Rot besitzt, wenn man die symbolische Wirkung betrachtet, sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Positiv verbindet man mit der Farbe Rot das Glück, die Lebensfreude, die Energie, die Aktivität, die Liebe, die Sexualität, die Erotik, die Verführung, die Kraft, das Feuer, die Hitze, die Wärme, die Begierde, das Blut – negativ verbindet man den Hass, die Wut, den Zorn, die Aufregung, die Aggressivität, das Laute, den Lärm, die Unmoral, die Gefahr und das Verbotene.

Damit verbindet sich die Farbe Rot einerseits mit positiven Emotionen wie dem Verliebtsein und andererseits mit negativen Emotionen wie dem Zorn.

Farben lösen Emotionen aus!
Man empfindet sie als warm oder kalt.
Sie können glücklich machen, munter, traurig, aggressiv …

Emotionen lösen Farben aus!
Wenn man depressiv ist, sieht man schwarz.
Wenn man zornig ist, sieht man rot.
Wenn ich ausgeglichen bin, bevorzuge ich gelb oder grün.

Im September 2009 war ich zu einer Performance zum Thema „Rot“ und zur Vernissage einer Ausstellung mit Bildern ausschließlich zum Thema Rot. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?! Die Vielfalt und Eindrücklichkeit in den Ausstellungsräumen war einfach unglaublich!

Wikipedia weiß zu berichten, dass Rot der Farbreiz ist, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, dessen Maximum im Wellenlängenintervall oberhalb 600 nm liegt.

In einer Untersuchung der Universität Mannheim wurde die Hypothese aufgestellt, dass emotionale Reaktionen nicht so sehr von der Farbe selber hervorgerufen werden, sondern eher von Sättigung und Helligkeit einer Farbe. Auf die Bewertungsdimensionen Erregung und Dominanz bezogen konnte diese Hypothese bestätigt werden, auf die Bewertungsdimension Stimmung bezogen allerdings nicht.

Das Buch “Der Rote Zorn“ ist in vielerlei Hinsicht interessant. Dieses von Brigitte Blobel geschriebene Buch aus dem cbt Verlag richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren – ist aber meiner Meinung nach für Lehrerinnen und Lehrer ein unbedingtes Muss an Leselektüre. Das Buch erzählt von Mara, die in einem ziemlich „kaputten Elternhaus“ aufwächst. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Vater ist Alkoholiker, gewalttätig zu seiner Frau und wird dann auch noch arbeitslos. Die ältere Schwester ist vor langer Zeit schon „abgehauen“ und hat die Verbindungen zur Familie abgebrochen. Die Mutter ist tablettensüchtig, depressiv und hat eine Angstneurose. Ja, und Mara muss mit all diesen Dingen umgehen … Da ist es doch selbstverständlich, dass für Mara nicht alles „gerade“ läuft:

„In dem Augenblick hat Mara zum ersten Mal den Feuerball in ihrem Kopf gespürt und den Wunsch, irgendwas kaputtzumachen. Aus Angst, sonst selber kaputtzugehen …“ (S. 111)

so merkt sie schon früh, und später:

„Sie dachte an ihre Mutter und an ihren Vater. An Simone. Sie dachte an das Leben, das sie geführt hatte, an die Familie, in die sie hineingeboren worden war. Man kann sich seine Familie nicht aussuchen, hatte mal jemand gesagt. Es stimmte. Auch die Familie hatte sich sie nicht aussuchen können. Ein Mädchen, das seinen Zorn nicht unter Kontrolle hat, ein Mädchen, das mit Wut nicht umgehen kann. Ein Mädchen, das zuschlägt, bevor es denkt. Das hatte man immer von den Schlägern gesagt, dass sie ihre Fäuste benutzten, weil in ihrem Kopf nur Stroh war. Aber sie, Mara, konnte doch auch ihren Kopf benutzen. War doch nicht nur Stroh …“ (S. 217)

Die Farbe Rot in Form von Blut spielt in diesem Jugendroman eine wichtige Rolle. Und nicht nur das, man kann die Wohnung von Maras Familie fast riechen, man kann die Erziehungsmethoden der Eltern nicht glauben, man erinnert sich als Lehrerin an einige typisch bekannte Schulsituationen und man kann Maras Angst und Verzweiflung förmlich spüren. Wie gut, dass ihre Klassenlehrerin Susanne Schümann nicht aufgibt!

Gerade für den Schulkontext und die Arbeit mit extrem schwierigen Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, auch den Hintergrund solcher Schülerinnen zumindest ein Mal empathisch mitfühlend gelesen zu haben. Und wer im Laufe des Buches viel Empathie aufbringen konnte, der wird am Buchende dann sogar Taschentücher benötigen … Sie werden das verstehen, wenn Sie das Buch lesen …

Mehr zum Thema Emotionale Intelligenz?

Christa D. Schäfer