„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“, so Antoine de Saint-Exupéry im „Kleinen Prinzen“.

 

Gefühle sind ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Existenz. Gefühle begleiten alles Erleben, Denken, Fühlen, Handeln und Erinnern. Wenn ich etwas „erlebe“, so bekomme ich Gefühle dazu. Gefühle sind also der „Körper des Erlebten“. Gefühle sind die Basis und die Kraft für die Motiviation etwas zu tun oder zu unterlassen. Gefühle sind eine Brücke, die Nähe schafft.

Ist es gut, Gefühlen immer Folge zu leisten?
Oder sollen wir vielmehr die Vernunft über die Gefühle siegen lassen?

Der Arzt, Psychotherapeut und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse Alfried Längle beschäftigt sich in seinem Buch „Sinnvoll leben. Eine praktische Anleitung der Logotherapie“ ausführlich mit dem Sinnbegriff. Er berichtet in diesem Zusammenhang auch von Gefühlen als „Hinweisschildern“ und benennt zwei unterschiedliche Arten von Gefühlen: Die erste Gruppe steht in unmittelbarem Austausch mit einer gerade vorherrschenden Situation, sie will beispielsweise auf eine mögliche Verbesserung der situativen Bedingungen aufmerksam machen. „Ich fühle mich unwohl, mir ist heiß.“ Die zweite Gruppe von Gefühlen hat mit der unmittelbaren Situation nichts zu tun, sondern reagiert auf Bedingungen einer früheren Situation zugehörig. Auch diese Gefühle haben ihren Wert und ihren Sinn, doch die Bedingungen, auf die sich das Gefühl bezieht, liegen in der Person selber. Das Gefühl wird in verschiedenen Situationen wiederholt und das sollte uns zum Innehalten und zu einem sorgsamen Umgang damit anleiten.

Alfried Längle berichtet diesbezüglich von einer einfach anzuwendenden Methode, um sich von Gefühlen, die blockieren oder immer wieder kommen zu lösen. „Übersetzt“ in die Sprache der Kommunikationstheorie und in den Fachbereich der Mediation heißt dies, dass Längle darüber berichtet, wie man sich selber „aktiv zuhören“ kann. Dazu sind drei Fragestellungen notwendig:

  1. Ich beziehe eine Außenposition und schaue auf die Situation:
    Was hat sie mit dem Gefühl zu tun?
  2. Ich wende mich jetzt dem Gefühl zu und beziehe die Innenposition.
    Was für Konsequenzen hätte es, wenn das Gefühl stimmen würde? Könnte ich das aushalten?
    Was würde real passieren?
  3. Ich sichere meine eigene Position auf der sachlichen Ebene:
    Worum geht es mir jetzt?
    In diesem Schritt geht es darum, eine Position zum Positiven zu finden, eine Zuwendung zum Wertvollen und Sinnstiftenden.

Gefühle zu verstehen heißt, sich selber besser zu verstehen.
Bei wiederholt hochkommenden Gefühlen ist es allerdings nach Längle und der Logotherapie wichtig, sich auf „Distanz“ zu halten und nicht jedem Ärger, jeder Wut nachzugeben.

Eine weitere Gruppe von Gefühlen ist wichtig: Diese Gefühle sind da, wenn wir etwas tun oder aufmerksam verfolgen. Wir schauen in die Welt und erfühlen seine Hintergründe. Diese Offenheit führt uns dazu zu spüren, was gut und was schlecht ist, was wichtig für unser Leben und was weit davon entfernt …

Gefühle sind in diesem Sinne Fährten und wir merken durch sie, worauf es ankommt, was Sinn macht! Oft verlangt es Mut, sich auf sein Gespür zu verlassen. Doch wenn wir in Übereinstimmung mit ihm leben, so leben wir wirklich „unser Leben“.

Und übrigens:
„Der Mensch ist frei, sich zu entscheiden, und er kann sich dieser Freiheit nicht wirklich entziehen. Der Auftrag, der mit dem Freisein verbunden ist, besteht im Unterscheiden und im Entscheiden. Nur so kann sich der Mensch in der Auseinandersetzung mit jeder Situation den besten Weg erschließen. Dieser Weg wird als „Sinn“ bezeichnet. Sinn kann demnach definiert werden als eine gute Möglichkeit, die sich vor dem Hintergrund der Wirklichkeit auftut.“ (Längle: Sinnvoll leben, S. 46)

Wenn Sie mehr zum Thema Logotherapie erfahren möchten, so kann ich Ihnen das Buch von Alfried Längle sehr empfehlen. Wenn Sie mehr zum Thema Emotionale Intelligenz suchen, so werden Sie hier im Blog fündig …

Christa D. Schäfer