Selbstmanagement ist ein in der Mediationsszene bisher wenig beachtetes, aber zunehmend wichtiges Thema.

„Der Begriff Selbstmanagement bezeichnet die Kompetenz, die eigene persönliche und berufliche Entwicklung weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen zu gestalten. Dazu gehören Teilkompetenzen wie zum Beispiel selbstständige Motivation, Zielsetzung, Planung, Organisation, Lernfähigkeit und Erfolgskontrolle durch Feedback.“

In der Mediation wird unter Selbstmanagement auch der Umgang mit den äußeren und inneren Spannungen bezeichnet, die zwangsläufig in diesem Beruf entstehen. Der Bundesverband Mediation (BM) gibt neuerdings in Zusammenarbeit mit dem Concadora Verlag die Buchreihe „Mediation in der Praxis“ heraus. Mit dem Selbstmanagement von MediatorInnen befasst sich der erste Band dieser Buchreihe.

Die Arbeit als Mediatiorin bzw. Mediator kann Druck und Stress erzeugen:

„Es gibt durchaus solche Situationen, dass man überfordert ist mit einer Mediations-Last. Dass man da ganz durch den Wind ist und irgendwie machtlos gegenüber der Verzweifelung der Parteien. Also gibt es durchaus so etwas wie Stress, in so einer schwierigen Situation schon.“ (Rudi Ballreich)

„Mediationen sind ja meist etwas sehr Anstrengendes. Die ‚Vibrations‘ tun auf Dauer nicht gut, dieser geballte Aggressionsstau, der da manchmal auftauchen kann. Diese tiefen Verstrickungen zwischen den Konfliktparteien zu sehen, ist sehr belastend.“ (Lisa Waas)

„Ich muss sagen, ich kenne eigentlich keine Tätigkeit, die mich annähernd so viel Seins-Kraft oder Energie kostet wie eine Mediations-Sitzung. Und ich kenne dabei zwei Arten von Erschöpft-sein oder Angegriffen-sein nach einer schwierigen Sitzung. Das Eine ist ein Erschöpft-sein, welches dann auch wieder vergeht. (…) Aber dann gibt es auch ein Erschöpft-sein – von dem etwas hängen bleibt. Auch dann, wenn sich der Körper schon längst wieder erholt hat. Da passiert glaube ich mit uns etwas, was wir nur sehr begrenzt bewusst wahrnehmen und steuern können.“ (Stefan Wiesinger)

Kennen Sie als Mediatorin oder Mediator auch solche Gefühle und solchen Druck?

Das Buch „Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ bleibt jedoch nicht dabei stehen Fragen aufzuwerfen, vielmehr gibt es MediatorInnen auch Hinweise dazu, wie sie ihre innere Balance finden und dem Stress und den emotionalen Belastungen gut begegnen können. Exemplarisch möchte ich in aller Kürze einen körperorientierten meditativen Prozess der Selbsterforschung von Rudi Ballreich vorstellen, mit dem Verkrampfungen, durch Konflikte hervorgerufen, losgelassen werden können.

Als MediatorInnen haben wir die Aufgabe, die Konfliktparteien dazu anzuregen, dass sie ihre Verkrampfungen loslassen können und wieder in Kontakt kommen mit sich und mit einander. Dazu ist der Kontakt der Konfliktparteien zur Erde, zum Himmel, zu sich selbst und zum Anderen notwendig. An spirituelle Traditionen anknüpfend meint dieser Prozess jedoch auch für die MediatorInnen selbst, diese vier Kontakte stark zu knüpfen:

Kontakt zur Erde: Die Realitäten einer Situation sehen, den „Nebel der Emotionen“ sowie das eigene innere Getrieben-Sein im Willen überwinden. Kontakt zum Himmel: Einen freien Kopf haben, um Weitblick und gute Ideen zu finden. Kontakt zu sich selbst: Die eigene Sichtweise, Gefühle, Bedürfnisse spüren und verstehen. Kontakt zum Anderen: Empathie und Verstehen, um Versöhnungsprozesse zu ermöglichen und verschlossene Herzen füreinander zu öffnen.

Das Buch regt MediatorInnen einerseits zur Selbstreflektion an und bietet andererseits handfeste Unterstützung für den Bereich des Selbstmanagements dieses Berufsstandes. MediatorInnen werden im Sinne einer Psychohygiene fit für ihren Beruf und können stark und klärend in ihren Mediationen wirken. Hervorragend gelingt es damit diesem Buch, einen wichtigen Grundstein für den Berufsstand der Mediation zu legen.

Neben einer Selbstklärung und einem guten Selbstmanagement ist natürlich auch die Intervision oder Supervision für MediatorInnen ein wichtiger Baustein zur Psychohygiene und zum Berufserfolg. Interesse an Supervision?

Christa D. Schäfer