Vom 6. bis 8. November hat in Berlin die Veranstaltung des „Workshop Aggression“ stattgefunden. Unter der Leitung von Professor Herbert Scheithauer (Freie Universität Berlin) und Professorin Angela Ittel (Technische Universität Berlin) wurde ein hochkarätiges Programm zum Thema Aggression geboten. Nationale und Internationale Experten stellten neueste wissenschaftliche Ergebnisse zur Thematik vor.

Behandelte Themen der Tagungen waren u.a.: Cyberbullying, Geschlecht und Aggression, Frühprävention und Aggression, Intervention und Prävention von Aggression, Aggression und Medien sowie der Zusammenhang zwischen Aggression und Empathie.

Besonders gut hat mir persönlich die keynote von Prof. Dr. Dewey Cornell von der University of Virgina zum Thema „Prevention of School Shootings in the United States“ gefallen. Prof. Cornell gab hierbei Hinweise auf zu vermeidende Fehler, die in den USA in der Nachfolge von School Shootings gemacht wurden und die Europa besser vermeiden sollte. Er benannte drei derartige Fehler: Erstens die „Null Toleranz-Strategie“ (vielleicht erinnert sich mancher hier an den Vorfall, bei dem einem kleinen Jungen sein Plastiktaschenmesser abgenommen wurde), zweitens das Aufbauschen einer Vielzahl von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Krisenbewältigung (Metalldetektoren am Schuleingang, verstärktes Wachpersonal, Alarmsysteme, schussfeste Rucksäcke u.a.) sowie das Aufstellen von Täterprofilen in Bezug auf Amokläufe in Schulen.

Gewaltprävention kann nicht so lange warten, bis der Amokläufer vor der Türe steht, so die Aussage von Prof. Cornell. Jede Schule sollte rechtzeitig und früh genug Maßnahmen zur Gewaltprävention ergreifen!

Auf der Grundlage seiner Forschungen hat Prof. Cornell Leitlinien vorgelegt und erforscht für gute und sinnvolle Reaktionen nach der Gewaltdrohung eines oder mehrerer Schüler. Wer sich dafür interessiert oder sogar den gesamten Vortrag nachvollziehen möchte, der schaue in die Folien des Vortrages zum Thema School Shooting auf der Seite der University of Virginia.

Auch in Berlin wird derzeit an der FU zum Thema School Shooting geforscht. Im Rahmen der Sicherheitsforschung der Bundesregierung wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Forschungsgelder zum Thema bewilligt. Dabei wird auch an der FU vom School Shooting und nicht von Amokläufen gesprochen. Bei School Shootings ist im Gegensatz zu Amokläufen die Handlung und der Ablauf geplant und die Opfer nicht zufällig. Jugendliche deuten oder kündigen ihre Taten im Vorfeld an (im Internet, in Briefen oder Gespräche). Diese Zeichen, Fantasien und Pläne im Vorfeld werden mit dem Stichwort „Leaking“ bezeichnet. Beim Vorfall selber werden nicht unbedingt Schusswaffen eingesetzt, sondern mitunter wird eine andere Form von schwerer zielgerichteter Gewalt für die Tat genutzt.

Im Forschungsprojekt School Shooting an der FU sollen Netzwerke von Helfersystemen in den Blick gerückt werden; es werden u.a. unterschiedliche Herangehensweisen in der Schulung von Lehrern im Umgang mit Drohungen, Tatfantasien und tatsächlicher Gewalt untersucht.

Keine wissenschaftlicher Text, aber dennoch ein fantastischer Roman zum Thema Amoklauf bzw. School Shooting für Jugendliche und LehrerInnen ist das Buch „Mitschuldig“ von Harald Tondern. Einen ersten Einblick in das Buch hier im Blog …

Christa D. Schäfer