Als systemische Beraterin habe ich stets auch den Blick auf die systemische Sichtweise in den verschiedensten Formaten zwischen Mediation, Supervision, Coaching und im Training. Oft werde ich gefragt, wie man die Grundlagen der verschiedenen systemischen Richtungen kurz und knapp beschreiben kann. Das fordert heraus, denn es ist wirklich nicht einfach …

Jetzt habe ich ein gutes Vorbild dazu gefunden und bin begeistert. András Wienands versteht es in seinem Buch „Einführung in die körperorientierte systemische Therapie“ in nur 18 Seiten die verschiedenen systemischen Perspektiven, von der zirkulären über die strukturelle, zur strategisch-lösungsorientierten, mehrgenerationalen, wachstumsorientierten, narrativen und phänomenologischen bis zur symbolisch-erfahrungsorientierten Perspektive verständlich und informativ darzustellen. Zu jeder dieser Perspektiven gibt es die wichtigsten theoretischen Hintergründe, einen Einblick in die Methoden und ein Beispiel. Das ist wunderbar.

Kurz möchte ich hier mit Wienands zusammen die strategisch-lösungsorientierte Perspektive darstellen, die in der Mediation die Grundlage unseres Tuns ist. Unter dem Begriff der Lösungsorientierung werden fünf verschiedene theoretische Ansätze subsumiert. Neben der Fokussierung auf Ausnahmen vom Problemerleben (Steve de Shazer und Insoo Kim Berg), der „Therapy as if“ (Paul Watzlawick), der „Fokused Problem Resolution Therapy“ (Palo-Alto-Gruppe um Richard Fisch, John Weakland usw.) und dem auf strategische Interventionen (Hausaufgaben) fokussierten Ansatz (Jay Haley) ist dies vorallem auch der ressourcenoriente Ansatz (Milton Erickson). Zusammenfassend lässt sich zu diesen Ansätzen mit Wiendands sagen:

„Der grundlegende Versuch der Lösungsorientierung besteht darin, den Fokus vom Problem zur Lösung zu verschieben. Statt die Ursachen für das Scheitern zu suchen, wird der Weg zur Lösung fokussiert. Angenommen, ein Klient möchte nach Italien fahren und kommt in die Beratung/Therapie, weil er bisher in Holland, Spanien und Rumänien gelandet ist, nicht jedoch in Italien. Ein lösungsorientierter Therapeut wird sich nicht darum bemühen, mit dem Klienten zu verstehen, wie das kommen konnte, dass er immer wieder am falschen Ziel angelangt ist. Er wird eine Landkarte ausbreiten und zusammen mit dem Klienten die Route nach Italien suchen. Übertragen bedeutet dies für die Therapie, dass der Aufmerksamkeitsfokus auf die Entwicklung, Stärkung und Förderung der Lösungmuster gerichtet wird.“ (S. 16 f.)

Und übertragen auf die Mediation bedeutet dies, dass wir auch hier zwar unter den „Eisberg“ schauen, dass jedoch die Vergangenheit ruhen kann und der Blick in die Zukunft geschärft wird. Die zwei (oder mehr) Streitparteien werden bei der Lösung eines sozialen Konfliktes in der Mediation auf ihre bisherigen Lösungsmuster schauen und darüber hinaus entdecken können, welche neu gedachte kreative und konstruktive Art von gelungenem Lösungsmuster ihnen gut tut. Eine gelungene Balance zwischen Problem- und Lösungsorientierung ist stets wichtig in einer gelingenden Mediationsarbeit. Und natürlich ist es immer wieder fantastisch zu erleben, wie ein Veränderungsprozess gelingt – da sind sich sicherlich alle MediatorInnen einig.

Empfehlen möchte ich Wienands Buch übrigens nicht nur wegen der hervorragenden Zusammenfassung der systemischen Perspektiven, sondern natürlich auch wegen den Darstellungen der innovativen Methoden der Körperpsychotherapie sowie den Ausführungen zur unterstützenden körperlichen Ebene in der Interaktion.

„Körperlichkeit“ in der Mediation, das haben manche MediatorInnen in Form von Standbildern, Aufstellungen oder ähnlichem für ihr Repertoire entdeckt. Dennoch ist dieser Aspekt noch sehr ungewohnt im Methodenrepertoire. Müssen wir den Platz dafür erst noch finden / suchen?! Oder ist das generell etwas, das in der Mediation nichts zu suchen hat?!

Ich jedenfalls arbeite gerne im Spannungsfeld zwischen Systemik und Mediation.

Christa D. Schäfer