Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Konflikteskalation Bandidos gegen Hells Angels

In letzter Zeit gibt es in Berlin und Brandenburg einen Gruppenkonflikt, der die Polizei in Atem hält. An ihm kann man gut und äußerst aktuell das Thema Konflikteskalation betrachten, zur Konfliktlösung ist es bisher leider nicht gekommen.

Es gibt drei große Rockerbruderschaften in Berlin und Umgebung: die Bandidos, die Hells Angels und der Gremium MC. Zum harten Kern der drei Motorradclubs gehören je 50 Leute, ca. 100 weitere können flott mobilisiert werden. Bisher war das Verhältnis zwischen den Bandidos und den Hells Angels heftig angespannt. Sie kämpften um die Vorherrschaft im Geschäft mit Prostitution, Drogen- und Waffenhandel. Jetzt droht die Eskalation.

Am 2.2.2010 sind 70 als militant geltende Berliner Anhänger der Rockergruppe Bandidos zu den rivalisierenden Hells Angels übergetreten; der Mitbegründer der deutschen Hells Angels, Rudolf „Django“ T. hat dies bestätigt. Die 70 Personen stammen aus dem Chapter „El Centro“, der Bandidos-Dependance im Norden Berlins. Es scheint, dass das gesamte Chapter damit seine Position gewechselt hat. Grund für das Überlaufen zu den Hells Angels sind Streitigkeiten und blutige Auseinandersetzungen zwischen diesen Bandidos-Rockern aus dem Norden mit ihren Bandidos-Vereinskameraden „Southside“ aus dem Süden Berlins.

In Konsequenz darauf sind die 70 Rocker bei den Bandidos ausgetreten und haben sich mit sofortiger Wirkung am 4.2.2010 den Hells Angels, ihren bisherigen Erzfeinden, angeschlossen. Frank H., der Chef des deutschlandweit größten Club-Charters in Hannover hatte mit „Centro“-Chef Kadir P. den Übertritt des von Türken dominierten Chapters persönlich ausgehandelt. Die Centro-Rocker gelten als besonders gefährlich, ihr Chef als schwer kontrollierbar. Verstärkt wird die Kraft des Übertritts dadurch, dass er einen Tag vor dem 20igsten Geburtstag der Hells Angels vollzogen wurde, zudem haben die überlaufenden Männer symbolisch ihre als heilig geltenden Jacken zerschnitten. Die Polizei ergriff daraufhin sofort absichernde Maßnahmen. Allerdings blieb die Hauptversammlung der Hells Angels am 3.2. ruhig und auch von einer rauschenden Siegesfeier in diesem Milieu ist bislang nichts zu hören.

In Zukunft werden die übergelaufenen Männer Teil der „Hells Angels Türkei“ sein. Das hat wohl nichts damit zu tun, dass diese Männer nichtdeutscher Herkunft sind, sondern hat interne Gründe, über die es bisher keine Informationen gibt. Damit hat sich jetzt das Kräfteverhältnis im Rockermilieu zugunsten der Hells Angels verschoben und Experten sagen: „Man muss mit Reaktionen rechnen.“

Am 4.2.2010 haben in Folge dessen Spezialisten der Landeskriminalämter von Brandenburg und Berlin zu einer Krisensitzung zusammen gefunden. Gewalttaten scheinen jetzt an dieser Stelle der Eskalation aus dreierlei Gründen wahrscheinlich: Die zu den Hells Angels übergelaufenen Mitglieder von „El Centro“ müssen durch besonders mutige Taten ihre Loyalität zum neuen Club beweisen, die Hells Angels sind derzeit in Siegerlaune, weil sich das Kräfteverhältnis nun stark zu ihren Gunsten verschoben hat, und die Bandidos sind nach ihrem Ansehensverlust jetzt unberechenbar.

Am 5.2.2010 gab es eine Sitzung der Bandidos im Vereinssitz in der Weddinger Provinzstraße. Mehr als 100 Rocker aus Deutschland und dem europäischen Ausland trafen sich dort, um die aktuelle Lage zu besprechen. Die Polizei führte vor dem Vereinssitz umfangreiche Kontrollen durch, fotografierten die Teilnehmer und stellte deren Personalien fest. Rund 150 Polizeibeamte trafen dabei auf „kooperative“ Bandidos.

Die beiden verfeindeten Clubs haben jetzt einen „Krisengipfel“ angesetzt, bei dem „Leute aus den Europastrukturen“ der Clubs teilnehmen werden. Die Polizei zeigt im Rockermilieu immer wieder Präsenz durch Razzien und Kontrollen. Dennoch steigt die Nervosität bezüglich der Eskalationsspirale merklich. Dies natürlich auch vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen mit dem Rockermilieu: Im August 2008 erregten die Bandidos mit einer Attacke in Berlin/Charlottenburg großes Aufsehen, denn mit einer Machete wurde der Vizepräsident der Hells Angels vor derem Clubhaus angegriffen.

2009 gab es bei bundesweiten Auseinandersetzungen unter Rockern 2 Tote und Dutzende Schwerverletzte. Es gibt Rocker und Rockergruppen, die im Drogen- und Waffenhandel aktiv sind. Bei anderen Streitigkeiten geht es um Schutzgelder, denn Rocker arbeiten auch als Einlasser und kämpfen um die Türen lukrativer Lokale, um mit bestimmen zu können, welche Geschäfte dahinter statt finden.

2009 wird im Sommer nahe Finowfurt (Barnim) einem Hells Angel mit einer Axt fast das Bein abgehackt, Centro-Mitglieder sollen hier die Täter gewesen sein. 2009 wird auch aus einem Auto heraus der 33jähriger Rocker Michael B. in Berlin/Hohenschönhausen erschossen. Gerüchten zufolge sei er kurz zuvor / oder wollte er von den Hells Angels zu den Bandidos überlaufen. Im Januar 2010 ist bei Eberswalde ein 23jähriger Anwärter der Hells Angels festgenommen worden, er habe auf einen Bandidos geschossen.

Gerade hat das Oberverwaltungsgericht auch eine Klage des Clubs „Chicanos MC Barnim“ aus Eberswalde abgewiesen, die gegen die offizielle Schließung ihres Vereinsheim vorgehen wollte.

Man wird nun abwarten müssen, ob und wie die Eskalation weiter geht …
Oder ob der Konflikt einer Lösung näher kommt …
Christa D. Schäfer

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Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens

  1. Jan

    Auf http://www.kostblog.de wurde gerade ein lesenswerter Text zum Thema „Hells Angels machen Benefiz in Leipzig für Straßenkinder“ gepostet.

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  1. Anonymous

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