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Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen …

Gibt es das?

Angelika Kindt hat ein Buch darüber geschrieben. Sie wurde von ihrer Tochter ohne Vorwarnung verlassen – warum, weiß sie bis heute nicht. Auf der Suche nach Antworten und Hilfe stellte sie fest, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist. Das Phänomen „verlassene Eltern“ zieht sich durch alle sozialen Schichten, wird von der Gesellschaft jedoch tabuisiert. – so heißt es auf der Rückseite dieses spannenden Buches.

Das Phänomen „Verlassene Eltern“ ist in zweierlei Hinsicht interessant für mich und diesen blog.

Zum einen ist natürlich die Systemische Sicht auf dieses Phänomen höchst faszinierend. Was passiert oder auch was muss bereits passiert sein, wenn eine 30jährige Tochter ihrer Mutter den Kontakt aufkündigt, sich nicht mehr meldet und keine Verbindung mehr existiert?! Obwohl – eine Verbindung existiert ja schon, von beiden Seiten aus, und zumindest für die Mutter ist diese Situation sehr schmerzhaft. Ob sie das auch für die Tochter ist, kann man in dem Buch nur erahnen, denn zur Tochter gibt es ja keinen Kontakt mehr. Wahrscheinlich aber litt die Tochter schon viel früher und hat deshalb diesen radikalen Schritt zum Kontaktabbruch gewählt? Vermutungen über Vermutungen.

Die Autorin Angelika Kindt begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Sie hatte stets versucht eine gute Mutter zu sein und natürlich immer so gehandelt, wie sie es am besten in den jeweiligen Situationen zu den jeweiligen Zeiten konnte und wusste. Nach der „Trennung“ plagten sie Selbstvorwürfe und Zweifel. Andere Menschen belegten sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung.

„Kinder distanzieren sich nicht von den Eltern, weil diese ihnen fremd geworden sind, sondern eher, weil sie ihnen zu nahe sind. … Auch ich schämte mich, wie viele andere verlassene Eltern, dass mir so etwas als Mutter ‘passieren’ konnte. Inzwischen habe ich begriffen, dass immer zwei Seiten an so einem Bruch beteiligt sind. Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder, die von ihren Eltern nichts mehr hören wollen, das auch verstehen und sich bewusst machen.“ (Buch, S. 85)

Wenn Kinder erwachsen werden, dann lassen sich beide Seiten – Eltern und Kinder – los. Dies sollte ein positives Loslassen sein, das schließlich wieder zu einer Verbindung führt. Eltern und Kinder (oder Mutter und Tochter) führen beide „ihr Leben“, lassen Raum zwischen sich und sollten spüren und wissen, dass sie jederzeit wieder eine angemessene Nähe suchen können. In gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Fairness gibt es ein gesundes Einpendeln zwischen Loslassen und Wiederfinden.

Dieser gegenseitige Respekt und die darin wohnende Fairness scheinen in manchen Eltern-Kind-Beziehungen schwierig bis unmöglich zu sein. Kontaktabbruch ist Flucht, ist Wegrennen vor der Aufgabe einen fast nicht aushaltbaren Konflikt lösen zu müssen. Jeder der beiden Konfliktpartner (Mutter und Tochter) haben gewisse Vorstellungen von ihren Rollen bzw. der Rolle der jeweiligen anderen. Was geschieht, wenn diese Rollenbilder nicht deckungsgleich sind, sondern differieren? Dann tut es emotional weh und ist hart.

Die Verweigerung des Kontaktes ist in diesem Fall natürlich auch eine Form der Kommunikation, denn wenn wir an Paul Watzlawick denken, so heißt es in dessen erstem Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Im Falle des Kontaktabbruchs ist es so, dass man lediglich Vermutungen über die Ursache anstellen kann, aber keine Rückmeldung zu dieser Sichtweise bekommt. Damit fühlt man sich ohnmächstig und empfindet den Kontaktabbruch als solches als aggressive Verhaltensweise.

Je nach Konflikttyp könnten Mutter und Tochter auch an dieser Thematik der verschiedenen Rollenerwartungen arbeiten, die Kommunikation miteinander suchen oder auch eine Mediatorin, einen Mediator als „Vermittler zwischen den beiden Welten“ einsetzen. – Und hier ist natürlich der zweite Anknüpfungspunkt zu diesem blog. Bisher habe ich einen solchen Fall noch nicht bearbeitet, aber ich bin sicher, dass Mediation unterstützen kann – wenn beide Parteien dazu bereit sind und sich darauf einlassen. Dann wäre Mediation wahrscheinlich sogar die bessere Wahl als eine Familientherapie – denn diese ist dichter und intensiver und wird oft gar nicht gewünscht.

In dem Buch “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ von Angelika Kindt gibt es viele weitere fachlich interessante Passagen wie beispielsweise diejenige zu den Stichworten „Trauerarbeit“ und den „vier Phasen eines Verlusts“. Mit anderen Worten: Sowohl aus Systemischer Sicht als auch aus MediatorInnensicht ist dies ein super interessantes Buch, das sich lohnt zu lesen!

Christa D. Schäfer

Übrigens: Kommunikation ist …

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35 Comments

  1. Hallo,
    ich frage mich gerade, ob wir mit Ratschlägen sehr weit kommen. Jede_r ist doch verschieden und ein und dasselbe Buch kann nicht jeder und jedem helfen. Sicherlich gibt es da individuelle Wege, die gewählt werden müssen … Dennoch besten Dank für die geteilten Idee, liebe Berthild!
    Weiter eine gute Woche Ihnen allen wünscht Christa Schäfer

  2. Susanne 1958

    Guten Abend zusammen,

    mein letzter Beitrag:
    Susanne 1958
    Dienstag, 6. November 2012 8:40

    Nun Feb. 2016 – also Jahre später – möchte ich mitteilen dass sich zwischen einer meiner Töchter und mir etwas ereignete – und zwar Anfang/Mitte Juni 2015.
    ______

    Bevor ich weiter schreibe möchte ich mich bei Luisa entschuldigen….ich habe Ihnen seinerzeit eine Zusage gemacht, die ich nicht einhielt.

    Ich möchte mich bei Ihnen dafür entschuldigen.

    (Es gab -zig Gründe, die mir eine weitere Teilnahme an diesem Blog unmöglich machte).
    _____

    Da ich umgezogen war teilte ich beiden Töchtern meine neue Anschrift mit…per Postkarte (Motiv Vergiss-mein-nicht-Blumen)und schrieb einfach neutral-freundlich, dass ich mich über einen Besuch freuen würde.

    10 Tage später erhielt ich von meiner ältesten Tochter eine Karte (Motiv Blumenstrauss u. Sektkübel).
    Sie teilte mir ihre Telefonnummer mit, sie würde sich über einen Anruf freuen.

    Ich war völlig überrascht, hatte nach Jahren des Kontaktabbruchs mit keinerlei Antwort gerechnet….

    So rief ich meine Tochter am Abend an….das erste Gespräch seit über 10 Jahren.
    (Wir “moderierten” es gemeinsam sehr gut).

    Mitten im Gespräch sagte meine Tochter plötzlich aber sehr tonlos, sie wolle sich bei mir entschuldigen…für alles, was sie mir angetan hat.
    Ich nahm die Entschuldigung gerne und sofort an.

    Im weiteren Verlauf fragte ich sie, weshalb sie den Kontakt abbrach. Sie antwortete, sie habe sich in den Jahren eine eigene Realität zusammengestrickt und wollte mich (Originalton —->) übelst-brutalst bestrafen.

    Ich blieb ruhig und erkundigte mich nach dem Grund…sie sagte, sie habe gedacht, dass ich ihr ihren Vater (der schon immer im Ausland lebt, ich war seinerzeit zu ihm dorthin ausgewandert und flog hochschwanger alleine zurück nach Deutschland) vorenthalten habe.

