Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Kevin und die Unterrichtsstörungen

Manchmal entscheidet wohl schon der Vorname darüber, ob ein Schüler den Unterricht stört oder nicht – so lautet grob gesagt das Resümée einer Untersuchung von Julia Kube.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer bestimmte Vornamen mit Vorurteilen belegt haben. Kevin gilt demnach als Prototyp eines verhaltensauffälligen Kindes. Auch bei Justin, Mandy und Chantal haben die LehrerInnen gleich ein besonderes Bild vom Kind im Kopf.

Aus dem angloamerikanischen oder französischen Sprachraum stammende Vornamen (Marcel, Yves oder eben Yustin) werden vielfach mit Lernschwäche, mangelndem Interesse und schlechtem Sozialverhalten verbunden. Klassische deutsche Vornamen (Agnes, Sophie, Anna, Charlotte) wecken bei LehrerInnen dagegen meist positive Assoziationen wie Intelligenz, Lernbereitschaft und gutes Sozialverhalten.

Die Untersuchung wurde an der Oldenburger Arbeitsstelle für Kinderforschung durchgeführt und von der Pädagogik-Professorin Astrid Kaiser betreut. In einem Interview mit Spiegel Online berichtet Kaiser: „Was mich bei der Studie allerdings überrascht hat, war die Deutlichkeit und die Schärfe, mit der die befragten Lehrer über bestimmte Namen urteilen – und mit welcher Bestimmtheit sie davon ausgehen: Das ist kein Vorurteil, das ist eigene Erfahrung, das ist die Wahrheit.“ … Da muss doch dann sofort das Stichwort der self fulfilling prophecy fallen …

Wie türkische und arabische Namen in der Klassenliste auf GrundschullehrerInnen wirken, wurde leider nicht untersucht. In Berlin sind es beispielsweise die Namen Mohammed und Hamudi, die für die Vorstellung massiver Unterrichtsstörungen stehen.

Interessant nachzulesen ist sowohl der Bericht zur Forschung von der Uni Oldenburg, als auch natürlich die ausführlichen Ergebnisse der gesamten Studie.

In Oldenburg wird in der Lehreraus- und -weiterbildung das Anti-Bias-Training eingesetzt. PädagogInnen können hier lernen, eigene Vorurteile zu überwinden. Das sollte Schule in weiteren Universitäten – und natürlich auch in Schulen – machen.

Und natürlich sollten LehramtsstudentInnen und ReferendarInnen vor der Praxisphase über das Thema Unterrichtsstörungen informiert werden, immer mehr Hochschulen und Universitäten gehen dazu über, das Thema Unterrichtsstörungen systemisch zu betrachten und in den Lehrplan mit aufzunehmen.

Christa D. Schäfer

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  1. Berthild Lorenz

    „Und natürlich sollten LehramtsstudentInnen und ReferendarInnen vor der Praxisphase über das Thema Unterrichtsstörungen informiert werden, immer mehr Hochschulen und Universitäten gehen dazu über, das Thema Unterrichtsstörungen systemisch zu betrachten und in den Lehrplan mit aufzunehmen.“

    Wie gut! Ich hab von 1958-1968 die Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule absitzen müssen. Im Zeugnis 4. Klasse steht – da lebte ich schon seit 10 Jahren! – „Berthild ist streitsüchtig!“

    Ich kann mich gut an den Lehrer erinnern und an meine Situation – wir wohnten in einer Baptistenkirche in Friedrichsahegen, wo jeder jeden kannte und im Gegensatz zu den Kindern, die in die katholische Kirche und in die evangelische Kirchen gingen, war ich weder Pionier, noch schwieg ich zum Thema Gott und Kirchen …

    Das System war okay, nur ich nicht, meinten sie.
    Ich hab lange gebraucht, um zu kapieren, was da wirklich abgegangen war. Ich als Kind war dem Ganzen furchtbar ausgeliefert und sehr allein, verklemmt zwischen zwei Systemen, die an mir herumerzogen.
    Da wäre ne Mediation DIE Sachen gewesen!

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