Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Wie entstehen Gefühle im Gehirn?

Gefühle werden im limbischen System hervorgerufen und verarbeitet. Das limbische System ist eine ringartige Ansammlung von Hirnkernen, bestehend aus Amygdala, Hippokampus, Hypothalamus und dem Gyrus cinguli – Strukturen, die vielfältig mit der Großhirnrinde verbunden sind. Sie können das gesamte Gehirn in seiner Funktion beeinflussen. Der untere Bereich des limbischen Systems (Amygdala, Hippokampus, Hypothalamus) ist für den körperlichen Ausdruck von Gefühlen verantwortlich, der obere Teil mit dem limbischen Kortex für die Wahrnehmung und das Bewusstwerden von Gefühlen.

Die Amygdala, der sogenannte Mandelkern, ist von besonderer Bedeutung für unser emotionales System. Wird er beispielsweise bei einer Hirnblutung beschädigt, so kann es zu einer „Gefühlsblindheit“ bezüglich eigener als auch fremder Gefühle kommen. Besonders die Gefühle der Furcht, Angst und Aggression sind hiervon betroffen. Die Amygdala begleitet alle Ereignisse emotional und bewertet sie. Sie beeinflusst schon auf der Wahrnehmungsebene, was wir wahrnehmen und wie wir die Welt „erleben“.

Diese Informationen sowie die folgenden sind dem neuen Buch des Neurobiologen Martin Korte entnommen: „Wie Kinder heute lernen. Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß“. Das Buch ist superspannend geschrieben, interessant zu lesen und erklärt anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, wie das kindliche Gehirn denkt, versteht, sich konzentriert und erinnert.

Neugeborene werden zunächst nur mit einer kleinen, aber effektiven Grundausstattung an emotionaler Ausdrucksfähigkeit (Freude, Lachen, Ekel) geboren. Sie können Gesichtsausdrücke wie Zufriedenheit, Trauer und Überraschung erkennen und nachahmen. Diese Imitation von Menschen mit Gefühlsausdrücken ist schon früh angelegt und eine wichtige Voraussetzung für die spätere Empathie – also die Fähigkeit, sich in die Empfindungen anderer Menschen einzufühlen. Autistischen Kindern fehlt übrigens die Neigung, andere zu imitieren.

Eigene Emotionen aufzubauen sowie Gefühle bei anderen Menschen wahrzunehmen, das sind wichtige Funktionen eines jeden Gehirns. Manchen dreijährigen Kindern fehlt die „Kontrollinstanz“ von der Großhirnrinde zur Amygdala, das macht es für sie nicht einfach, ihre jähzornigen Ausbrüche zu kontrollieren. Grob gesagt beginnt die Gefühlskontrolle und Bewertung von Emotionen erst mit dem fünften bis sechsten Lebensjahr. Und erst nach der Pubertät ist die Verbindung vom Stirnlappen zur Amygdala myelinisiert, so dass dann der präfrontale Kortex effektiv Emotionen kontrollieren kann. Erst dann ist diese Verbindung in der Lage, die starken emotionalen Reaktionen der Amygdala zu dämpfen.

Gefühle spielen nicht zuletzt beim Lernen eine wichtige Rolle. Was emotional aufwühlt, wird leichter im Gehirn abgespeichert als ein neutraler Sachverhalt. Eine negative gefühlsmäßige Einstellung in Bezug auf Lehrer oder Lernstoff oder etwa durch ein Mobbing in der Klasse, blockiert die Aufnahme von neuem Lernstoff.

„Wie Kinder heute lernen“ ist ein fantastisches Buch für Eltern, die Kinder auf Ihrem Weg zum Schulerfolg begleiten wollen. Neben den Themen „Die 7 Säulen des kindlichen Lernens“ und „Die 7 Säulen für den Schulerfolg“ wird hier auch über den Umgang mit Lernstörungen und über hochbegabte Kinder berichtet. Dieses Buch sollten sich engagierte Eltern (und Lehrer) nicht entgehen lassen!

