… heißt ein Buch von Rainer Winkel, dem Gründungsdirektor der EGG, der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck. Das Buch ist das wohl geradezu einmalige Dokument einer Schulgründung, in dem nicht nur Erfolge aufgezeigt werden, sondern auch Prozesse des Scheiterns. Und das macht das Buch auch so interessant für diesen Mediationsblog.

Die dort dargestellten Aufgaben im Rahmen einer Schulgründung sind immens. Die vorkommenden Konflikte sind schier überwältigend. Winkel schreibt dazu: Es gab kollegiale Konflikte zwischen den Lehrern bzw. zwischen dem Schulleiter und einigen Lehrern; edukative Konflikte zwischen Eltern und Lehrern; didaktische Konflikte zwischen der wünschenswerten Schul- bzw. Unterrichtsreform und ihrer Machbarkeit; und es bahnten sich Konflikte zwischen dem Schulträger und dem Schulleiter an. Ja, und natürlich sind nicht zu vergessen die Konflikte zwischen den Schülerinnen und Schülern bzw. zwischen Lehrern und Schülern.

Ein Großteil der Konflikte wurde zu Unterrichtsstörungen, ein anderer Teil führte zu Verweisen, ein Fall führte gar zum Schulausschluss. Da heißt es von Lehrer- und Schulleiterseite aus zu warnen, Grenzen aufzeigen, gelbe und auch rote Karten zücken; sodann: die Schäden beseitigen, Konsequenzen wagen, wieder gutmachen; und schließlich: dem Geschädigten die Hand reichen, der Gemeinschaft etwas Gutes tun, in sich das Böse überwinden. „Wir Lehrer müssen wieder lernen, dass dies zusammengehört: das Warnen, das Wiedergutmachen und das Stiften neuen Vertrauens durch eine neue, eine gute Tat.“, so Winkel auf S. 322 dieses Buches.

Ja, und auch über soziale Konflikte muss ein Gründungsdirektor seine Lektion lernen, die da hieß: „Personale Konflikte lassen sich nicht im Medium von Sachlichkeit, von Logik und Beweisführung lösen – überhaupt nicht diskursiv – im Gegenteil: Sie werden auf diese Weise und darin zu noch festeren Knoten gezurrt. Personale Konflikte sind nur personal zu lösen, das heißt im Medium von liebevoller Emotionalität, die freilich so wahr, so echt und so spontan sein muss und das Lachen und das Weinen der kleine L.W. …“ Mein Dank an Prof. Dr. Rainer Winkel für dieses offene Buch, das allen an Schule und Konflikten interessierten Lesern wärmstens empfohlen sei.

Was wäre es doch prima, wenn alle Lehrer kommunikative und mediative Kompetenzen in Ihrer Ausbildung erlernen und Schulleiter diese in jeder Schule erfahrbar machen könnten. Dann würden zwar auch weiterhin Unterrichtsstörungen vorkommen – aber der Umgang miteinander wäre ein humanerer, die Möglichkeiten der gegenseitigen seelischen Verletzung wäre geringer und die Chancen auf gelungene Konfliktlösungen wäre viel höher. Vielleicht werden dann die Ergebnisse der nächsten TALIS-Studie angenehmer als die der letzten …

Christa D. Schäfer