    Sie habe aber gemerkt, dass der Vorwurf nicht stimmt und ich hätte mir absolut nichts vorzuwerfen, ich hätte “alles, alles” richtig gemacht. (Letzteres lehnte ich ab, denn niemand macht alles richtig).

    Sie habe bemerkt, dass sie mir ihre Töchter all die Jahre vorenthalte…und genau das mache, was sie mir bzgl. ihres Vaters fälschlicherweise vorwarf.

    Um es ein wenig kurz zu fassen: sie kam mich besuchen, wir verbrachten fast 4 Std. und verstanden uns gut, wir vereinbarten ein weiteres Treffen, damit ich ihre Töchter kennen lerne.
    Ihre Töchter, also meine Enkelmädchen waren mittlerweile 9 u. 11 Jahre jung – die beiden und ich kannten uns bis dahin leider nicht.

    Bei diesem Treffen – zu dem ich fuhr, damit die Enkelinnen in gewohnter Umgebung sind – ergab sich ein weiteres Gespräch über dies und das….so erfuhr ich dass meine Tochter bei einer sogenannten Coaching Academie Bielefeld “Trainings” besucht….

    Insgesamt war ich hellhörig. Durch den Kontaktabbruch bin ich sehr sensibel geworden und achte auf sehr vieles – und passe dabei sehr gut auf, dass ich keine Flöhe husten höre 😉

    Ich recherchierte kreuz und quer im Internet und fand diverse Negativmeldungen zu dieser “Academie”, auch schaute ich mir deren I-net und facebook Seiten an, um mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

    Zu deren “Programm” gehört, sich “zu entschuldigen”….

    Man spricht dort auch eine “eigene Sprache”….so redet meine Tochter von Lernfeldern, wenn sie Probleme mit anderen Menschen hat…diese Menschen sind dann Lernfelder…

    Nach vielen Überlegungen und diversen darüber mitteilenden/fragenden Mails an meine Tochter, denen sie sehr auswich – und wenn mal nicht, dann wurde der Inhalt verdreht/zurecht gebogen.
    Zuletzt teilte sie mir mit, sie würde meine Mails nicht mehr lesen, da sie sich von mir beleidigt fühlt.

    Meine vermeintlichen Beleidigungen sind konkrete Darstellungen meiner Gefühle (Traurigkeit, Wut, Hoffnung, verstehen-wollen-aber-ohne-Antwort-nicht-verstehen-können etc. etc., und die psychosomatischen Reaktionen, die diese unerträgliche Situation im Laufe der Jahre bei mir verursachten.

    Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren dass die Entschuldigung nicht auf einer tatsächlichen “Einsicht” seitens meiner Tochter basiert – sondern dass ein Teil des Programms dieser “Academie” abgearbeitet wird.
    _______

    Ich teilte meiner Tochter recht schnell mit, dass ich mich nicht in der Lage sehe diesen jahrelangen Kontaktabbruch, also unsere Probleme mit ihr “alleine” zu bewältigen und schlug eine Mediation oder Familienberatung vor.
    Ich fragte sie, ob sie das befürworte oder eine andere Idee habe….

    Sie antwortete “positiv”, aber sie würde es zur Bedingung machen, dass ich zuerst! ein “Training” bei besagter “Academie” mache.

    Das lehnte ich ab.
    ________

    Obige geschilderte Situationen sind nur sehr grob umrissen, all das ist viel filigraner und in sich so sehr verflochten.

    Eine Änderung/Verbesserung, gar Auflösung der Situation schaffe ich nicht – ohne ernsthafte, glaubwürdige Mithilfe meiner Tochter.

    Meine Tochter ist nicht “wirklich” interessiert – so mein Fazit.

    Gesamt betrachtet fühle ich mich belogen und gebe nun (beide Töchter) auf.

    Das habe ich meiner Tochter vor 1 Woche mitgeteilt – via Mail, die sie ja nicht liest…..

    In all den Jahren habe ich 2 Therapien gemacht, zwischenzeitlich nach Bedarf immer mal Krisengespräche mit der sehr guten Therapeutin führen können.
    “Wir” kamen den Dingen nicht auf die Spur, fischten im Trüben, – Um dann so spät zu hören, ich habe alles, alles richtig gemacht….

    Die Therapeutin nannte – auf meine kürzliche Nachfrage – das Verhalten meiner Tochter (beider Töchter) als Zerstörung.
    ________

    Es könnte möglich sein, dass ich mit meinen insgesamt 4 Enkelkindern (jede Tochter ist Mutter zweier Kinder, die auch vom Kontaktabbruch betroffen sind) eines Tages doch “zusammen komme”…vielleicht interessieren sie sich für diese Familien”geschichte” – die vielleicht einen Ursprung schon in der Kindheit meiner Mutter hat.(Da gab es auch eine Frau/Mutter/Oma = eine Person, die gemieden wurde – von niemandem erfuhr ich je näheres darüber. Es wird geschwiegen. Furchtbar!).

    Vor einiger Zeit erfuhr ich dass es so etwas wie weitergereichte Probleme innerhalb von Familiengenerationen gibt (ich kann es nicht besser ausdrücken, sorry).

    Ich habe alles unternommene/versuchte, alles geschriebene (der gesamten Jahre) und auch “keine Antworten” auf genanntes für meine Enkel dokumentiert und beide Töchter darüber informiert.

    Auch habe ich in der relativ aktuellen Situation meine Tochter auf diesen Blog aufmerksam gemacht, ihr den Link mitgeteilt und natürlich meinen hier angegebenen Namen.
    ________

    Vielen Dank für’s aufmerksame Lesen..

    Beste Grüße
    Susanne 1958

  3. Luisa

    Liebe Susanne,

    danke fürs Erzählen.
    Und danke für Ihre Entschuldigung, aber ich habe daran nie eine Forderung geknüpft, dass Sie etwas schreiben bzw. berichten. Manchmal ist das einfach so, und das ist okay.

    Ich stelle mir, ehrlich gesagt, alles sehr schrecklich vor, was Sie erlebt haben.
    Zuerst die Annäherung, mit der Hoffnung, einander wieder näher zu kommen und dann zu erkennen, dass die Annäherung einen Haken hat.
    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie mit dieser Enttäuschung auch zurecht kommen und wünsche Ihnen gute und liebevolle Menschen um Sie herum, die Sie begleiten.

    Viele Grüße von
    Luisa

    P.S.
    Im Übrigen glaube ich auch, dass es so etwas wie eine weitergereichte Familiengeschichte gibt, zum Beispiel das Thema um die “Nachkriegsenkel”….

  4. Susanne 1958

    Liebe Luisa,

    sehr lieben Dank für ihre guten Wünsche und dass Sie meine Entschuldigung angenommen haben.

    Ich wünsche mir dass ich “irgendwann” positives berichten kann, um den – vom Thema betroffenen – Menschen iiirgendwie auch etwas weiterhelfendes, unterstützendes mitteilen zu können.

    Bis spätestens dahin sende ich viele Grüße,

    Susanne 1958

  5. Iska53

    Zitat: „Ich wußte gar nicht, dass ich leide. Es war mein Normalzustand mich wertlos etc.zu fühlen. So konnte ich auch nichts verändern, da ich gar nicht wußte, dass ihr Verhalten verkehrt war und nicht meines.“ Zitatende

    DAS könnte auch ein Satz von mir sein…

    Habe gestern im TV „Kein Wort mehr – Wenn Kinder ihre Eltern verlassen“ gesehen, entsprechend aufgewühlt im Web etwas zur Thematik gesucht, bin dabei über diese Site gestolpert…Alle 103 Postings gelesen. „Clara“, „Abi“, „Böse Schwiegertochter“, „Susu“, „Karin“ und besonders „45-jährige Tochter“ – ihr findet Worte, wo sie mir „im Halse stecken bleiben“, DAAAANKE für eure Beiträge.

