KiJuRa ist die Abkürzung für Kinder- und Jugendrat.
Einen solchen wird es demnächst in Berlin Tiergarten geben.

Ein KiJuRa hat natürlich zunächst erst einmal nichts mit dem Thema Mediation zu tun. Er dient jedoch u.a. der Konfliktprävention im Bezirk, kann aber auch zur Konfliktbearbeitung unter Kindern und Jugendlichen im Kiez genutzt werden.

Organisatorisch gesehen besteht der KiJuRa sowohl aus Kids, die die Schulen und Einrichtungen im Kiez besuchen als auch aus Kids, die zwar im Gebiet wohnen, aber keine Bildungseinrichtung im Kiez mehr besuchen. Es soll mit der Akquise der KiJuRa-Mitglieder ebenfalls versucht werden, aus allen größeren Wohnblocks im Gebiet eine Vertreterin oder einen Vertreter dabei zu haben.

Die Mitglieder des künftigen KiJuRas werden sich ihren Kiez genau anschauen, Vorschläge für Projekte machen und auch Aktionen selber durchführen. Ähnlich wie im Klassenrat werden hier auch die anfallenden Konflikte im Kiez behandelt werden. Eine Praxisbroschüre zum Thema Klassenrat können Sie übrigens hier in diesem Blog kostenfrei herunterladen. Eine Anleitung, um einen KiJuRa aufzubauen, gibt es derzeit noch nicht.

Natürlich ist die Konfliktbearbeitung nicht die vordringlichste Aufgabe eines KiJuRas. Vielmehr werden die Kids dadurch auch an Entscheidungsprozessen im Quartier beteiligt und partizipieren an politischen Prozessen. Sie erleben Demokratieerziehung live und können Demokratiestrukturen selbst mit gestalten. Und natürlich erfahren sie die Peergroup-Education bewusst als wichtigen Baustein in ihrem Leben. Letztlich soll der KiJuRa zu einer höheren Zufriedenheit und damit einer geringeren Gewaltbereitschaft der Kinder und Jugendlichen im Quartier beitragen.

Aber bis dahin ist es natürlich noch ein langer Weg … Ach ja, und da ich die Projektleiterin des KiJuRas Tiergarten bin, werde ich natürlich auch hier im Blog wieder über den KiJuRa berichten.

Übrigens arbeitet auch die Bertelsmann-Stiftung daran, dass junge Menschen früh erfahren, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen. Dazu haben sie eine Broschüre herausgebracht mit Namen „Engagement! Kinder- und Jugendengagement wirksam fördern“.

„Insbesondere Jugendliche müssen sich verstärkt an der Entwicklung ihres Umfelds beteiligen, bestehende Initiativen mitgestalten und Probleme, die sie direkt betreffen, eigenständig lösen. Oft wird aktivierendes Engagement durch starre Beteiligungsstrukturen und Anleitungen von oben gehemmt. Als Motor gesellschaftlichen Wandels und damit auch ihrer eigenen Entwicklung benötigen Jugendliche lediglich den Zugang zu Netzwerken und Ressourcen, um ihre Probleme selbstbestimmt und unternehmerisch lösen zu können.“ (Zitat aus der Broschüre, S. 26)

„Kinder und Jugendliche engagieren sich, wenn wir sie nicht davon abhalten, wenn wir sie nicht ständig mit Einwänden und Vorwänden, mit Einschränkungen und Beschränkungen behelligen.“

so der Reform-Pädagoge und Schulreformer Otto Herz. Und genau das wollen wir hier in Berlin Tiergarten versuchen. Falls Sie an der Entwicklung eines bzw. natürlich speziell unseres KiJuRas interessiert sind, so verfolgen Sie doch dessen Entwicklung unter www.kijura.wordpress.com. Ach ja, und drücken Sie uns bitte die Daumen für gutes Gelingen!

Christa D. Schäfer