… so heißt ein fantastisches Projekt, das die Journalistin und Autorin Sandra Schuster-Böckler gestartet hat. Nach dem Amoklauf von Winnenden hat sie sich einen tieferen Einblick in die Erwartungen, Bedürfnisse, Wünsche und Nöte von Kindern und Jugendlichen gewünscht. Deshalb geht sie jetzt in Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, freie Schulen und auch Eliteinternate. Dort wird sie mit einem Fragebogen Kinder und Jugendliche befragen und herausfinden, was diese bewegt und was sie brauchen. Irgendwann entsteht daraus ein Buch über die Stimmen unserer Kinder, aber das dauert noch eine Weile.

Auf die Frage „Vor wem hast Du Respekt?“ antwortete beispielsweise ein 14jähriger Schüler: „Vor Menschen, die in ihrem Leben etwas erreicht haben.“ Und auf die Frage „Vor wem oder was hast Du Angst?“ antwortete eine 15jährige Schülerin: „Die Prüfung nicht zu schaffen, keine Freunde zu haben, meine Familie zu verlieren.“

Auch das Nachdenken über den tragischen Amoklauf von Winnenden muss zur Schule dazu gehören. Wer als Schüler nachgedacht hat über Verzweiflung, wer Freundschaft und Respekt im Schulalltag erlebt, für den ist der Schritt zu einer Verzweiflungstat weit.

Vielleicht denken Sie zu wissen, was ich im Interview mit Frau Schuster-Böckler auf die Frage „Glauben Sie, dass man alle Kinder erreichen kann? Auch die, denen angeblich nicht mehr zu helfen ist“ geantwortet habe – Sie können es jedoch auch auf der dortigen Seite nachlesen.

Deshalb darf, soll und muss auch das Nachdenken über die eigenen Gefühle, Ziele, Wünsche und Träume zur Schule dazu gehören! Nur wer fühlen kann, kann auch mit-fühlen, und nur wer Träume hat, lebt stabil im hier und jetzt.

Vor kurzem habe ich mit einem 13jährigen Schüler seine „Lebenslinie“ erarbeitet: Wie alt möchtest du werden? Was möchtest du in 10 Jahren erreicht haben, was in 25 Jahren, was in 50 Jahren, was am Lebensende? Was hast du in deinem bisherigen Leben mitbekommen, damit du diese Ziele erreichen kannst? Was fehlt dir noch an Fähigkeiten, um diese Ziele zu erreichen? Wie kannst du es schaffen, dass du dir diese Fähigkeiten erarbeitest? – Für den Schüler war dies eine der interessantesten Unterrichtsstunden des Schuljahres, wie er mir hinterher erzählte. Er hat sich Ziele gesetzt und arbeitet jetzt daran.

Natürlich dürfen Prozesse des Nachdenkens, des sozialen Lernens und der Kreativität das fachliche Lernen nicht verdrängen – aber sie müssen eine Berechtigung im Haus des Lebens und Lernen, also in der Schule haben!

Christa D. Schäfer