    Ich -53jährig- habe in 2011 den Kontakt zu meiner Mutter eingestellt. Nicht zum ersten Mal, ich erinnere eine mehrjährige „Sendepause“ Anfang bis Mitte der 1990er Jahre, als mir in meiner damals ersten Therapie intuitiv klar war, daß diese Frau mir nicht gut tut, meine grenzenlose Wut auf sie nicht nur legitim war, sondern auch irgendwie herausmusste, und sei es, indem ich sie nun meinerseits mit „Liebesentzug“ bestrafte…
    Als ich mir einbildete, wieder „stabil“ bzw. „normal“ zu sein, liess ich den Kontakt wieder zu, bis es im Laufe der Jahre mehr und mehr unerträglich wurde. Durch die Beschäftigung mit meinem eigenen Krankheitsbild kam ich erst 2011 –dann aber schlagartig– zu der Erkenntnis, daß nicht nur ich „gestört“ bin, sondern meine Mutter auch total „beschädigt“ war (und ist), sie hat -so meine Überzeugung- eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung. In meinem damaligen Abschiedsbrief an sie, den ich so wohlwollend wie nur möglich formulierte, habe ich ihr das auch gesagt, verbunden mit der Bitte, sich in eine Behandlung zu begeben, sich ihrem eigenen Schmerz zu stellen…
    In 2014 bat sie via Postkarte um ein Treffen, ich lehnte ab, bot an, stattdessen einen Briefwechsel in gegenseitigem Respekt und Achtung zu führen, um sich gegenseitig nun endlich wirklich kennenzulernen und vielleicht, vielleicht auch auszusöhnen… Habe ihr in dessen Verlauf anhand ganz konkreter aktueller Beispiele beschrieben, wann sie mich womit wie verletzt, welche Gefühls- und Verhaltensmuster da in mir so abspulen, ob ich will oder nicht und wie gern ich die unterbrechen würde, weil sie doch immer meine Mutter bleibt und meine Sehnsucht nach ihr einfach nicht weggeht; habe sie ermutigt, von ihren eigenen Gefühlen zu schreiben, sie gefragt, wie ich IHR helfen kann, lange Rede, kurzer Sinn: ging gründlich in die Hose… Sie kann oder will alte Pfade nicht verlassen.

    Es scheint, sie gehört zu „Diejenigen, die auch früher nie in der Lage waren, Fehler einzugestehen, selbstkrtiisch zu sein und sich gelegentlich zu reflektieren, werden es nach dem Kontaktabbruch in der Regel auch nicht sein“…

    Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke, oft träume ich von ihr, wache dann heulend, teils des-orientiert auf. Sie tut mir auch unendlich leid, wie einsam muss sie sein?, sind ihr doch alle drei Kinder auf die eine oder andere Art abhanden gekommen… Da sind Anteile in mir, die wollen sie trösten, denn ihre eigene Persönlichkeitsstörung hat sie ja nicht mal eben so zum Spaß entwickelt, wieviel Leid und Schmerz muss sie in sich tragen, um so zu werden, wie sie ist?

    Auch ich lerne -mit bald 54!!!- erst noch, zu leben…

  6. Hallo Iska 53,

    schön, dass Sie den Weg hierher gefunden haben.

    So wie ich Ihre Zeilen lese, gab es immer wieder Zeiten, in denen die Beziehung zu Ihrer Mutter fern war, und es aber auch Versuche der Annäherung gab. Auch das kostet Kraft, ist es doch immer wieder Hoffnung, sich neu einzulassen, um dann wieder enttäuscht zu werden. Wie ich ferner gelesen habe, denken Sie fast täglich an Ihre Mutter?! Das ist schier unglaublich, und auch, dass alle ihre drei Kinder ihr “abhanden” gekommen sind … Ob sie sich darüber wohl Gedanken gemacht hat?

    Ihnen wünsche ich viel möglichst bald viele leben.
    Herzliche Grüße von Christa Schäfer

  7. Irma55

    Hallo, ich möchte auch meinen Kommentar dazu abgeben.
    Ich bin mit einem Alkoholkranken Vater aufgewachsen. Meine Mutter war oft krank und mein Bruder 6 Jahre älter als ich. Da ich mit der Situation, so wie ich jetzt herraus gefunden habe, als Kind überfordert war, war ich nicht das liebste Kind. Meine Mutter hat miich geschlagen und es sind noch viele andere Sachen passiert. Ich habe als 14 jährige angefangen zu trinken und bin jetzt Alkoholikerin. Meine Mutter war nie für mich da. Ich könnte so viel schreiben, wo sie mich seelisch in Stich gelassen hat. Als ich Erwachsen war hat sie mir öffter mal mit Geld ausgeholfen. Warum wird mir jetzt zu viel, biin gerade damit überfordert. Jedenfalls hat sie mir das, bis heute immer vorgeworfen, wenn ich versucht habe, ihr zu sagen, gas sie ja vielleicht auch Hilfe braucht. Sie zerfließt seit vielen Jahren auch in ihrem Selbstmitleid, was sie durch meinen alkoholkranken Vater und mich alles ertragen mußte. Sie hat mir immer Schulgefühle gemacht und ich habe mich auch immer um sie gekümmert. wenn sie was hatte, habe ich alles stehen und liegen lassen.
    Jetzt ging es mir auch mal wieder nicht gut und das habe ich ihr gessagt.
    Als Antwort habe ich gesagt bekommen, ich soll mir mal einenn Flasche holen, dann würde es mir doch besser gehen.
    Darauf hin habe iich den Kontakt abgebrochen. Sie rief noch mal an, das soll ich doch nicht so verbissen sehen und ie ich meinte ich bräuchte jetzt erst mal meine Ruhe und sie soll mich nun auch in Ruhe lassen, wollte sie ihr Geld zurück für die Jahre wo sie mir geholfen hat.
    Ich finde es unmöglich, das die Töchter hier hingestellt werden, als wüßten sie gar nicht, was sie den Angehörigen antun. Was haben die Eltern ihren Kindern angetan, die den Kontakt abbrechen. Ich habe auch einen Sohn, der unter meiner Alkoholkrankheit gelitten hat, aber ich stehe dazu.

  8. Hallo Irma,

    danke, dass Sie Ihre Gedanken mit uns geteilt haben.
    Es ist das Besondere an den Kommentaren zu diesem Artikel, dass man sowohl von Mütter als auch von Töchtern lesen kann, bei denen der Kontakt abgebrochen ist. Mehrheitlich jedoch von Töchtern, die über die Beziehung zu ihrer Mutter – oder soll ich eher sagen, die mangelnde Beziehung zwischen Mutter und Tochter berichten. So schien es auch bei Ihnen gewesen zu sein. Und der Alkohol scheint ebenfalls eine große Rolle in Ihrer Familie zu spielen – genauso das Geldthema, das Sie ansprechen. Wie es scheint, geht es Ihnen und Ihrer Familie gerade gar nicht gut. Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Situation, in der das alles durchbrochen werden kann und eine Lösung für eines der Probleme ansteht …

