9 Jahre und 8 Monate alt ist Henry. Er kauft Kaugummis für den Fall, dass er mal wieder von Claas und Torben überfallen wird und sich freikaufen muss. Stets hat er das Gefühl, dass niemand ihn so richtig mag, und tatsächlich muss er sich auch von seinen Klassenkameraden immer doofe Sprüche anhören. Dass sein Nachname Dackel lautet, sei hier nur am Rande erwähnt, denn auch das hat große Auswirkungen …

So denkt Henry also, er hat es nicht einfach, aber eines Tages kommt alles noch viel Schlimmer. In das Doppelhaushälfte neben Henry zieht nämlich Familie Freitag mit Mia ein. Mia ist genauso alt wie Henry, und irgendwie hat sie es auf ihn abgesehen, denn schon die erste Begegnung wird zu einer Katastrophe. Mia, das Monstermädchen, so nennt Henry sie daraufhin.

Zum Glück hat Henry Kontakt zu Harry Bo, den Superhelden, der ihn in fremde Traumwelten entführt, ihn unterstützt und mit ihm zusammen ganz viele Abenteuer besteht. Ja, doch leider lässt ihn Harry dann irgendwann alleine und Henry muss sehen, wie er aus dem ganzen Schlamassel rauskommt.

Die Geschichte klingt als könnte sie in Berlin oder in Kassel oder in Eckernförde passiert sein. Tatsächlich ist sie eine Erzählung von Antje Szillat, die sich als Kinder- und Jugendbuchautorin speziell mit Themen des sozialen Lernens auseinandersetzt. Mehrere beeindruckende und treffsichere Bücher hat sie für Kinder und Jugendliche zu den Themen Mobbing und mehr geschrieben. In oben angesprochener Erzählung beispielsweise wird Henry zum Opfer von Mia, die ihrerseits gerade schwierige Zeiten erlebt und sich, so aggressiv und frustriert wie sie ist, nach menschlicher Nähe sehnt …

An dieser Stelle könnte ich gut die Geschichte analysieren und die typischen Mechanismen von Mobbing aufzeigen. Lieber jedoch empfehle ich dieses Buch „Das Monstermädchen von nebenan“ als Klassenlektüre und überlasse die Interpretation der geschilderten Situation den Leserinnen und Lesern des Buches, den Kindern und ihren LehrerInnen.

In Berlin gibt es übrigens derzeit eine Debatte über deutschfeindliche Mobbingstrukturen durch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Mitte und Schöneberg gibt es Schulklassen, die einen Migrantenanteil von 90 % haben. Da werden die „deutschen Kinder“ zu denjenigen, die integriert werden müssen und die die Außenseiter sind.

„Wie Migranten deutsche Kinder mobben. Ausgegrenzt, beschimpft, bestohlen: An einer Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg wurde ein deutscher Junge monatelang Mobbing-Opfer seiner türkischen und arabischen Mitschüler. Der Erfahrungsbericht eines 13-Jährigen.“ so titelt die Berliner Morgenpost.

Und: „Schulexperten werfen dem Berliner Senat vor, bisher zu wenig gegen Mobbing von deutschen Schülern getan zu haben.“ so steht es im Berliner Tagesspiegel.

„Deutschenfeindlichkeit“, so heißt parallel zum Begriff “Fremdenfeindlichkeit” das neu kreierte Stichwort zum Thema. Eindeutig ist meiner Meinung nach zu erkennen, dass in Schule weitaus mehr als bisher zum Thema Soziales Lernen gearbeitet werden muss. Aber jetzt sind erst einmal zwei Wochen Herbstferien, zum Aufatmen …

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Christa D. Schäfer