„Man kann nicht nicht kommunizieren.“
(WATZLAWICK et al., 1990, S. 53)

1967 stellten Paul Watzlawick et al. diesen einfachen Satz als das erste ihrer Fünf Axiome der Kommunikation auf und beschritten damit neue Wege auf der Suche nach Lösungen von Kommunikationsproblemen. Die Erkenntnis, dass Kommunikation permanent also auch unbewusst und nonverbal stattfindet, verstehe ich als ersten Schritt mögliche Probleme überhaupt zu erkennen. Friedemann Schulz von Thun entwickelte daraufhin in den 70er Jahren das „Kommunikationsquadrat“, das besagt, dass jede Kommunikation – verbal oder nonverbal – vier Seiten hat: die Beziehungs-, die Sach-, die Appell- und die Selbstoffenbarungsebene.

Ein einfacher Satz, wie: „Du siehst aber gar nicht gut aus.“ enthält alle diese Ebenen. Zum einen, dass ich den Eindruck habe, dass mein Gegenüber nicht gut aussieht, dass ich mir Sorgen um sein Befinden mache und ich möchte ihn auffordern mir zu erzählen, was ihn bedrückt. Der Empfänger interpretiert die Aussage selbst und entscheidet danach, wie er darauf reagiert. Vielleicht hört er die Appellebene und vertraut sich mir an, er könnte aber auch empört sein über meine Einschätzung seines Aussehens und empfindlich beleidigt reagieren. Besonders wichtig ist dabei die Beziehung, die die beiden Kommunikatoren zueinander haben.

Für den Schulalltag wird schnell klar, dass eine sensible Umgangsweise mit Kommunikation hilfreich sein kann. Hunderte von Schülern und Lehrern treffen jeden Tag aufeinander. In der brisanten Situation, dass die Schüler der mehr oder weniger willkürlichen Bewertung der Lehrer ausgesetzt sind, entstehen ständig Konfliktpotentiale. Dazu kommen noch die Eltern, die meist hinter ihren Kindern stehen und ihre eigenen Vorstellungen von Erziehung und Entwicklung haben. Auch Konflikte zwischen Lehrerkollegen und zu ihren Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Konflikteskalationen werden dabei auch gerne mal in den Medien behandelt, so etwa Gewaltprobleme an der Rütlischule, die seitdem immer mehr zur Musterschule avanciert und die Frage nach der „richtigen Lehrmethode“, jüngst diskutiert in Berlin am Beispiel von Frau Sarrazin.

„Ja, dass du einfach zum Beispiel – Konflikte in der Weise austrägst, dass du dem aus dem Wege gehen möchtest, ne?!“ (Frank, Studienrat, 58)

Kommunikationsprobleme haben die Tendenz sich zu vertiefen und immer schwieriger lösen zu lassen. Dieses Phänomen wird auch alltagssprachlich als Teufelskreis bezeichnet, also als Situation, die scheinbar keinen Ausweg bietet. Das kommt daher, dass Sender und Empfänger den Ablauf ihrer Kommunikation unterschiedlich gliedern und ihr Verhalten meist als Reaktion auf den anderen verstehen. Watzlawick nannte dies die Interpunktion von Ereignisfolgen. (Vgl. WATZLAWICK et al., 1990, S. 61) Bei Schulz von Thun stellt sich das als Kreislauf von Innerungen und Äußerungen dar, den er Teufelskreis nennt. Eine Aktion der einen Partei wird aufgenommen und verarbeitet und erzeugt eine Reaktion, die wieder aufgenommen und verarbeitet wird und so weiter. Dabei lässt sich am Ende gar nicht mehr sagen, wer zuerst agiert oder reagiert hat. Die Parteien erleben sich selbst nur als Reagierende und sehen nicht, dass sie mit ihrer „Reaktion“ wieder eine Reaktion provozieren. (Vgl. SCHULZ VON THUN: Miteinander reden 2, 2006, S. 28–37)

Teufelskreise bezeichnen nach Wikipedia den Begriff des Teufelskreis, auch circulus vitiosus (lat.: „schädlicher Kreis“), als ein System, in dem mehrere Faktoren sich gegenseitig verstärken und so einen Zustand immer weiter verschlechtern.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelskreis, eingesehen am 14.02.2011)

Für mich stellte sich die Frage nach einer möglichen Anwendung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun im Schulalltag und ich versuchte anhand zweier Interviews mit einem Studienrat mit 30-jähriger Erfahrung und einer Sonderschullehrerin herauszufinden, inwiefern Teufelskreise in der Schule auftreten und wahrgenommen werden. Dabei wurden die beiden von mir zuvor nicht über das bestehende Teufelskreismodell von Schulz von Thun informiert, sondern gaben ihre Antworten ausgehend von ihrer eigenen Definition von Teufelskreisen. Ich konnte festhalten, dass das Verständnis für Teufelskreise bei beiden da war, jedoch unterschiedlich bewusst wahrgenommen wurde. In beiden Gesprächen wurden Probleme mit Schülern und Eltern als weniger belastend und einfacher zu lösen geschildert. Es wurden jedoch auch aktuelle Probleme angesprochen, die vor allem im Verhältnis zu anderen Kollegen und Vorgesetzten bestanden. Während auf der einen Seite offensichtlich konstruktiv damit umgegangen wurde, steckte mein zweiter Interviewpartner schon sehr tief in einen Teufelskreisen fest und ist selbst nicht mehr in der Lage sich daraus zu befreien.

„Also ‚geht gar nicht‘ würd ich nicht sagen, das wäre zu negativ und dann glaub ich, dann is man wahrscheinlich auch irgendwo n Stück weit gescheitert.
Das will ich für mich selber auch nicht, also für mich muss es immer ein ‚Geht nicht, gibt’s nicht‘ sein.“
(Marie, Sozialschullehrerin, 37)

Ich denke, dass die Kommunikationsfähigkeit eine der Schlüsselfähigkeiten eines guten und gesunden Lehrers ist. In einem Beruf, wie dem des Lehrers, der durch Kommunikation stattfindet, kann die Empfehlung an dieser Stelle nur sein, sich der Vielschichtigkeit von Kommunikation bewusst zu sein und den Einfluss von unterdrückten Problemen auf die eigene Psyche nicht zu unterschätzen. Das Wissen um Teufelskreise schafft einen klaren Vorteil. Von einer Metaebene her Kommunikation zu betrachten und die streitenden Parteien, weg von den Äußerungen, auf die Innerungen des jeweils anderen aufmerksam zu machen oder im Umgang mit den Schülern selbst immer wieder darauf zu achten, wie man reagiert und warum, sollte die Möglichkeiten schaffen, vielen Konflikten von vornherein die Schärfe zu nehmen oder sie im gemeinsamen Gespräch zu beseitigen.

In ausweglosen Situationen sollte nicht darauf verzichtet werden, Hilfe von außen – Gespräche mit Kollegen, Freunden, Mediation, etc. – zu suchen und anzunehmen.

Dominik Mühe
(März 2011)

Literatur:

  • Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Sonderausgabe 2006
  • Watzlawick, Paul; Beavin, Janet B.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Bern; Stuttgart: Verlag Hans Huber, 8. Aufl. 1990
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelskreis, eingesehen am 14.02.2011

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