    Das wünscht Ihnen Christa Schäfer

  9. Irma55

    Liebe Frau Schäfer,

    ich möchte mich heute doch noch mal melden. Obwohl ich die ganze Nacht überlegt habe, ob ich es mache.
    Gestern war ich sehr aufgeregt, weil meine Gefühle zur Zeit etwas durcheinander sind.
    Also, ich möchte mal so anfangen.
    Ich gebe meiner Mutter und meinen Vater, nicht allein die Schuld, dass es so gekommen ist.
    Glauben sie mir, dass ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe und so leichtfertig, habe ich den Kontakt nicht abgebrochen.
    Ich schreibe mal noch ein bisschen aus meinem Leben.
    Meine Familie ist, als ein halbes Jahr alt war, nach Berlin gezogen. Davor merkte meine Mutter schon, dass mit meinem Vater punkto Alkohol, was nicht in Ordnung war.
    So, nun zu mir. Ich kam in ein Zimmer, was dunkel, kalt und ungemütlich war, so denke ich habe ich es empfunden, denn das Gefühl habe ich bis heute. Es war mit lauter alten Sachen vollgestellt, von meiner Oma.
    Meine Mutter ist mit mir, so hat sie es mir auch erzählt, länger Schwanger gelaufen wie berechnet. Dafür hat sie eine Geldnachzahlung bekommen, wo nicht eine Zimmereinrichtung für mich gekauft wurde, sondern ein Fernseher. Damit sie nach außen etwas darstellen kann. Das war nur ein Beispiel, denn sie hatt ihr ganzes Leben lang darauf geachtet, mit Menschen zusammen zu sein die sie nicht kritisieren sondern anerkennen. Wer sie kritisierte wurde weggestoßen oder als bekloppt hingestellt. Sie hat aber ihr ganzes Leben andere kritisiert, nicht nur mich. Aber immer hinterm Rücken, ins Gesicht hat sie es nur mir gesagt.
    Nicht mal meinem Bruder, weil er ihr sofort Kontra gegeben hat, sobald es anfing. Er war, wie geschrieben 6 Jahre älter wie ich.
    Also war ich ihr sogenanntes “Opfer”.
    Ich habe mich, mit dem zweiten Weltkrieg sehr beschäftigt und ich weiß, was meine Mutter alles erlebt hat. Das viele daher auch an einem Trauma leiden, kann ich verstehen. Sie hat aber, nach ihren Aussagen ein liebevolles zu Hause gehabt, trotz das es damals bestimmt, alles sehr schwer war. Die Zeit mit meinem Vater, war auch für sie nicht einfach und das da alles nicht so schön war, kann ich ihr alles verzeihen. Auch meinem Vater habe ich verziehen, weil ich garnicht weiß, warum hat er getrunken. Er ist mit 52 Jahren verstorben und wurde zu meinem Geburtstag beerdigt. Nicht einer hat daran gedacht.
    Ich war zu dieser Zeit, leider nicht in der Lage etwas dagegen zu sagen.
    In diesem Jahr kam auch mein erster Sohn zur Welt, mit einem offenen Kopf, durch ein Gehirntumor. Von diesem Tag an konnte ich zwanzig Jahre nicht mehr weinen und lachen. Ich habe mir große Vorwürfe gemacht, aber ich habe in der Schangerschaft nicht getrunken. Die Ärzte haben mir auch gesagt, dass es nichts damit zu tun hat, das ich vorher Alkohol getrunken habe. Ich bin mir aber, bis heute nicht sicher.
    Nun zu meiner Mutter, die hat mich nicht in den Arm genommen und getröstet. Von ihr kam garnichts, ausser wie werden wir ihn am besten los. Wo bekommen wir am besten schnell einen Pflegeplatz.
    Ich muß jetzt hier abbrechen. Ich kann nicht mehr. Nur eins noch, wissen Sie wer mich vor 8 Jahren, dass erste mal in den Arm genommen hat , in meinen Leben, meine Allgemeinärztin.

  10. Irma55

    Hallo, da bin ich noch mal.

    Ich habe mich jetzt etwas beruhigt.
    Es sind so viele Ereignisse, wo meine Mutter nicht für mich da war.
    Mit knapp 8 Monaten habe ich nachts in meinem Kinderbett gestanden und hin her gewackelt, nicht meine Mutter hat das bemerkt, nein die Nachberin über uns hat meine Mutter darauf hingewiesen und da wurde festgestellt dass ich den Eisenfuß schon kaputt gemacht habe. Das fand sie lustig.
    Als sie sich dann endlich von meinem Vater getrennt hatte und wir, ich bezeichne

  11. Irma55

    Jetzt bin ich auf eine falsche Taste gekommen.

    ich bezeichne dieses Haus, wo wir eingezogen sind, als mein Untergang.
    Dort hatte meine Mutter , nichts anderes im Sinn, als sich an meinen Vater zu rechen (das hat sie auch zugegeben). Sie setzte mir einen Stiefvater vor die Nase aus ihrem Berieb.
    Der dem Alkohol auch sehr mochte. Er ist auch, dann daran gestorben. Sie hat gemerkt, das es mir nicht gut geht, denn dort habe ich dann angefangen zu trinken. Sie ist aber lieber weggefahren, zu ihrer Schwiegermutter die versorgt werden mußte (mußte sie wirklich), dass kann ich auch verstehen. Was ich aber nicht verstehe, wenn ich sehe, dass mein Kind, betrunken im Korridor liegt und nach ihrer Aussage, sie Angst hatte, obwohl ich ihr nie etwas getan habe. Das hätte ich mich garnicht getraut. Von da an, kann ich leider nichts mehr verzeihen. Sie hatte angeblich Angst vor mir, konnte mih aber mit einem Stock in die Schule prügeln und mich vor allen bloßsrellen. Dann hatte ich eim bisschen hal in einem Jugendklub gefunden, den sie mir auch wegen den Alkohol kaputt gemacht hat. Sie ist dort hin gegangen und hat gesagt, ich bin eine Säuferin. Warum ich nicht weggegangen bin, weiß ich nicht, sie war die einzige Bezugsperson die ich hatte.
    Geflüchtet bin ich dann zu meinen Ex-Mann. Ihn habe ich nie geliebt. Das tut mir auch heute noch leid, das ich ihm das angetan habe.
    Zwischenzeitlicch wurde ich mit 18 Jahren noch Überfallen. Ein Mann kam von hinten und wollte mich erstechen, das weiß ich abr auch nicht so genau, da ich es bemerkte undd mich gewehrt habe und weggelaufen bin. Ich hatte nur eine Wunde am Arm. Wie gesagt, auch da nahm meine Mutter mich nicht in den Arm und hat mir Sichherheit gegeben.
    Wie gesagt, dann kam mein erster Sohn, nach 1 1/2 Jahren war ich wieder schwanger. Ich hatte das Gefühl, das es nicht gut geht und hatte den Gedanke, es nicht zu bekommen. Mein Mann und ach so tolle Mutter haben nicht gemerkt, dass ich garnicht in der Lage war,es zu bekommen. Bei der Geburt blieb bei meinen Sohn zweimal das herz stehen, weil die Hebamme den Wehnentropf zu hoch eingestellt hatte, so wurde es mir gesagt, obwohl ich heute staune, das sie es mir gesagt haben.
    Auch da hat mich meine Mutter nicht in den Arm genommen, obwohl ich Angst hatte, das etwas passiert ist.
    Was dann ja auch so war, mein Sohn ist schwer Schizophren ( ich habe das Wort so oft geschrieben und ich weiß jetzt nicht ob es richtig ist).
    Vor meiner Ehe und nach meiner Ehe habe ich viele Männer gehabt, wo ich die Geborgenheit suchte und ist ja klar, nicht bekommen habe.
    1988 bin ich freiwiilig in die Klinik gegangen und habe dort einen Mann getroffen, wo ich dachte, der weiß wie es Dir geht, denn er hat ja auch viel mitgemacht.
    Es war ein großer Fehler, denn immer wenn ich mir ein bisschen Selbstbewußtsein erkämmpft hatte, schlug er mich und machte mich mit Worten nieder, wie meine Mutter. Mein Sohn hat alles mitansehen müßen. Aber leider habe ich 10 Jahre nicht die Kraft gehabt mich richtig von ihm zu lösen. Dafür gebe ich keinen die Schuld, obwohl ich finde Schuld ist so eine Sache. Jeder macht Fehler im Leben, aber irgend wann sollte ich dazu stehen.
    Ich habe meine “Strafe” dafür bekommen, mein Sohn hat mich dann in seiner schlimmen Phase geschlagen, hat mir ein Kopfkissen aufs Gesicht gedrückt und mir das Jochbein gebrochen. Alle haben zu mir gesagt, ich soll ihn fallen lassen, aber das mache ich nicht, weil ich meinen Sohn liebe und er auch allein war, wo er mich gebraucht hätte. Das alles hat meine Mutter mit erlebt und trotzdem ist ihr nicht einmal der Gedanke gekommen, vielleicht habe ich auch nicht alle richtig gemacht, obwohl ich sie öffter darauf angesprochen habe. Nein, da wurde sie immer böse und hat mir unterstellt ich rede ihr da was ein. Sie hat sich noch lustig über mich gemacht, das ich glaube, das sie vielleicht Hilfe braucht.
    Sie hat dann gemeint, ich sollte och mal wieder zum Arzt gehen, denn ich wäre so Depressiv und sollte mir Pillen verschreiben lassen.
    Es gibt noch so viele Beispiele, wo sie mich als “undankbares Kind hinstellt”. Was ich ihr doch alles angetan habe undd sie mich mit Geld doch so unterstützt hat.Sie ist auch die einzige auf dieser Welt, die so schwer Krank ist. Meine Mutter hat Osteoporose.Das ist schlimm und sie tut mir leid, weil sie als Kind hungern mußte. Dafür kann aber doch ich nichts.
    Jetzt zu dem Tag, wo ich den Kontakt abgebrochen habe.
    Das hatte ich schon geschrieben, nur nicht waaarum es mir nicht ganz so gut ging. Mein erster Sohn wäre 35 Jahre alt geworden und da war ich sehr traurig. Die Antwort die ich bekommen habe, habe ich ja geschrieben.
    Jetzt bin ich müde zu kämpfen, das meine Mutter vielleicht irgendwann versteht, das sie vielleicht doch etwas dazu beigetragen hat, das es mir bis heute nicht gut geht. Jetzt nach 55 Jahren, versuche ich, doch noch mal etwas gutes am Leben zu finden.
    Ich habe das Glück gehabt einen Mann zu treffen, der mich in den Arm nimmt und mir zuhört, er hat aber nichts mit dem Bruch zu meiner Mutter zu tun. Das war spontan, nach ihrer Aussage, die mich so doll getroffen hat, daas ich ihr das nicht mehr verzeihen möchte. Ich habe doch wohl das Recht, endlich meinen Weg zu gehen, ohne Zwangsjacke, wie ich es immer empfunden habe. Ohne schlechtes Gewissen, was mir immer eingeredet wurde.
    Sie muß sich jetzt selber helfen, denn ich glaube nicht, das ich für alles was passiert ist, mein Leben lang büssen muß.
    Es ist ein bisschen viel geworden, jeder hat zu mir gesagt, ob Psychologen, Ärzte oder das wenige Umfeld, was mir noch durch meine Alkoholkrankheit geblieben ist, hat gesagt nehmen sie Abstand von ihrer Mutter.
    Nun verabschiede ich mich, mit bestem Dank. Irma

