Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Allparteilichkeit und Neutralität

Im Frühjahr diesen Jahres schrieb ich einen Artikel zum Thema Allparteilichkeit in Mediation und Supervision, in dem ich berichtete, dass der Begriff der Allparteilichkeit heutzutage den Begriff der Neutralität abgelöst habe. Jetzt ist mir in einem Buch zur Systemischen Therapie und Beratung der Begriff der Neutralität wieder in den Blick gekommen.

In meinem Artikel vom Frühjahr heißt es:

„Allparteilichkeit kann sowohl Neutralität als auch Pluralität bedeuteten. Allparteilichkeit im Sinne einer neutralen Haltung heißt, dass ich als Mediatorin bzw. Supervisorin in einer Auseinandersetzung, die sich innerhalb einer Person oder zwischen zwei Personen abspielt, keine Partei ergreife. Allparteilichkeit im Sinne einer pluralen Haltung meint, dass ich mich gegenüber der einen Seite als auch der anderen Seite gegenüber offen zeige. Allparteilichkeit ist deshalb derzeit so etwas wie ein Überbegriff geworden, der die Begriffe Neutralität und Pluralität einschließt.“

Das Buch Einführung in die Praxis der systemischen Therapie und Beratung von Rudolf Klein und Andreas Kannicht vereint wie viele Bücher der Reihe „Carl-Auer Compact“ Einblicke in Theorie und Praxis. Es ist informativ und regt sowohl zur Reflexion als auch zum Tun an. Ebenso wie systemische BeraterInnen oder TherapeutInnen müssen MediatorInnen parallel äußeren und inneren Dialogen folgen. Im äußeren Dialog sind sie damit beschäftigt, das Gespräch aufrecht zu erhalten und zu verstehen. Im Inneren Dialog müssen sie stets die Steuerung des Prozesses überdenken und Entscheidungen dazu treffen. Die Ausführungen zu den Techniken des Zuhörens, Fokussierens und Positionierens sind daher äußerst spannend auch für die Berufsgruppe der MediatorInnen.

Für die systemische Therapie und Beratung unterscheiden Rudolf Klein und Andreas Kannicht drei Ebenen der Neutralität. Die Konstruktneutralität meint, eine Parteinahme für oder gegen irgendwelche Sichtweisen der Klienten zu unterlassen. Die Beziehungs- oder soziale Neutralität bedeutet, dass der systemische Therapeut / Berater Koalitionsangebote vonseiten der Klienten für oder gegen andere Mitglieder der Familie oder sonstiger relevanter Personen nicht annehmen darf. Und unter Veränderungsneutralität wird verstanden, negative oder positive Bewertungen einer Symptombildung gegenüber genauso zu unterlassen wie Einladungen zum Kontrollieren bzw. Bekämpfen eines präsentierten Symptoms. (Klein; Kannicht S. 25).

Alle drei Neutralitäten sind auch für die Mediation zutreffen: Die Konstruktneutralität meint, nicht für eine Sichtweise der Konfliktparteien Partei zu ergreifen. Beziehungs- oder soziale Neutralität bedeutet, bezüglich der Medianden allparteilich zu bleiben. Und unter Veränderungsneutralität verstehen wir in der Mediation weder den mitgebrachten Konflikt noch die von den Medianden erarbeitete Konfliktlösung zu bewerten. Unter diesem Blickwinkel erscheint mir der Begriff der Neutralität dann doch wieder aufgrund seiner Variabilität adäquat auch für die Mediation.

Übrigens genieße ich es immer wieder, über die Mediation hinaus in die Nachbardisziplinen zu schauen. Und wie ich an dieser Stelle bereits mehrmals betont habe, so bin ich der Meinung, dass Mediation per se systemisch ist …

Christa D. Schäfer

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Frieden

  1. Berthild Lorenz

    Das sehe ich ganz genauso!

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