Oups ist ein kleines drolliges Wesen, das auf einem fernen Stern wohnt und manchmal uns Erdbewohner besucht. Hanna und Luca sind seine Freunde und so saß er mit ihnen im Frühling, irgendwann in den letzten Tagen, auf einer kleinen Holzbank und blickt faszinierend nach oben, um das Spiel der Wolken zu beobachten. Es verblüfft ihn, wie sich die Wolkenlandschaft mit jedem Augenblick veränderte und dabei die unterschiedlichsten Gebilde entstanden.

Oups ließ seinen Gedanken und seiner Fantasie freien Lauf, worauf ihm so manche Wolkengebilde bald als Gestalten, bald als Gegenstände oder Symbole erschienen – wie in einem Traum.

„Seht mal – ein Herz“, sagte er und zeigte auf eine kleine weiße Wolke. „Und da drüben – diese Wolke sieht aus wie ein Engel, der seine Flügel über uns ausbreitet. Das ist ein gutes Zeichen, was meint ihr?“

Hanna und Luca blickten nach oben. Zusamen mit Oups hatten sie sich auf der alten Holzbank niedergelassen, um sich mit einer kleinen Jause zu stärken und sich etwas vom anstrengenden Anstieg auszuruhen. Gemeinsam waren die drei auf einem Wanderpfad unterwegs, der sie bergauf und bergab über viele Hügel führte.

„Ja, sieht wirklich aus wie ein Herz“, stimmte Hanna zu und lies ihren Blick schweifen, um auch die „Engelwolke“ zu entdecken.

„Wo seht ihr ein Herz? Ich sehe da oben Wolken, die eher wie Monster aussehen. Die werden uns bald nass machen“, entgegnete Luca skeptisch und zeigte auf ein dunkles Wolkengebilde.

Oups schmunzelte. „Das ist eine Frage der Sichtweise.“

Und auch in der Mediation hat man die Frage der Sichtweise. Oft hat man zwei Streitparteien vor sich sitzen und denkt, dass die beiden unmöglich von ein und derselben Situation sprechen können. Doch es ist auch da so wie bei den Wolken; für die Einen ist eine Wolke bedrückend, weil sie so dunkel ist, und der Regen bald kommt – und für die Anderen ist dieselbe Wolke am Himmel wunderschön, weil sie sich bewegt, verändert und zum Träumen anregen. So ist der Blick auf eine zuvorderst „objektive Situation“ höchst subjektiv geprägt und welche Ansicht die Wirklichkeit der Wolke wiederspiegelt, das ist nun wirklich nicht zu klären …

Der Konstruktivismus geht von der Grundannahme aus, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt des Gehirns ist. Die Kernaussage des Radikalen Konstruktivismus sagt, dass eine Wahrnehmung niemals ein Abbild der Realität liefert, sondern immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung eines Individuums ist. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich; ausnahmslos jede Wahrnehmung ist subjektiv. Darin besteht die Radikalität (Kompromisslosigkeit) des radikalen Konstruktivismus.

Natürlich kann man auch Kinder schon zu dieser „Weltsicht“ anregen, denn was ich in einer Wolke sehe ist nicht dasselbe, das du in einer Wolke siehst und nicht dasselbe, was Sie in einer Wolke sehen …

Mit obigem Zitat aus dem wunderbar klugen Buch „Das Leben ist schön“ wünsche ich Ihnen ein sonniges, wolkiges und schönes Osterfest 2011,
Ihre Christa Schäfer

Ach ja, in diesem Blog finden sie übrigens auch eine Oups-Herzensübung …
(einfach auf den roten Text klicken …)