„Die Neurowissenschaft hat herausgefunden, dass unser Gehirn als geselliges Organ konstruiert ist, das unweigerlich eine enge Verbindung mit dem Gehirn jeder Person aufnimmt, mit der wir es zu tun haben. Diese neuronale Brücke ermöglicht es uns, auf das Gehirn – und damit auch den Körper – eines jeden Menschen Einfluss zu nehmen, mit dem wir in Kontakt treten; ein Prozess, der in der umgekehrten Richtung natürlich ebenfalls stattfindet.
Selbst ganz alltägliche Begegnungen wirken auf unser Gehirn ein und setzen Gefühle frei, wünschenswerte und weniger wünschenswerte. Je stärker wir einer Person emotional verbunden sind, desto stärker ist die gegenseitige Einwirkung. Der intensivste Austausch findet mit jenen Menschen statt, mit denen wir über Jahre hinweg die meiste Zeit verbringen, besonders mit jenen, die uns wichtig sind.
Bei diesen neuronalen Kontakten tanzen die beiden Gehirne Tango, einen sehr gefühlsbetonten Tanz. …“

Dieses Zitat entstammt Daniel Golemans Buch „Soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben“.

Der amerikanische Psychologe und Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman wurde bereits durch sein 1995 erschienenes Buch „Emotionale Intelligenz“ weltberühmt. Seinen Ausführungen nach setzt sich die Emotionale Intelligenz aus fünf Fähigkeiten zusammen: Die Selbstwahrnehmung ist die grundlegende Fähigkeit eines Menschen, achtsam den eigenen Gefühlen gegenüber zu sein. Die auf der Selbstwahrnehmung aufbauende Fähigkeit besagt, seine Emotionen gut handhaben zu können. Die Selbstmotivation meint, Emotionen in den Dienst eines Ziels stellen zu können. Die Empathie ist die Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Der geschickte Umgang mit Beziehungen stellt als Fähigkeit diejenige soziale Kompetenz dar, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen.

„Man kann die Ursache der Emotionen nicht von der Welt der Sozialbeziehungen trennen. Unsere Gefühle werden von unseren sozialen Kontakten gesteuert.“

so Goleman (der übrigens auch einen blog zum Thema schreibt) weiter zum Zusammenhang zwischen emotionaler und sozialer Kompetenz.

Viele Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer müssen sich in den letzten Jahren zwangsläufig mit diesen Themenkomplexen auseinander setzen. Die SchülerInnen, die jetzt in ihre Klassen kommen, haben oft zumindest in den Großstädten einen großen Nachholbedarf zum Thema.

Für diejenigen unter den Lehrkräften, die bisher nicht besonders viel Erfahrung mit Unterricht im Bereich des Sozialen Lernens haben, gibt es jetzt ein Mitmachheft für Grundschüler zum Thema „Gewalt? Ohne uns!“, das sogar von der Stiftung Lesen empfohlen wird. Ich habe dieses Arbeitsheft, das im Klassensatz bestellt werden kann, im Sailer Verlag entdeckt. Im Heft werden die Themen „Mobbing und Bullying besprochen, es wird über Wut und den Umgang mit Wut berichtet, über Streitschlichter und ein Interview mit einem Polizisten. Eine Foto-Story lädt zum Schreiben von Texten ein, ein Comic zum Zeichnen und eine Melodie zum Schreiben eines Raps. Nebenher gibt es „Spiele“, die in der Klasse zum Thema behandelt werden können und ein Quiz zum Abschluss, in dem getestet wird, was die Schüler in der Unterrichtseinheit gelernt haben.

Wem diese Art Unterricht mit Arbeitsheften gefällt, der kann auch auf das Heft „Voll korrekt! Benimm-Tipps für Schülerinnen und Schüler“ zurückgreifen, das der Bearbeitung von Verhaltensregeln für Schule, Zuhause, Restaurant und Chat dient und eine Sensibilisierung zum Umgang mit anderen Menschen in fremden Ländern bietet.

Ach, und wer von Ihnen zur Förderung der emotionalen Intelligenz in der Familie Informationen sucht, die finden übrigens einige fantastische Hinweise dazu in meinem Buch „Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“.

Christa D. Schäfer