Ein Mädchen aus der 10f (Zitat: „f wie Fotze“) knallt unabänderlich die Türe eines Stahlschrankes zu, das ist laut und nervt. Jeder Lehrer würde hier sofort eingreifen. Aber es ist kein Lehrer da …

Fünf Mädchen sind „der Klassen Feind“ und der Feind jedes Lehrers. Alle Lehrer, die bisher in der 10f waren, haben aufgegeben. So warten die Mädchen mal wieder auf einen neuen Lehrer, aber anscheinend traut sich nun keiner mehr in ihre Klasse. Also bleiben die Fünf alleine und es kommt schließlich eine von ihnen, Fetzer mit Namen, auf die Idee, dass sie sich gegenseitig unterrichten könnten. Das versuchen sie dann auch und es gibt Unterrichtslektionen über den Bau eines Blumenkastens, über die Zubereitung von Berliner Buletten und vor allem die eindrucksvolle Unterrichtseinheit von Fetzer selber, die voller Hass auf jeden ist und den anderen Selbstverteidigung beibringen möchte. Die Aggressivität steigt und nun kriegt auch Vollmond was ab, die bisher eigentlich immer noch einen Hoffnungsschimmer am Horizont gesehen hat.

Wunderbar ist an diesem Stück zu sehen, wie hinter den einfachsten Unterrichtsinhalten der fünf Mädchen ihre Geschichten, Hoffnungen, Wünsche und Ängste hervor schauen. Die Aggressivität ist zwar von Anfang an schon auf der Bühne, aber sie wächst beständig und schließlich fließt sogar Blut. Auch die Mädchen merken schließlich, dass man sie aufgegeben hat, aber das macht die Sache nicht einfacher!

Dieses Theaterstück ist nicht etwa brandneu, nein, das von dem britischen Schriftsteller Nigel Williams stammende Stück wurde bereits am 9. März 1978 in London uraufgeführt und war bereits am 23. April 1981 in Berlin in der Schaubühne am Halleschen Tor erstmals in deutscher Sprache zu sehen. Ursprünglich war das Stück für fünf Jungen gedacht, jetzt ist es umgeschrieben auf Berliner Verhältnisse und für fünf Mädchen. In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« wird es an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin aufgeführt.

Ich empfehle das Theaterstück als ein absolutes Muss für alle diejenigen, die sich mit dem Thema Unterrichtsstörungen oder auch dem Bereich der Aggressivität im Jugendalter beschäftigen. Die jungen Schauspielerinnen, die die Figuren von Betty Fetzer, Luna, Bombe, Angel und Gülcan verkörpern, spielen ihre Rollen hervorragend. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene „psychologische Wahrheit“. Und wann kann man schon einmal das Thema “Unterrichtsstörungen“ so eindringlich im Theater betrachten?! Am 28., 29. und 30. Januar haben Sie dazu bei den nächsten Aufführungen noch die Gelegenheit.

Christa D. Schäfer