  12. Irma55

    Es sind ein paar Fehher im Text, abeer ich habe nicht mehr die Kraft gehabt, sie zu korrigieren.

  13. Hallo Irma,

    ich habe das Gefühl, Sie haben sich viel von der Seele geschrieben, und da ist es nur verständlich, dass man nicht ganz gerade denken kann und Fehler kommen … Ihre Kommentare habe ich mehrmals gelesen, und bei jedem neuen Lesen wurden sie belastender und schwerer. So wie ich Sie verstehe, haben Sie jahrzehntelang vieles erlitten, die Geschichte mit Vater, Mutter, verschiedenen Männern, Überfall, Krankheiten, Alkohol und Ihren zwei Söhnen. Kann ich aus Ihrem letzten Absatz im Kommentar herauslesen, dass Sie nach dem Kontaktabbruch zu Ihrer Mutter und dem Kennenlernen eines neuen Mannes jetzt ein klein wenig oder auch mehr glücklich sein können? Das wünsche ich Ihnen von tiefstem Herzen. In so einer Situation ist es sicherlich schön, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, die Gegenwart genießen zu können und Vorfreude auf das Morgen zu haben …

    Einen sonnigen Frühling wünscht Ihnen Christa Schäfer

  14. 45-jährige Tochter

    Liebe Frau Schäfer und liebe Schreiberinnen und Schreiber, die hier einen oftmals sehr tiefen Einblick in ihre schmerzhaften Erfahrungen gegeben haben.

    Nach dem Eintrag von Irma55 ist es mir ein dringendes Bedürfnis, noch etwas zu schreiben und damit nicht nur auf ihren, sondern auf alle Beiträge eingehen zu wollen.
    Ich meine, erspürt zu haben, warum Sie, Irma55, sich dazu bewegt gefühlt haben, nach der Antwort von Ihnen, Frau Schäfer, noch mehr erzählen zu wollen, ja, regelrecht zu müssen. Der erste Beitrag schien einfach nicht auszureichen, um verstehbar, nein, erfühlbar zu machen, um was es im tiefsten Kern geht. Und das ist der unermesslich tiefe Schmerz, den ein kleines Kind hat, wenn es emotional von der/den nächsten Bindungsperson/en verlassen wird.

    Ich behaupte, dass allen heute Erwachsenen, die sich von ihren Eltern oder einem Elternteil distanzieren, dieser Schmerz widerfahren ist. Alle haben nach diesem allerersten Erlebnis weitere Situationen erfahren. Weiter durch diese ersten Bindungspersonen und dann auch durch andere Menschen, an die sie sich gebunden haben.
    Ich kann für mich selber sagen, dass sich Beziehungserfahrungen, die im Grunde auf emotionalem Missbrauch beruhen, wie ein roter Faden durch mein bisheriges Leben zieht. Mit den Jahren an Selbstreflexion habe ich erkannt, warum das so passierte, und mir wird in meiner aktuellen Phase auf neue Weise all das Zusammenhängende bewusster.
    Jedes Menschenkind wird durch seine nächste Bezugsperson in seinem Bindungsverhalten geprägt und zwar für sein Leben. Je nach dem ob eine sichere oder unsichere Bindung zur Mutter/zum Vater möglich war – und hier kommt es auf deren eigenen Bindungsstil an -, wird die maßgebliche Spur gelegt, mit dem sich dieses Kind in seinem Leben auf den Weg macht und in neue weitere Beziehungen. Menschen, die als Kind eine sichere Bindung zu ihrer Mutter/ihrem Vater aufbauen konnten, sind faktisch stabiler und resilienter, d.h. verfügen über eine ausgeprägtere psychische Widerstandsfähigkeit. Sie können spätere emotionale Verletzungen besser verarbeiten.
    Menschen, die das als kleines Kind nicht erlebt haben, sondern sehr früh in ihrem ganzen So-Sein, ihrer Persönlichkeit und Lebendigkeit verletzt wurden, nicht bedingungslos geliebt, sondern auf vielfache Weise abgelehnt wurden, so wie sie waren, sondern dadurch emotional verlassen wurden, erleben jede nachfolgende Erfahrung wie eine Wiederholung und die früh angelegte Kerbe wird tiefer.

