Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Kiezväter

sind Wegweiser und Begleiter für Jungen.
sind Multiplikatoren und Vorbilder für andere Väter.
sind Vermittler zwischen ihrer Herkunftskultur und der deutschen Kultur.
sind Wegweiser für Unterstützungsmöglichkeiten durch das Schul-, Bildungs- und Sozialsystem.
sind Unterstützer bei der alltäglichen gesellschaftlichen Integration sowie bei unterschiedlichen Fragestellungen.

Und das Beste: Es gibt sie jetzt, die Kiezväter, in Berlin Neukölln.

Nachdem das Projekt der Stadtteil- und Kiezmütter in verschiedenen Bezirken Berlins sehr erfolgreich läuft, hatte Ilknur Gümüs die Idee zum Projekt „Kiezväter“. Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird dieses Projekt in Kooperation der beiden Vereine IBBC (Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs-Centrum) und Aufbruch Neukölln durchgeführt.

Die zukünftigen Kiezväter stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, sie leben alle in Neukölln, kennen sich in ihrem Kiez aus und haben Freude daran, etwas in ihrer Nachbarschaft zu bewegen. Sie werden zur Zeit in verschiedenen Themenbereichen geschult und stehen danach für Gespräche anderen Vätern und Familien Neuköllns zur Verfügung.

Dieses Projekt dient der Gewaltprävention, denn die Kiezväter greifen Themen auf wie das Erziehungsverhalten von Eltern und die Gewalt in der Familie oder die Probleme von und mit Jugendlichen auf den Straßen von Neukölln. Sie beraten die Familien bei der Erziehung besonders von Jungs, und sie sind als Vermittler tätig zwischen Schule, Kindertagesstätte und Jugendamt. Ganz wunderbar finde ich, dass die Kiezväter im Bereich der Kommunikation sowie im Beratungs- und Konfliktmanagement geschult werden, denn damit sind sie dann gut ausgerüstet für die Praxis. Im folgenden ein Gespräch zwischen Christa Schäfer und Ilknur Gümüs.

Frau Gümüs, wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt „Kiezväter“ ins Leben zu rufen?

I.G.: Es gibt in Berlin viele Projekte, mit denen die Frauen, Mädchen und Mütter erreicht werden. Jedoch expilizit für Männer gibt es kaum Angebote. Auch sie brauchen Rat und Gesprächsmöglichkeiten. Auch sie haben Ängste und Fragen. Die Themen der Väter sind ja nicht immer identisch mit denen der Müttern und aufgrund von fehlenden oder abhandengekommenen Väter- bzw. Männerbild werden sie agressiv oder depressiv und haben keine Institution, die sie mit ihren Sorgen auffängt. In der deutschen Gesellschaft haben die türkischen und arabischen Väter leider ein sehr negatives Ansehen. Das Projekt wird die Erreichbarkeit der sogenannten bildungfernen Väter und deren Interesse an der Aufnahmegesellschaft und an ihren Familien unter Beweis stellen. Die Väter, die an dem Projekt teilnehmen, werden für ihre Communitis eine Vorbildfunktion übernehmen.

Wie wichtig finden Sie es, dass die zukünftigen Kiezväter ein solides Wissen in den Bereichen Kommunikation, Beratungs- und Konfliktmangement erhalten?

I.G.: Sehr wichtig, weil mit Kommunikation fällt und steht alles. Wir wissen, dass wir gerne Monologe durchführen und unserem Gegenüber oft nicht adäquat zuhören. Aber Kommunikation beginnt mit Zuhören und die zukünftigen Kiezväter lernen dies. Sie lernen auch zu überprüfen, ob das, was sie „gehört und verstanden“ haben, richtig ist. Dabei helfen natürlich die von Ihnen angebotenen Rollenspiele sehr.

Was sollen die Kiezväter in diesem Bereich später können?

I.G.: Sie sollen Gespräche gut und angenehm gestalten und führen können. Auch sollen sie zwischen den Zeilen lesen, und wenn Gefühle ausgesprochen werden, diese auch verstehen und den „Ratsuchenden“ das Gefühl geben können, verstanden zu werden. Hierdurch wird eine Vertrauensbasis hergestellt, die sehr wichtig für deren Arbeit ist. Ich gehe davon aus, dass die Kiezväter bei ihrer Tätigkeit mit „Familiengeheimnissen“ konfrontiert werden, und da wird die Vertrauensbasis als Grundlage für die Problemlösung besonders wichtig.

Was denken Sie, haben die Kiezväter später für Problem- und Konfliktfälle zu bearbeiten?

I.G.: Sie werden sehr viel mit Armut konfrontiert sein und Unwissenheit in der deutschen Gesellschaft. Insbesondere die Familien, die aufgrund eines Duldungsstatus sich in Berlin aufhalten bzw. als Kriegsflüchtlinge hier eingereist sind, sind in der Gesellschaft (ebenfalls aufgrund ihrer Status als Flüchtlinge) nicht integriert. Deren Kinder besuchen die Schule, jedoch ohne Perspektive. Denn diese Kinder mit Duldungsstatus dürfen keine Ausbildung absolvieren und keine Uni besuchen. Das entmutigt. Väter werden viel Mut machen müssen und für die „Ratsuchenden“ Möglichkeiten aufzeigen können. Auch die sogenannte 2. Generation der Gastarbeiter, d.h. die Gastarbeiterkinder, die keine oder geringe Qualifikation haben, leiden unter Perspektivlosigkeit. Aus dieser Mutlosigkeit bzw. Perspektivlosigkeit entsteht durchaus agressives Verhalten der Jungs bzw. der Väter. Ich stelle mir vor, diese Themen werden den Kiezvätern sehr oft begegnen.

Besten Dank Ihnen, sehr geehrte Frau Gümüs für das Interview. Ich freue mich, das Kommunikations- und Konflikttraining im Projekt durchführen zu dürfen und finde sowohl das Projekt als auch das Engagement der zukünftigen Kiezväter fantastisch. Mein Kompliment!

I.G.: Ich danke Ihnen ebenfalls, dass Sie sich der Aufgabe gestellt haben und keine Hemmungen haben, diese Gruppe zu schulen. Dabei bringen Sie eine hohe interkulturelle Kompetenz mit und Verständnis für die Belange der Gruppe.

Dem Projekt alles Gute wünscht
Christa D. Schäfer

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  1. Viel Erfolg für dieses Projekt!
    Ich wünsche mir, dass viele Kinder die Möglichkeit haben, ein bestätigendes und unterstützendes männliches Vorbild zu erleben.
    Das fehlt leider oft, weil Väter (aus unterschiedlichsten Gründen und oft unfreiwillig)zu viel abwesend sind.

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