Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Disziplin, Ermutigung, Erziehung und Unterrichtsstörungen

„Man kann Disziplin als den Dreh- und Angelpunkt der schulischen Erziehung betrachten. Ohne sie verschwindet das Gleichgewicht zwischen Lehrern und Schülern und es wird sehr wenig gelernt. Die heutigen Disziplinprobleme können beigelegt werden, wenn wir die überholte autoritäre Methode aufgeben, die eine Unterwerfung der Schüler forderte, und eine neue Ordnung akzeptieren, die auf den Prinzipien von Freiheit und Eigenverantwortung beruht. Lehrer sollten weder permissiv noch autoritär sein. Als Lehrer oder Lehrerin müssen Sie lernen, Ihren Schülern gewachsen zu sein, ihre Denkweise verstehen und in der Lage sein, sie zu leiten, ohne sie verwahrlosen zu lassen oder, das andere Extrem, zu unterdrücken.“ (S. 36)

Dieses Zitat entstammt dem Buch “Disziplin ohne Tränen“ von Rudolf Dreikurs, Pearl Cassel und Eva Dreikurs Ferguson. Auch wenn die drei Autoren das Wort „Disziplin“ verwenden, so meinen Sie damit nicht ein ständiges Anweisen und Herumkommandieren der Schüler, und auch kein Genörgel, Predigen, Disziplinierungen oder Kritisieren. Sie wollen vielmehr eine auf gegenseitigem Respekt und Verständnis beruhende Disziplin in die Schulklassen bringen. Schüler sollen im Unterricht die Prinzipien einer partnerschaftlichen, gleichberechtigten Gesellschaftsordnung anwenden (Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, besseres Zuhören, die Unterstützung anderer Schüler) und so mit Freude lernen können, Selbstsicherheit entwickeln und ihre eigenen Leistungen verbessern.

Rudolf Dreikurs, Psychiater in der Tradition der von Alfred Adler begründeten Individualpsychologie, war insbesondere auch in der Erziehungsberatung tätig. Er berichtet von den vier Zielen kindlichen Fehlverhaltens: Aufmerksamkeit bekommen, Macht haben, Rache üben und den Eindruck der Unfähigkeit vermitteln und setzt die Ermutigung im Umgang miteinander und die Disziplin durch intrinsische Motivation dagegen.

„Ein Kind braucht Ermutigung, wie die Pflanze Sonne und Wasser braucht. Unglücklicherweise erhalten diejenigen, die die Ermutigung am dringendsten bräuchten, am wenigsten davon, weil sie sich auf eine Art und Weise verhalten, dass unsere Reaktionen sie immer weiter in Mutlosigkeit und Rebellion drängt.
Ziel der Ermutigung ist es, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken und ihm die Gewissheit zu geben, dass es gut genug ist, so wie es ist – und nicht sowie es sein könnte. Nur wenn Eltern und Kinder Ermutigung liefern, kann das Kind Mut entwickeln. Ermutigung schafft Mut und die unschlagbarste Form des Mutes ist der, unvollkommen zu sein.“ (Buch S. 97)

Wie wahr … !

Disziplin, Verantwortung und demokratisches Verhalten lassen sich nach Dreikurs et al. durch die Methode der Gruppendiskussion im Klassenverband etablieren. Da eine Gruppendiskussion dem Klassenrat in unserem heutigem Sprachgebrauch gleichzusetzen ist, kann Dreikurs als einer der „Väter“ des Klassenrates angesehen werden. Wer sich für die Einführung des Klassenrats in der Schule interessiert, dem sei meine Praxisbroschüre Klassenrat empfohlen, die kostenfrei auf diesem Blog heruntergeladen werden kann.

Übrigens ist der Name Rudolf Dreikurs auch mit der Methode des „Familienrats“ verbunden als eine Methode in der Erziehung, um Problemen in der Familie vorzubeugen und sie zu lösen. In meinem Buch Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch finden Sie dazu weitere Ausführungen.

Ja, und wer sich für Tipps zum Thema Unterrichtsstörungen interessiert, auch der findet bei Dreikurs Hinweise zur Vermeidung bzw. zum Umgang damit. Geben Sie klare verständliche Anweisungen für das Verhalten, das Sie von einem Kind erwarten und warten Sie damit, bis Sie die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse haben. Richten Sie Ihr Augenmerk auf das künftige Verhalten eines Kindes und nicht auf das, was es in der Vergangenheit getan hat. Gehen Sie immer vom Positiven aus, jedes Kind hat viele guten Eigenschaften. Versuchen Sie zu jedem Kind eine gute Beziehung aufzubauen, die von Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Setzen Sie statt herkömmlicher Strafen besser auf natürliche und logische Konsequenzen. Besprechen Sie Ziele und Probleme mit den SchülerInnen zusammen. Denken Sie daran, Konsequenzen mit Freundlichkeit zu paaren. Akzeptieren Sie ein Kind, auch wenn es etwas Inakzeptables getan hat. Sorgen Sie dafür, dass Schüler selber Verantwortung für ihr Verhalten und ihre Lernerfolge übernehmen können.

Das Buch von Dreikurs et al. ist also für alle, die sich mit dem Begriff der Disziplin in der Erziehung beschäftigen, ein absolutes Muss … Es berücksichtigt moderne Entwicklungen der Erziehung und zeigt einen wunderbaren Weg zur Begleitung und Förderungen von Kindern und Jugendlichen. Zudem ist das Buch so geschrieben, dass Eltern, Erzieher, Sozialpädagogen und andere Pädagogen die Inhalte gut verstehen und einfach übertragen können, was will man mehr.

Vielleicht erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang auch an meinen Blogartikel zum Thema “Disziplin und Soziales Lernen“, in dem ich über das Buch „Aberglaube Disziplin“ von Rolf Arnold berichtet habe. Arnold spricht von dem Begriff Disziplin als einem traditionsbelasteten Begriff, der heute zum „Erleichterungsbegriff“ geworden ist, da er Erziehenden das heimliche Versprechen gibt, endlich Ruhe und Gehorsam zu bekommen.

Auch wenn ich die Ausführungen von Dreikurs sehr schätze, so bleibe ich persönlich statt von Disziplin zu sprechen lieber bei dem Begriff der Unterrichtsstörung. Welchen Begriff bevorzugen Sie und warum?

Christa D. Schäfer

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  1. Berthild Lorenz

    Wie sich eine Lehrerin mit den Störenfrieden, den Kindern, die den „Frieden“ in der Klasse stören, und den Gefühlsmonstern zusammensetzt ist eine wundervolle Geschichte, die hier zu lesen ist …

    http://gefuehlsmonster.de/?p=492

    Ich lese sie immer wieder einmal und staune, wie leicht es ist, zusammen zu finden, wenn wir unsere Herzen und unsere Ohren für einander öffnen …

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