    Was wir brauchen als emotional früh verletzte, früh emotional traumatisierte und oft zusätzlich körperlich und/oder sexuell missbrauchte erwachsen gewordene Kinder ist nicht nur tiefes Verständnis, sondern tiefes Mitgefühl (Betonung liegt auf Gefühl!) und dass uns die Wirkung dieses frühen Schmerzes wirklich geglaubt wird. Meiner Erfahrung und Einschätzung nach sind leider nicht so viele Menschen dazu in der Lage, wie wir es uns wünschen und oft auch noch so sehr brauchen. Denn die meisten Menschen, behaupte ich, sind davon betroffen, und immer noch viele verdrängen genau das weiterhin. Das Nichtsichtbare des Eisberges ist um ein Vielfaches größer als die sichtbare Spitze. Doch genau wie die Meere aufgrund des Klimawandels schmelzen, schmilzt auch das Meer, das diesen Eisberg umgibt. Durch uns! Durch uns erwachsen gewordene bindungstraumatisierte Menschen, die sich endlich trauen, sich zu outen. Und das ist verdammt nicht leicht umgeben von einer Gesellschaft, in der diese für’s Leben traumatisierenden Erfahrungen noch längst nicht ausreichend anerkannt wird. – U.a. Alice Miller hat uns mit ihren Veröffentlichungen einen großen Dienst erwiesen. Auch wenn sie leider mit ihrem Sohn gegenteilig umgegangen ist. –

    Bindungstrauma ist ganz anders zu “behandeln” wie Schocktrauma. Bei letzterem ist das Vertrauen durch ein Einzelerlebnis erschüttert worden. Bindungstrauma macht ein grundlegender Verlust des Urvertrauens aus, was mühsam wieder aufgebaut werden muss. Dies kann erreicht werden, in kleinen Schritten, und braucht einen wirklich mitfühlendes Gegenüber. Es muss Jemand sein, der keine Angst hat, so einen traumatisierten Menschen bis zu dessen tiefsten Schmerz zu begleiten. Der keine Angst vor dieser Berührung des Schmerzes hat. Und der nicht Gefahr laufen muss, dabei an eigenem Schmerz so berührt zu werden, dass er als Unterstützer*in handlungsunfähig wird. Das setzt die Aufarbeitung einer eigenen Traumatisierung voraus. Selbst nicht alle Therapeut*innen haben das für sich erreicht.
    Ich selbst habe leider die Erfahrung machen müssen, mich auf so einen Menschen vertrauensvoll eingelassen zu haben mit der für mich katastrophalen Folge, dass mein Trauma erneut angetriggert und erneuert wurde. Die Kerbe wurde noch tiefer. Nach eh schon vielen depressiven Phasen erlebe ich Monate nach meiner Trennung von dieser “Therapeutin” eine weitere. Dieses Mal habe ich mich dann endlich an einen Facharzt gewandt, bin durch ihn seit 5 Monaten krank geschrieben und habe vor zwei Monaten eine neue bzw. endlich eine richtige Therapie beginnen können. Bei dieser Frau erlebe ich Mitgefühl und Verständnis und sie glaubt mir. Ich hoffe, dass mich meine Wahrnehmung nicht erneut trügt, dass sie zu mir passt. Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg zu gehen habe, mein Urvertrauen wenigstens einigermaßen aufzubauen. Ich komme in mir selbst an Gefühlstiefen, an die ich mit der Vorgängerin nicht kam, weil sie mir den Zugang versperrt hat. Jeder Schritt in Richtung meines tiefen Schmerzes ist unsagbar schwer auszuhalten, doch ich gebe mein Bestes. Ich fühle mich trotzdem durch alles hindurch, atme dabei weiter anstatt wie früher es irgendwie bloß nicht tun zu müssen und weiterhin alles zu deckeln. Hauptsache funktionieren und dass mir keiner was anmerkt war bislang mein Lebensmotto. Im Grund steckt dahinter pures Überlebenwollen.

    Was sich viele Menschen nicht vorstellen können oder auch nicht wollen ist, dass es für ein kleines Kind oder Baby traumatisierend ist, nicht bedingungslos geliebt zu werden, dem die Aufmerksamkeit, Zuwendung, die es braucht, nicht gegeben wird. Es ist nicht nur furchtbar, wenn es nicht ausreichend gefüttert und gesäubert wird. Das unter allem liegende Furchtbare ist, wenn es nicht oder zu wenig liebevoll angenommen wird. Ohne dem empfindet es sein Leben als bedroht. Ein Baby oder Kleinkind kann nicht relativieren. Für es geht es tatsächlich um Leben und Tod, weil es sich seine Bedürfnisse nicht aus sich selbst heraus erfüllen kann.
    Heute als Erwachsene können wir das vom Grunde her. Wir sind mit ausgereifteren Fähigkeiten ausgestattet. Gleichzeitig fehlt uns die Sicherheit, dass wir uns selbst tragen können, weil wir es im prägenden Alter nicht erfahren haben. Es mag für jemanden, der dafür kein Verständnis hat, lächerlich erscheinen, wenn wir schon bei vermeintlich kleinsten Irritationen in Beziehungen verunsichert sind und uns die Kindheitserfahrungen wieder einholen.

    Und so kann es auch passieren, dass durch Ihre Kommentare, Frau Schäfer, empfunden wird, dass sich die Schreibende/der Schreiber nicht wirklich verstanden, gefühlt und gesehen wird. Das, vermute ich, Irma55, scheint auch Ihnen ähnlich ergangen zu sein und hat sie dazu gedrängt, mehr von sich erzählen zu wollen. Ich habe es so empfunden.
    Mir ist klar, dass der Raum für ein Gespräch sehr begrenzt ist. So breit wie es nötig ist, kann dies auch nur in einer Therapie möglich sein, denke ich. Bei mir kommt auch an, dass Sie, Frau Schäfer, sehr bemüht zu sein scheinen, in Kürze dem Anderen Ihr Verständnis mitteilen zu wollen. Ich gehe davon aus, dass Sie wissen, dass das nicht so umfangreich wird gehen können. Die Krux ist dabei, dass es für bindungstraumatierte Menschen wie schon geschrieben sehr schwer ist, anderen Menschen zu vertrauen, vielleicht sogar gerade dann, wenn diese etwas liebevolles und verständnisvolles sagen. Mir geht es zumindest so. Wie sollen wir glauben, dass es von Herzen ehrlich gemeint ist, wenn wir am Anfang unseres Lebens schon einmal davon ausgingen, ja, ausgehen mussten (!), jedoch anderes erlebt haben?!
    Ich finde es mutig, einen Raum zu eröffnen, in dem sich im frühesten Alter emotional verlassene Menschen äußern können, weil er für das, was sie bitter nötig haben, niemals ausreichen kann. Ja, es wäre schön, wenn die Waagschale mit dem Positiven im Leben eines Tages mehr wiegt oder zumindest beide Schalen ausgewogen nebeneinander stehen. Das wünsche wir uns alle hier mehr als alles andere auf der Welt, denn das andere zu leben, ist unsäglich anstrengend und erschöpfend.
    Ich kann da für mich nur sagen, dass ich mit fast 50 Jahren das nun nicht mehr kann. Gleichzeitig erhoffe ich mir, dass es sich verändern wird und zwischendurch kann ich für Momente auch zuversichtlich sein. Doch selbst am Erhalten der Zuversicht muss ich noch arbeiten.

    Das große Dilemma bzgl. der gestörten Beziehung zwischen Eltern und ihren jetzt erwachsenen Kindern ist, dass auch diese Eltern mit Sicherheit gleiches als Kinder erfahren haben. Und das hat nicht nur mit Kreigserfahrungen zu tun, sondern auch mit der während des Naziregimes propagierten Erziehungsmethodik durch Johanna Haarer. (Buchempfehlung: „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher“ von Sigrid Chamberlain)
    Wirkliche Heilung für beide Seiten kann meines Erachtens nach nur getrennt erreicht werden. Beide müssen sich auf ihren eigenen Weg machen, weil sie sich gegenseitig antriggern. Es stehen sich früh verletzte Kinder gegenüber, die für sich und mit sich überfordert sind. Sie können sich schon schlecht gegenseitig wirklich helfen. Aufgrund des unterschiedlichen Verhältnisses Eltern und Kind, d.h. weil ein Kind immer zunächst von den Eltern abhängig ist und in gewisser Weise untergeordnet, geht das noch weniger.

