Für systemisch orientierte Beratungsprozessen lässt sich u.a. folgender Sprachgebrauch finden:

Die Interventionsarchitektur eines Beratungsprozesses bestimmt den Rahmen und die Struktur des Prozesses. Sie beeinflusst, dass etwas geschieht und was passiert. Eine Mediation ist in diesem Sinne eine Interventionsarchitektur.

Mit dem Interventionsdesign wird entschieden, wie das architektonische Gebäude im Inneren ausgestattet ist: Wie ist der Zeitrahmen für die Mediation, wie die Räume, worum geht es …

Mit dem Begriff der Tools sind die vielfältigen Werkzeuge gemeint, die im jeweiligen Kontext des Designs und der Architektur eingesetzt werden. Je mehr Werkzeuge und Wissen über Werkzeuge für den Bereich der Mediation zur Verfügung stehen, desto flexibler können die Tools genutzt werden und desto besser können die Mediationssitzungen gelingen.

„Mediation als Wendepunkt in Beziehungen“, das ist ein Buch von Ernst Feistauer und Marcella Zauner-Grois, das sowohl für Mediationsanfänger interessant ist, als auch für erfahrene MediatorInnen selber viele spannende Aspekte bietet. Neben Hinweisen zur Mediations als Interventionsarchitektur sowie zum Design von Mediation stehen vorallem viele Interventionen und Tools selber im Zentrum dieses Buches aus dem Facultas Verlag. Da das Buch einem humanistischen Weltbild verpflichtet ist und die kybernetische Systemtheorie sowie die konstruktivisische Erkenntnistheorie als wichtig anerkennt, werden vorallem systemische Techniken mit ihrer Nutzung im Mediationsbereich beschrieben.

Neben der Sprache als Universalintervention für alle Phasen reichen die Themen dabei bis zur Methode der Musterunterbrechung und bis zu Kapiteln über Hindernisse, Fokussierung, Ressourcen und Optionen. Eine gelungene Intervention bildet nach Feistauer und Zauner-Grois die Brücke zwischen der Selbstorganisation von Menschen und der Unterstützung bzw. Hilfestellung von außen.

Mit einigen der vorgestellten Interventionen arbeite ich oft und gerne in der Mediation, mit einigen anderen bisher weniger. Von der Intervention: „Die besten aller Welten“ hatte ich bisher sogar noch nie etwas gehört. Sie ist an ein Modell von Johan Galtung angelehnt, und nach Galtung ist ein Kopromiss eine recht fantasielose Regelung für einen Konflikt, denn eine wirkliche Lösung sollte die Elemente Konsens und Versöhnung beinhalten – erst dann kann diese Lösung auch nachhaltig zu etwas Neuem führen.

So anregend die Beschreibungen der in der Mediation einsetzbaren systemischen Tools sind, so spannend ist auch das Ende des Buches, denn neben einigen Fallbeispielen wird im Ausklang auch die Frage beleuchtet, was eine „gelungene Mediation“ ist. Bislang habe ich ich eine Antwort auf diese Frage so klar und deutlich noch nirgendwo lesen können, deshalb möchte ich sie hier vollständig zitieren:

„Eine Mediation ist gelungen, wenn die Beteiligten einen Weg gefunden haben, ihre Beziehungsgestaltung neu zu ordnen oder neu zu definieren. Diese Veränderung findet auf allen Ebenen statt: im Denken, im Fühlen und im Handeln. Eine bisher schwierige Beziehung erfährt einen Wendepunkt dahingehend, dass sich die Beteiligten von bisher kämpferischen oder destruktiven Mustern verabschieden können und sich gemeinsam um eine Lösung bemühen, die möglichst den Bedürfnissen und Wünschen aller gerecht werden kann.“ (Buch S. 178)

In diesem Sinne wünsche ich allen MediatorInnen viele gelingende Mediationen …
Christa D. Schäfer