagträume institutionalisieren! Da hilft schon das Vorlesen einer Geschichte zum Träumen oder eine Fantasiereise, und da ist natürlich eine Entspannungs- und Wohlfühlgeschichte eine wundervolle Methode, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Ich habe dazu ein fantastisches Buch von Daniel Wilk mit einer Vielzahl von Entspannungs- und Wohlfühlgeschichten entdeckt, es heißt „Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt“ und ist für Kinder (und Erwachsene) jeden Alters gedacht.

Durch die Entspannung erholt sich der Körper. Das Kind öffnet sich jedoch auch für seine Wahrnehmung in den Bereichen, die in der Geschichte angesprochen werden. Mit den Geschichten wird den Kindern vermittelt, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine ist, Ängste werden reduziert und kreative Ressourcen werden aktiviert. Für jeden Menschen ist es wichtig, sich selbst anzunehmen, die eigenen Gefühle zu spüren und zu akzeptieren. Das Kind lernt sich selbst wertzuschätzen und eigene Grenzen sowie die anderer Menschen zu respektieren und zu schützen. Durch die in der Geschichte verwendeten Formulierungen kann das Kind sogar seine eigenen Ressourcen im Umgang mit der belebten und unbelebten Welt verstärkt erschließen und nutzen.

Dies alles sind unschätzbare Werte für das Kind, die natürlich auch der Suchtprävention und der Gewaltprophylaxe dienen. Eine Entspannungsgeschichte pro Tag und die Lehrer sowie die SchülermediatorInnen haben nicht mehr so viele Konfliktfälle zu bearbeiten wie in anderen Klassen und Schulen. Natürlich können die Geschichten auch zu Hause oder an anderen Orten vorgelesen werden.

So, und jetzt sind Sie sicherlich ganz neugierig, wie die Geschichten aussehen. Hier eine kleine Kostprobe:

„… und während du es dir jetzt hier gemütlich machst und dich dabei erholst, erzähle ich dir etwas über Käfer … es gibt wahrscheinlich manche Käfer, die gerne auf Blättern schlafen … wenn sie müde werden, suchen sie sich ein schönes Blatt, irgendwo im Schatten oder auch in der warmen Sonne, dafür laufen sie ein Weilchen durch den Wald oder über die Wiese, bis sie den richtigen Platz gefunden haben, auf dem sie sich wohl fühlen …

manche Blätter sind ein guter Schlafplatz … sie sind weich und über dem Boden und doch leicht für einen Käfer zu erreichen, er braucht nur am Stamm hochzuklettern …

wenn du magst, kannst du dir jetzt vorstellen, wie es wäre, wenn du ein solcher Käfer wärst … der legt sich auf seinem Platz bequem hin … vielleicht ruhen sich manche Käfer auch im Sitzen aus, wenn das bequemer für sie ist … dabei lehnen sie sich an den nächsten größeren Zweig, damit ihr Rücken und ihr Kopf sich entspannen können, denn es ist auch für einen Käfer wichtig, dass es ihnen gut geht …..“

Entspannungs- und Wohlfühlgeschichten sind ein Mittel der Konfliktprävention und beugen damit auch Gewalt in Schule vor. Das Buch „Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt“ ist voll mit wunderbaren Geschichten und ich wünschte, dass viele Grundschullehrerinnen und -lehrer diese Geschichten in den Schulalltag für die Schüler mit einbauen.

Christa Schäfer