    Ich denke, wir alle müssen uns der Sensibilität des Themas und unserer eigenen sehr bewusst sein. Wenn wir einen Kommentar von Frau Schäfer lesen, in dem sie uns gute Wünsche für eine bessere Zukunft mitteilt, sollten wir das nicht als möglicher Weise lapidar auffassen, auch wenn wir das so empfinden können. Mir selbst geht es beim Lesen oft so. Jedes “es kann auch besser werden” oder “es ist doch schön, dass Sie …” als Allgemeinumschreibung so von mir formuliert, klingt viel zu “geblühmt”, viel zu einfach, viel zu wenig für das, was wirklich hinter allem steht. – An dieser Stelle könnte ich nur wieder von vorne anfangen zu schreiben. – Mir ist bewusst, dass es eine Kunst ist, hier die richtigen Worte zu finden, Frau Schäfer und schätze die Bereitstellung dieses Raums sehr wert genau wie, dass Sie sich als Zuhörerin zur Verfügung stellen. Vielleicht wären weniger lösungsungsfokussierte Worte besser, sondern vornehmlich mitfühlend verständnisvolle. Gleichzeitig ist mir klar, dass es schwierig bleibt.

    Viele Grüße
    jetzt 49-jährige Tochter

  15. Berthild Lorenz

    Liebe Irma, so Vieles kenne ich sehr ähnlich und mich hat immer wieder aufgerichtet, dass ich an den Satz gedacht habe: “Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!” Daraus und aus vielen Büchern über Psychologie und aus Katie Byrons “The Work” habe ich Kraft geschöpft. Und von dem Gedanken “Schuld” habe ich gelassen. Wir alle sind am Leben Beteiligte.
    Ich sehe uns Menschen als im Leben Suchende und Jonglierende, Abwägende unserer Interessen unterwegs sein…
    Ja, ich schließe mich Frau Dr. Schäfers Worten an und wünsch dir/uns allen eine Frühling mit uns erwärmendem Sonnenlicht, Berthild

  16. Irma55

    Hallo Frau Schäfer, 49 jährige Tochter und Berthild,

    als ich, dass alles gelesen habe, mußte ich erst mal ganz doll weinen und ich möchte mich beddanken für die aufbauenden Worte.
    Ich habe wieder sehr viel nachgedacht, auch über meine Mutter. Sie zerfließt ja in ihr Mittleid mit sich selbst. Komischer weise habe ich auch immer verständnis gehabt, für sie.
    Weil ich immer der Meinung war, mit meinen Vater, Stiefvater und mir hatte sie es ja wirklich nicht einfach gehabt, dazu noch ihre Krankheiten.
    Ich saß trotzdem immer zu Hause und habe gedacht, irgendwas stimmt nicht mit dir, trotz der vielen Therapien, die ich gemacht habe. ich dachte, irgendetwas steckt noch in dir drin, was ich mir nicht erklären konnte. Ich hatte sogar darüber nachgedacht, ob ich als Kind mal mißbraucht wurde, ohne mich daran zu erinnern.
    Dann hatte ich ein Erlebnis, mit dem Sohn meines Mannes. Stiefsohn, finde ich, ist er nicht für mich, genauso wie ich nicht seine Stiefmutter sein möchte. Stief hört sich, für mich so böse an. er ist für mich, der Sohn meines Mannes, den ich sehr lieb gewonnen habe und für den ich, wenn er es braucht, auch immer da sein werde. Er drückt mich immer wenn wir uns sehen, dass treibt mir immer fast die tränen in die Augen. Aber ich reisse mich zusammen, denn was hat er mit meinem Problem zu tun. Er hat eine zeitlang Fußball gespielt und sie haben immer verloren. Aus wut fing er an zu weinen und da nahm der neue Mann, der für ihn wie ich weiß, der beste Freund ist, den man selten findet oder garnicht, in den Arm und hat ihn getröstet hat.
    Da viel mir auf, dich hat in deinem Leben niemand getröstet, jedenfalls nicht so, das ich wärme gespürt hat. Da spürte ich wie viel wärme darin lag.
    Von da an ging mir viel durch den Kopf und ich merkte das ich nie dass Gefühl hatte. Wie gesagt, ich hatte immer überlegt was mir fehlt. Das hört sich an, als würde ich spinnen, aber meine Mutter hat es eben geschafft, das ich mich von klein an ihr gegenüber schuldig fühlte und es deshalb nicht verdient habe, obwohl ich ja wohl instigtief rebeliert habe.
    Sie hat es aber geschafft, auch diese rebellion, für sich auszunutzen um noch mehr ein schlechtes Gewissen einzureden.
    Nun noch eins, wie ich merke bin ich zur Zeit ziemlich am Ende.
    Ich habe seit dem, immer versucht ihr zu erklären, dass mir in der Kindheit die Geborgenheit gefehlt hat und wie ich schrieb, sie darauf bösartig reagiert hat.
    Mag ja sein, dass sie vielleicht im tiefsten innerin merkt, das sie was falsch gemacht hat, aber nicht über ihren schatten springen kann, denn wie ich schrieb, kann sie keine Kritik ertragen.
    Ich hätte ihr alles verziehen, wenn sie sich nur einmal bei entschuldigt hätte, dass sie vielleicht in ihrem Leben etwas falsch gemacht hat.
    Den so komisch, wie es ist bin ich eigentlich ein verständnisvoller Mensch.
    Mein Leitsatz, war immer ( Dinge, die ich nicht erlebt habe, kann ich nicht nachvollziehen ).
    Deshalb habe ich heute auch Verständnis für Freunde die mich nur ausgenutzt haben, denn ich habe es doch zugelassen, dass sie mich benutzen und wie man ja weiß Alkoholiker erst mal im Dreck liegen müßen, um aufzuhören zu trinken.
    Es denkt doch keiner, das ich so viel Druck in mir gespürt habe, dass der Alkohol das einzige war, was mir Entspannung gab und ich heute wirklich sage, wenn ich nicht getrunken hätte, wäre ich nicht mehr. Aber das kann ja keiner nachvollziehen.
    Sie hat sich nicht bei mir entschuldigt, sondern gesagt, ich soll mir mal eine Pulle holen und da war es auf einmal.
    Ich dachte, Du bist doch auch ein Kind von einem Alkoholiker und habe im Internet nachgelesen, wie schlimm das für Kinder ist und habe auf einmal, einen unendlichen tiefen Schmerz gespürt, den ich nun erst mal bewältigen muß. Meine Ärztin hat gesagt, dass ich dafür mindestens ein Jahr brauche.
    Ich bin ebend jetzt auch der Meinung, sie muß jetzt zusehen wie sie klar kommt, denn jetzt bin ich dran mein Lben in den Griff zu bekommen und ich merke den Schmerz einerseitz und eine Befreiung anderseitz. Ich brauche kein schlechtes gewissen mehr zu haben.
    Das beste ist auch mein Mann, der hat so viel Verständnis für mich und nimmt mich sehr viel in den Arm. Das reicht mir schon, da muß er mir nicht sagen, dass er mich liebt, dass Spüre ich. Leider wirklich erst seit diesem Tag.
    Ich wollte mich schon von ihm trennen, weil icn mir eingebildet habe, er liebt mich nicht.
    Denn ich war der Meinung, er muß mir dass doch sagen.
    Jetzt ist es doch wieder so viel geworden, ich wollte eigentlich nicht alles schreiben, denn wirklich, kann mir ja nur eine Therapie helfen.
    Es geht mir aber besser und ich möchte mich sehr dafür bedanken, für die lieben Worte und eure Erfahrungen, denn bis jetzt habe ich viel mit mir allein ausgemacht, trotz Therapien.
    Ich wünsche Euch allen, alles liebe und gute, vor allem eine schöne Zeit.
    Danke

  17. Irma55

    Hallo, das muß ich jetzt aber doch noch loswerden.