Und übrigens: Emotionen lenken maßgeblich unser Handeln, auch das, welches wir für rational halten. Gefühle behindern uns nicht im Denken, sondern sie sind im Laufe der Evolution überhaupt erst entstanden, um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen!

Ach ja, und kennen Sie schon den Marshmellow-Test des Stanforder Professors Walter Mischel? Der hat direkt vor den Augen je eines vierjährigen Kindes ein Marshmallow abgelegt mit der Anweisung, dieses nicht eher zu essen, als bis er wieder da sei. Dann würde das Kind, falls es das ersten Marshmallow noch nicht gegessen hat, einen zweiten dazu bekommen. Nun ging Mischel aus dem Zimmer und kam erst 20 Minuten später wieder zurück. Die meisten Kinder hatten den Marshmallow schon aufgegessen.

Was aber so interessant an diesem Test war: Nach 14 Jahren testete Mischel den Schulerfolg der am Test teilhabenden Kinder. Genau die Kinder, die mit vier Jahren die beste Impulskontrolle hatten und dem Impuls, das Marshmallow zu essen, widerstehen konnten, schnitten in allen Intelligenz- und Hochschulexamenstests besser ab als diejenigen Kinder, deren Impulskontrolle nicht so sonderlich ausgeprägt war. Zudem waren diejenigen Kinder mit der ehemals besten Impulskontrolle sozial kompetenter, durchsetzungsfähiger, nahmen Herausforderungen leichter an und konnten mit Frustrationen und Drucksituationen besser umgehen! Die Impulskontrolle zählt übrigens nach Howard Gardner zur interpersonalen Intelligenz.

Ja, wozu emotionale Intelligenz doch gut ist. Schaffen Sie es, einer Tafel Schokolade, die vor Ihnen liegt, sagen wir 30 Minuten zu widerstehen?

Christa D. Schäfer

Wollen sie wissen, was Hass und Liebe im Gehirn verbindet?

Zurück

Täglich die Angst

Weiter

Rechtsschutzversicherung bietet Mediation an

  1. Berthild Lorenz

    DIE Frage überhaupt!
    Wenn es eine fair trade Schokolade ist, kann ich ihr mit Mühe so lange widerstehen, weil ich ein ruhiges Gewissen hab, „normale“ Schokolade kann mir sogar gestohlen werden …
    Schmunzelnde Grüße allen Schokolade- und Menschen- liebenden Menschen!
    Berthild Lorenz

  2. Llina Hupert

    Ich habe mir auch immer die Frage gestellt, wie kann ich mein und die dazugehörigen Gefühle kontrollieren.Vor einem Jahr hatte ich auch ein ganz massieves Gefühlsproblem z.B. wurde ich immer ganz aufbrausend,wenn ich mal zuviel alleine Zuhause verbrcht habe.Allerdings habe ich dann einen Weg gefunden, meine Gefühlsausbrüche zu kontrollieren.Nennt sich Sedona Methode, vorher hatte ich mich von einem Hynoiseur verzaubern lassen, das war zwar wirkungsvoll, ich konnte fast Gefühlsausbruchslos alleine sein, trotzdem blieb die Freude nicht lange ,denn Die Wirkung war nach 1 Woche verflogen. Dann hatte ein mich ein freund auf die Methode aufmerksam geacht ,die ich jetzt seitdem verwende.Man stellt sich 4 Fragen und beantwortet sie mit ja oder nein .Damit macht man sich dem Gefühl bewusst und löst es auf.Aber ich will das jetzt nich ausführlich erläutern hier ist ein Artikel ,der beschreibt das genauer ,was ich meine http://www.kikidan.com/artikel/die-sedona-methode.html Nunja seitdem läuft so einiges leichter,denn meine Freundschaften hatten unter meinen Gefühlsausbrüchen gelitten.Ich freue mich,falls ich jemandem mit meinen Erfahrungen weiterhelfen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén