Mediatorinnen und Mediatoren lernen in ihrer Ausbildung den Unterschied zwischen geschlossene Fragen und offenen Frage kennen.

Geschlossene Fragen lassen sich meist mit einem Wort beantworten, oft mit „ja“ oder „nein“, und sind deshalb nicht so sehr „ergiebig“. Beispiele für geschlossene Fragen sind: „Hast du ihn geschlagen?“ oder „Warst du einkaufen?“ Für den Mediationsprozess bieten sich geschlossene Fragen so gut wie nie an.

Offene Fragen ermöglichen eine große Bandbreite an Antwortmöglichkeiten. Sie erfragen Vorgänge, Meinungen, Wünsche und fangen an mit: Wie? Was? Wann? Wo? Wer? Offene Fragen fördern die Beziehungen zwischen den Gesprächspartnern. Beispielsweise sind folgende Frage offen: „Was ist passiert?“ „Was hat dich am meisten geärgert?“ Die Voraussetzungen für Empathie und Wertschätzung ist durch offene Fragen gut gegeben. In der Mediation sind diese Fragen die wohl am meisten verwendeten.

Fragen mit Warum? stellen eine weitere Fragekategorie dar, die meist ungünstig ist, da der Gefragte dann das Gefühl bekommt, sich rechtfertigen zu müssen. Er glaubt dann oft, dass er „beschuldigt“ wird. Im Schulkontext werden Warum-Fragen gerne genutzt, beispielsweise: „Warum hast du ihn geschlagen?“ „Warum hast du den Müll hingeworfen?“ In der Mediation sollten Warum-Fragen tunlichst vermieden werden.

Eine weitere gezielt einzusetzende Fragemöglichkeit stellt die Wunderfrage dar. Steve de Shazer, der Begründer des lösungsorientierten Ansatzes in der Systemischen Therapie, hat erstmals über diese Frageart geschrieben und sie gezielt angewendet. Bei dieser Frageart wird die Lösung und nicht das Problem fokussiert. Eine Wunderfrage kann an exponierter Stelle auch in der Mediation eingesetzt werden.

Sie kann beispielsweise lauten: „Angenommen, Sie treffen sich am Samstag mit ihrer besten Freundin. In der Nacht vorher ist ein Wunder passiert und das Problem, weswegen Sie heute hier sind, ist gelöst – einfach so. Da das Wunder aber über Nacht passiert ist, wissen Sie dies nicht. Was wird Ihrer Meinung nach das erste Anzeichen sein, welches Sie darauf hinweist, dass sich etwas verändert hat und welches Sie ihrer besten Freundin berichten können?“

Natürlich kann der Umgang mit der Wunderfrage durch Nachfragen präzisiert werden: Was genau wäre anders? Wie würden Sie sich anders verhalten? Gab es in letzter Zeit schon einmal einen Moment, der fast wie ein Wunder war? Was könnten alle miteinander tun, um ein klein wenig Wunder schon jetzt Wahrheit werden zu lassen?

Die Einfälle, die auf die Wunderfrage hin geäußert werden, sind meist positive Zukunftsfantasien. Der Mediant bzw. die Mediantin wird in der Fantasie angeregt, sich Änderungsmöglichkeiten vorzustellen. Dadurch wird die tatsächliche Einleitung von realen Veränderungsschritten erleichtert. Der lösungsorientierte Prozess in der Mediation wird dadurch stark vorangetrieben und es scheint klar, dass die Frage sich gut für den Übergang zur Phase der Lösungssuche eignet.

Wunder haben mit Wünschen zu tun.

Und auch das Äußern von Wünschen ist, wie MediatorInnen wissen, wichtig für den Mediationsprozess. In diesem Sinne kann man sich von dem wunderbaren Wunscherfüllungsbuch anregen lassen. Das Wunscherfüllungsbuch ist ein wunderbar gestaltetes Buch mit viel Platz zum Einschreiben von Wünschen. Und über die Kraft des Wünschens steht dort geschrieben: Wünsche nur, was dich selbst betrifft. Überlege dir, was du dir wünschen willst. Trau dich. Schreibe die schönen Wünsche in dieses Buch. Streiche auch Wünsche durch. Hake erfüllte Wünsche ab.

Dieses magische Buch kann ein wenig wie die Wunderfrage wirken. Jeder Wünschende formuliert seinen Wunsch und sein Ziel. Dadurch entsteht Klarheit, es kann Veränderung geschehen und es können Prozesse in Gang gebracht werden. Eine wahrhaft wunderbare Idee, dieses Wunscherfüllungsbuch.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit Wünschen arbeiten möchten, so bietet sich dieses Buch förmlich an. Natürlich können sie jedoch die Schüler auch nach dem Vorbild dieses Buches eigene einfache Wunschbücher gestalten lassen und hierdurch einen Reflexionsprozess anregen sowie soziales Lernen ermöglichen.

Christa D. Schäfer