Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Der 15. Deutscher Präventionstag und die fünf Konflikttypen

Über 200 Informationsstände und ca. 300 ReferentInnen haben am 10. und 11. Mai im ICC zum Thema Prävention unter dem Schwerpunkt „Bildung – Prävention – Zukunft“ informiert. Wer sich einmal durch das dicke Programm mit Angaben zu den Infoständen sowie den Veranstaltungshinweisen zu den Plenen, Vorträgen, Ausstellungen und den Werkstattveranstaltungen „hindurch gewühlt“ hat, bekam jede Menge geboten. Auch für Kinder und Jugendliche war der Präventionstag interessant; an beiden Tagen wurde eine Schüleruni angeboten und speziell am zweiten Tag besuchten viele Schulklassen den Präventionstag, um dort an den Angeboten „Geheimsache Igel“ (Präventionstheater), „Mit Musik und Tanz für Toleranz“ oder „Konfliktfähigkeit in Bewegung trainieren“ teilnehmen zu können.

Der 1. Deutsche Präventionstag startete 1995 als nationaler jährlicher Kongress speziell für das Arbeitsfeld der Kriminalprävention. In der Zwischenzeit steht er auch Institutionen, Projekten, Methoden, Fragestellungen und Erkenntnissen aus anderer Arbeitsfeldern offen, von der Suchtprävention über die Gewaltprävention bis zur Verkehrsprävention und zu Präventionsbereichen im Gesundheitswesen.

Mediation ist Intervention, das ist klar. Aber ist Mediation auch Prävention, so fragten sich die MediatorInnen des MediationsZentrums Berlin im Vorfeld der Veranstaltung, und sie beantworteten diese Frage eindeutig mit „ja“. Mediation verhindert eine weiter gehende Eskalation von Konflikten und wirkt damit deeskalierend. Je früher Mediation im Konfliktfall ansetzt, um so einfacher ist ein Konflikt zu lösen und um so weniger „fährt er sich fest“. Und da das MediationsZentrum zudem in Projekten wie dem „Runden Tisch in der Familie“ oder im „KiJuRa“ eindeutig präventiv arbeitet, hat das MediationsZentrum an seinem Stand auf dem Präventionstag zum Thema „Mediation und mehr“ informiert.

Besonders gut ist bei den Standbesuchern das Thema der fünf verschiedenen Konflikttypen angekommen. Nach Kenneth W. Thomas und Ralph H. Kilmann und dem von ihnen entwickelten TKI (Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument) gibt es 5 verschiedene Konflikttypen. Durch das TKI wird das Verhalten einer Person in Konfliktsituationen gemessen. Dazu gibt es zwei grundlegende Dimensionen, wie das Verhalten einer Person beschrieben werden kann: Erstens der Grad des Durchsetzungsvermögens, mit dem eine Person sein Ziel zu verwirklichen sucht und zweitens das Ausmaß, in dem eine Person auch an die andere Konfliktpartei und die Beziehung zu dieser denkt. Auf den Punkt gebracht variiert das Verhalten einer Person im Konflikt also immer nach den beiden Koordinaten „Ziel“ und „Beziehung“. Diese beiden grundlegenden Dimensionen des Verhaltens definieren die fünf Modi/Konflikttypen für die Reaktion auf Konfliktsituationen.

Competing, accommodating, avoiding, collaborating und compromising, so lauten die 5 Konflikttypen bei Thomas und Kilmann. Zwang/Durchsetzung, Rückzug/Flucht, Beschwichtigung/Verzicht, Problemlösung/win-win und Kompromiss/50-50, so lauten die Konflikttypen in der deutschen Sprache.


„Ich habe Recht, und du musst das endlich einsehen“, so lautet der Standardsatz des Durchsetzungstyps, dem das Ziel ganz wichtig ist, der die Beziehung aber dabei vernachlässigen bzw. sich verschlechtern lässt.

„Ach ist doch egal, ich will damit nichts zu tun haben“, so der Kernsatz des Fluchttyps, der sowohl das Ziel als auch die Beziehung zur anderen Streitpartei am liebsten aufgibt.

„Was soll’s, dann hast du eben Recht“, so ein Lieblingssatz des Beschwichtigers, dem die Beziehung zum Konfliktpartner so wichtig ist, dass er das Ziel aus den Augen verliert.


„Du gibst nach, ich gebe nach, das wird schon“, so denkt der Mensch, der am liebsten Kompromisse eingeht und der damit so einigermaßen gut durch’s Leben kommt.

Und: „Wir tauschen Bedürfnisse, Interessen und Gefühle aus und finden eine gute Lösung“, das bietet eine win-win-Position, bei der sowohl Ziel als auch Beziehung gut berücksichtigt werden. Genau diese Position ist es, die in einer Mediation angeregt wird und die die Medianden nach einer gelungenen Mediation zufrieden gehen lässt.

Falls Sie nun wissen wollen, welcher Konflikttyp Sie sind, so können Sie gerne folgende Übung machen: Nehmen Sie sich bitte 5 Minuten Zeit bei absoluter Ruhe. Denken Sie an drei verschiedene Konflikte, die Sie in letzter Zeit erlebt haben. Schreiben Sie die drei Konflikte untereinander auf einen Zettel. Schreiben Sie dann bitte daneben, wie Sie in diesen drei Konfliktfällen reagiert haben. Vergleichen Sie jetzt bitte diese Konfliktlösungsstrategien mit den von mir oben vorgestellten Konflikttypen. Jetzt sollten Sie die Situation klarer sehen können, welcher Konflikttyp Sie sind … Und, was war das Ergebnis?

Falls Sie lieber mit einem Fragebogen Ihren Konflikttyp herausfinden möchten, so habe ich Ihnen hier einen kleinen Fragebogen hinterlegt, den Sie sich ausdrucken und ausfüllen können. Zur Auflösung schauen Sie dann bitte wieder hier im Blogartikel nach.

Die Standbesucher auf dem Präventionstag durften sich, nachdem Sie ihren Konflikttyp erkannten, eine Süßigkeit aus dem Glas mit der entsprechenden Kennung nehmen. Das kann ich hier virtuell natürlich nicht leisten. Aber falls Sie die fünf Konflikttypen in der Übersicht haben möchten, auch das hier im Blog hinterlegt …

Unsere Idee sei Ihnen natürlich zur Nachahmung und Anregung empfohlen. Und ich freue mich jederzeit über Rückmeldungen zu den von Ihnen gemachten Erfahrungen (als Kommentar hier im Blog) und/oder über Ihren Besuch. Jede Woche gibt es hier ein bis zwei Blogartikel zum Themenfeld zwischen Pädagogik und Mediation …

Bis bald
sagt Christa D. Schäfer

Ach ja, und hier noch die Auflösung zum Fragebogen:
Z Zwang/Durchstetzung, R Rückzug/Flucht, B Beschwichtigung/Verzicht, P Problemlösung/win-win, K Kompromiss/50-50

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  1. Nico

    ah, interessant, so hab ich die Konflikttypen noch nie gesehen (:

    mfg

  2. Mathias

    Na, diese Art Konfliktypen dazustellen ist mir neu, es ist aber eine wirklich gute Idee. Ich glaube, nächstes Mal komme ich auch zu dem Präventionstag.

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