„Vor gut 10 Jahren gründete sich die ‚Plattform Zivile Konfliktbearbeitung‘, um im Gegensatz zur militärischen Ausrichtung Lobbyarbeit zu leisten für Konfliktbearbeitung, die aus der Zivilgesellschaft kommt. Mitglieder der Plattform sind: Kirchen, Friedensdienste, wissenschaftliche Institutionen und auch Einzelpersonen. Während vorwiegend die Konfliktbearbeitung im Ausland im Vordergrund stand und auch noch steht, entwickelt sich seit knapp 3 Jahren ein zweiter Strang, der sich mit der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland beschäftigt.“

„Seit ebenfalls 10 Jahren ist die Mediationsszene um eine Disziplin reicher – der Gemeinwesenmediation. Diese hat mit einer Adaption der angloamerikanischen ‚Community Mediation‘ auf deutsche Verhältnisse angefangen und ist dabei, immer mehr ein eigenes Profil zu entwickeln.“

Diese beiden Zitate sind einem Artikel von Olaf Schulz und Nadja Gilbert entnommen, der im Spektrum der Mediation, der Fachzeitschrift des Bundesverbandes Mediation“, den Bogen zwischen beiden Gebieten schlägt (Heft Nr. 33).

Es gibt eine Vielzahl von Projekte der Gemeinwesenmediation in Deutschland. Leider haben die meisten der Projekte nicht die Relevanz in den sozialen Stadtteilentwicklungsprozessen, den sich sich gewünscht hätten. Ein Grund dafür wird von Schulz und Gilbert in der Bottom-up-Struktur der Projekte gesehen; ein weiterer im zivilgesellschaftlichen Selbstverständnis, dem in den seltensten Fällen ein formaler Auftrag oder ein Mandat von politisch-administrativer Seite zugrunde liegt.

MediatorInnen aus den Projekten fassen Gemeinwesen-Konflikte als Impuls zur Veränderung auf und müssen dann eventuell institutionelle Ebenen einschalten, die für den zu bearbeitenden Regelungsbereich die Verantwortung haben. Damit ist die Gleichberechtigung unter den an der Mediation teilnehmenden Parteien nicht mehr gegeben.

In dem Artikel wird deshalb ein spezielles Verfahrensdesign vorgeschlagen, das sowohl Bottom-up als auch Top-down arbeitet, und die Idee der Kooperation mit Ansätzen der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland wirkt geradezu bestechend. Der Definition der Zivilen Konfliktbearbeitung gemäß würde sogar die Gemeinwesenmediation unter diesen Begriff fallen.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung der Gemeinwesenmediation in Deutschland, die ihren festen Platz im Gefüge bisher noch nicht gefunden hat.

Christa Schäfer