Am 20.10.2008 habe ich hier im Blog berichtet, dass Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner in seiner Verwaltung „Beschwerdemanager“ verankert hat. Der Landeselternausschuss (LEA) fordert dagegen seit Jahren eine Ombudsstelle.

Im Schuljahr 2008/09 ist die Anzahl der Gewaltmeldungen im Gegensatz zum davor liegenden Schuljahr um 16 % auf 1.817 Vorfälle erneut gestiegen. Zwei Drittel dieser Vorfälle betrafen körperliche Gewalt, ein Fünftel Bedrohungen. Die meisten Meldungen wurden in Grundschulen abgegeben, gefolgt von den Sonderschulen in Berlin.

Jetzt wird in der Konsequenz daraus und im Trubel um die Diskussion zum sexuellen Missbrauch an Schulen auch die Stimme nach einer unabhängigen Ombudsstelle wieder laut. Der LEA und die Grünen wollen diese als Anlauf- und Beschwerdestelle für Eltern, Schüler und Lehrer etablieren, die Hilfe bei Konflikten, Gewalt und Mobbing brauchen. Die Ombudsstelle soll als „Rettungsring“ fungieren, so der Wortlaut in einem Antrag der Grünen für das Abgeordnetenhaus.

Die Bildungsverwaltung hat hingegen die Entscheidung getroffen, dass künftig sogar leichtere Gewaltvorfälle, Sachbeschädigungen und Beleidigungen von Lehrern nicht mehr meldepflichtig sind. Der Neuköllner Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang und der Landeselternsprecher André Schindler kritisieren die Entscheidung, Schulleiter begrüßen diese Begrenzung als Abbau von Bürokratie und Paul Schuknecht vom GEW-Schulleiterverband sagt, wichtiger als jede Kleinigkeit zu melden, sei es, in wirklich schweren Fällen adäquat reagieren zu können. Er verwies dabei auf die Arbeit von Peer-Konfliktlotsen und Senior-Konfliktlotsen bei Gewalt in der Schule, die sich bewährt habe. Lediglich bei Fällen von sexuellem Missbrauch sei eine Ombudsstelle sinnvoll.

Das ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass über diese bisher noch nicht existente Ombudsstelle hier berichtet wird …

Christa D. Schäfer