– so betitelt es der Berliner Tagesspiegel am 6.6.2010 und bezieht sich dabei auf eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) unter der Leitung des Kriminologen Christian Pfeiffer.

2007/08 hatte dieses Institut im Auftrag des Bundesinnenministeriums 45.000 SchülerInnen aus neunten Jahrgangsstufen (darunter 10.000 MigrantInnen) und 8.000 aus vierten Klassen im gesamten Bundesgebiet zum Thema „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt“ befragt. Es ging um abweichendes Verhalten, um Jugenddelinquenz, Drogenkonsum, Schuleschwänzen, Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, familiäre Gewalt und Männlichkeitsnormen.

Seit 2009 liegt ein erster Forschungsbericht zur Untersuchung vor, der insgesamt neun Thesen vorstellt, u.a.: Für mehr als ¾ aller Jugendlichen gehörte Gewalt in den 12 Monaten vor der Befragung nicht zu ihrem persönlichen Erfahrungsbereich. Sowohl aus Opfer- als auch aus Tätersicht zeigen die Daten zur selbstberichtenden Jugendgewalt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als deutsche Jugendliche. Der stärkste Einfluss auf Jugendgewalt geht von der Zahl der delinquenten Freunde aus, mit denen die Jugendlichen in ihrem sozialen Netzwerk verbunden sind. Der Bericht ist online einsehbar.

Ein zweiter Forschungsbericht soll folgen, bereits jetzt gibt es einen Auszug aus den Ergebnissen, der sowohl online als auch in den Printmedien in der letzten Woche für großen Wirbel gesorgt hat. Allen voran die Aussage mit zugehörigen Schlussfolgerungen, dass von jungen Migranten mit mehr als 5 Gewalttaten im zurückliegenden Jahr 7,7 % als „etwas religiös“ bezeichnet werden können, 9,2 % als „religiös“ und 10,2 % als „sehr religiös“.

Grob gefolgert hieße das, je religiöser muslimische Jugendliche in Deutschland sind, desto öfter schlagen sie zu. Bei jungen Christen hat die Untersuchung übrigens ergeben, dass mit zunehmender Religiosität weniger Gewalttaten begangen werden.

„Die muslimische Religiosität födert die Akzeptanz der Machokultur“, so Pfeiffer. Und weiter, so die Studie, ist es der konservativ-autoritäre Erziehungsstil der islamischen Religionslehrer, der die Jugendlichen stark beeinflusse. Nicht der Islam, sondern die Art und Weise seiner Vermittlung sei das Problem. Rauf Ceylan, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Osnabrück, bezeichnet die Imame als „Schlüsselfiguren der Integration“ und wird in der Studie als Experte herangezogen.

Die Religions- Pädagogische Internetplattform der Evangelischen Kirche in Deutschland (rpi virtuell) hat die Reaktionen zum Thema zusammengefasst. So forderte beispielsweise laut ZEITonline der Zentralrat der Muslime nach der Veröffentlichung der Studie, die Ursachen der Gewalt genauer zu analysieren. Und auch Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) warnt vor verkürzten Schlussfolgerungen und wirbt für eine differenzierte Bewertung der Befunde.

Ich freue mich bereits jetzt auf den vollständigen zweiten Forschungsbericht,
um alles genau nachlesen zu können.
Christa D. Schäfer