Eine Frage erfüllt immer zwei Funktionen und verbindet immer mindestens zwei Menschen miteinander. Derjenige, der fragt, ist neugierig, interessiert sich und will mehr wissen. Der Befragte hat etwas zu sagen, das interessant ist, bei dem anderen weitere Fragen auszulösen. Eine Frage ist im Sinne einer Lösungsorientierung eine gute Frage,

  • wenn sie nicht sofort beantwortet werden kann.
  • wenn sie Gedanken auslöst, die sich der Befragte bis dahin noch nicht gemacht hat.
  • wenn der Befragte Zeit braucht, um sich mit neuen Gedanken auseinanderzusetzen.
  • wenn die Frage neue Perspektiven eröffnet bzw. das Handlungsspektrum erweitert.
  • wenn die Frage ein Stück weit das System „verstört“, also eine Änderung hervorruft.
  • wenn die Frage eine neue Perspektive, neue Gedanken bzw. neue Lösungsmöglichkeiten herausfordert.

Fragen sind gut, wenn sie das Handlungs- und Denkspektrum des Befragten erweitern. „Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby stellt eine ganze Reihe von Fragetpyen und Interventionen für unterschiedliche Berufsbilder vor.

Was empfiehlt die Psychotherapeutische Schatzkiste …

… wenn ein Mediand mit dem Satz aufwartet:
„Sie sind unsere letzte Hoffnung“?

Dann wird dadurch einerseits deutlich, wie groß der Druck des Medianden ist, aber auch, wie groß der Druck für den Mediator sein kann. Druck im Prozess ist jedoch nicht gut, und mögliche Interventionen sind Sätze wie:

„Woran werden Sie merken, dass es gut war, Ihre letzte Hoffnung bei mir eingesetzt zu haben?“
„Wenn es stimmt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, muss ich mir dann jetzt Sorgen machen?“
„Wir sollten uns auf die „Vorletzte“ einigen!“
„Ich kann Sie beruhigen, nach mir gibt es auch noch jemanden.“

… wenn ein Mediand Ihnen als Mediator mitteilt:
„Wir haben schon alles probiert“?

„Alles ausprobiert“ heißt im Streitfall leider auch oft „zu früh aufgehört“. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuschauen, zum Beispiel mit folgender Frage:

„Was von dem hat am besten funktioniert? Und was genau? Und was haben Sie da gerade anders gemacht?“

… einer Lehrkraft, die bei aggressivem Verhalten eines Schülers / einer Schülerin nicht weiterkommt und das Gespräch mit ihm / ihr sucht?

Sie empfiehlt für die gesamte Klasse die Nutzung von Ansätze wie Entspannungstechniken und den Aufbau sozialer Kompetenzen. Für das pädagogische Einzelgespräch mit dem aggressiven Schüler schlägt die Schatzkiste ein Repertoir aus fünf verschiedene Indikationen vor: Fragen nach Ausnahmen, Externalisieren, Zirkuläres Fragen, Beobachtungsaufgaben und So-tun-als-ob.

Beim Externalisieren kann gerade mit jüngeren Schülern gut im „Zwei-Instanzen-Modell“ gearbeitet werden. Eine Instanz des Schülers ist die des aggressiven Bösen, die zweite Instanz ist diejenige, die das Kind eigentlich sein möchte. „Ich habe den Eindruck, es gibt Zwei von Dir – der eine Part ist aggressiv, der andere ist nett.“ In meinen Arbeiten mit aggressiven SchülerInnen beschreiben viele der Schüler sogar selber diese Instanzen, indem sie darüber berichten, dass zwei kleine Männchen bzw. zwei Stimmen sie leiten. Während das eine Männchen sagt: „Schlag zu“, mahnt das andere Männchen „Sei ganz ruhig und besonnen.“ Manche Schüler bauen dieses Modell sogar so aus, dass sich die beiden Stimmen / die beiden Männchen unterhalten können und sie selber dadurch unterstützt werden, weniger aggressiv zu sein.

Es ist stets spannend, in diesem Bereich mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten !!

Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste ist übrigens ein sehr zu empfehlendes Buch von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Media Verlag, das viele Tipps und Tricks für kleine und große Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter bereit hält. Es ist für Ärzte, Therapeuten, Behandelnde, Berater (LehrerInnen und MediatorInnen) geschrieben, die alle von den Hinweisen im Buch profitieren können. Das erste Kapitel des Buches enthält eine kurze theoretische Einführung zu Fragetechniken und zur Gesprächsführung. Wichtig zu wissen, dass die Gedanken im Buch einen systemischen Hintergrund haben. Der Klient / Patient / der zu Beratende wird nicht als isoliertes Individuum betrachtet, sondern mit alle dem herum, das man „System“ nennt. Es wird geschaut, wie aus einem Problemsystem ein Lösungssystem werden kann. Dazu werden in den nächsten Kapiteln ganz unterschiedliche und vielfältige Interventionen vorgeschlagen.

„Übrigens: Das Problem an sich ist auch schon eine versuchte Lösung!“ (Buch S. 19)

„Ein Symptom bekommt seine Bedeutung durch seinen Kontext.“ (Buch S. 21)

„Der Mensch kennt die Lösung seines Problems,
er weiß nur nicht, dass er sie kennt.“
(Milton Erickson)

Alles Gute für die Lösung Ihrer Probleme
wünscht Christa D. Schäfer