    Ich weiß heute, dass mit dem Alkohol ist keine Lösung und war auch eine ganz lange Zeit trocken, dann hatte ich noch einmal ein paar Rückfälle, aber jetzt bin ich schon wieder 9 Jahre trocken und darauf bin ich stolz.
    Danke

  18. Hallo jetzt 49-jährige Tochter,

    besten Dank für diese fachlich fundierten und erklärenden Worte. Es ist zu merken, dass Sie sich intensiv mit all dem auseinander gesetzt haben und weiterhin dabei sind, Ihren Weg zu suchen und zu finden. Ja, es ist wirklich die Frage, mit wem kann man seine Gedanken teilen, wer kann so etwas verstehen, kann jemand anderes dies überhaupt verstehen, inwieweit kann so etwas überhaupt verstanden werden? Und die Antworten scheinen von Tochter zu Tochter unterschiedlich zu sein. Die eine ist noch immer rastlos auf der Suche, die andere ist voller Wut und Verzweiflung, die dritte hat Halt in einem Tun oder einem Menschen gefunden, die vierte …

    Ich finde es wichtig, in einem zweiten Schritt den Blick später nach all dem Leid und Leiden auch nach vorne richten zu können, und sei es auch – wie sie schreiben – für nur wenige zuversichtliche Momente. Dazu kommt irgendwann im Leben meiner Ansicht nach ein guter Zeitpunkt. Und um so wichtiger finde ich neben dem Verständnis ein kleines vorsichtig geöffnetes Fenster und einen leicht optimistischen Blick (und sei es nur von Außenstehenden) um so wichtiger. Dieses kleine (Zeit-)Fenster möchte ich nicht verpassen …

    In diesem Sinne sind wir alle auf der Suche und ich hoffe, wir werden finden …
    Viele Grüße und einen schönen Abend von Christa Schäfer

  19. Hallo Irma,

    da können Sie wirklich stolz auf sich sein, dass Sie es geschafft haben, vom Alkohol weg zu kommen und jetzt schon seit 9 Jahren trocken zu sein. Anscheinend haben Sie eine Kraft, die danach strebt frei zu sein und die sich stückchenweise aus all dem hervorkämpft, was gewesen ist. Leider komme ich erst jetzt zum Antworten und ich hoffe, dass es Ihnen wieder etwas besser geht, denn in Ihrem letzten Kommentar schrieben Sie, dass Sie zur Zeit ziemlich am Ende seien. In der Tat, Veränderung kostet Kraft. Ich fand die Stelle in Ihrem Text sehr berührend, in der Sie schrieben, wie Ihr Mann seinen Sohn in den Arm genommen hat und wie Sie, liebe Irma, daraufhin gemerkt haben, dass Sie dies Ihr ganzes Leben lang vermisst haben. So wie es scheint beobachten Sie Ihre Umgebung sehr sensibel und haben jetzt – durch Ihren Mann – das Gefühl der Wärme finden können. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg und hoffe, dass Sie weiterhin sowohl Wärme finden als auch Wärme geben können.

    Mit herzlichsten Grüßen von Christa Schäfer

  20. Tochter S

    Ich bin zwar keine verlassende Tochter, habe aber schon mehrfach darüber nachgedacht.

    Momentan bin ich dabei einen Brief zu schreiben an meine Mutter, um ihr zu erklären wie es mir geht. Es ist extrem schwierig dies in einen Brief zu schreiben. Ich habe irgendwo im Netz gelesen das 95 Prozent der Eltern eine richtige Auseinandersetzung mit dem Erleben der Kinder der eigenen Kindheit total überfordert sind. Genau so erlebe ich meine Mutter auch. Es ist wie ein Tabuthema an Ihr Kritik äußern zu können. Es gibt zwar so Pauschalaussagen wie das sie ja nicht alles richtig gemacht habe. Aber da geht es um nichts Konkrtes, da wird nichts wirklich besprochen. Seit diesen Pauschalaussagen kommen häufig Kommenrare wie das wir ja so eine tolle Familie sind. Ich kann damit nicht umgehen. Mich machen solche Sätze wütend, weil ich meine Familie so nicht empfinde und das auch nicht äußern darf. Sie reagiert dann mit Rückzug und ich versaue ihr den Tag usw.

    Ich sehe da grad nur drei Lösungsmöglichkeiten:
    -ihr Werte- und Erlebnissystem mit zu bestätigen und mir damit selbst schlussendlich auch das Signal zu geben die Gefühle deiner Mutter sind wichtiger als meine
    – in Kontakt treten und sich danach auf ein Riesendrama einstellen (was auch schon mal passiert ist). Sie hatte dann wegen mir einen Hörsturz und was ich ihr als Mutter antue usw.
    – den Kontakt kommentarlos abbrechen

    Ich will damit aufzeigen das es für verlassende Kinder sehr wohl gute Gründe geben kann kommentarlos den Kontakt abzubrechen. Wenn danach eine derartige emotionale Erpressung folgen kann, ist das oftmals wohl auch eine Art des Selbstschutzes nicht wieder in die emotionale Kindrolle gedrängt zu werden.

    Und ich werde den Brief nicht anklagend formulieren. Ich werde ihr auch mit reinschreiben das ich dankbar bin für das was sie mir auch Gutes getan hat, dass es sich lediglich um einen Konflikt handelt. Ich verstehe das sie aus ihrer Warte aus bestimmte so und nicht anders geregelt hat. Ich werde auch nicht die Latte an Vorwürfen aus der Kindheit heranziehen (wobei das schon viele Seiten allein ergeben würde), sondern nur die Konflikte der Jetztzeit thematisieren. Bei all dem geht’s aber schlussendlich immer nur um einen Punkt. Ich bin anders als sie, ticke und fühle ein paar Dinge anders als sie und das empfindet sie als Verrat an sich als Mutter. Ich möchte als erwachsene Frau wahrgenommen werden und das unser beider Gefühle und Erlebniswelten gleich wichtig gelten.

    Ich stelle mich auf jeden Fall nach abschicken des Briefes schon mal auf alles ein, dass sie wegen mir schwer krank wird, bis dahin das ich familiär verstoßen werde. Mich macht es unendlich traurig Familie nicht als Rückhalt sondern als Stress zu empfinden. Und ich sehe sehr wohl wie sich genau die gleichen Konflikte von Generation zu Generation weiter “vererben”. Damit will ich einen Schlusspunkt setzen. Meine Mutter hat jetzt die Wahl in den Konflikt bzw. die Klärung zu gehen oder eben den Kontakt beenden zu lassen (entweder durch nicht-Reaktion oder durch weitere Erpressungen, die ich dann nicht mehr mitmachen möchte).

    Meine Mutter ist übrigens bei anderen sehr beliebt und niemand würde ihr derartiges zutrauen. Sie gilt als “gute Seele”. Da wird viel Schein gelebt.

  21. Liebe Tochter S.,
    besten Dank für Ihren Kommentar.

    Man erlebt an Ihren Gedanken, wie Sie sich in der Beziehung zu Ihrer Mutter fühlen. Man erfährt auch, dass Sie es in Kauf nehmen, dass der Kontakt abbricht, falls Sie nicht endlich als erwachsene Frau von Ihrer Mutter ernst genommen werden. Es scheinen viele Konflikte da zu sein, von denen sicherlich einige schon ganz lange da sind und andere erst später dazu gekommen sind. Die drei Lösungswege – Aufgeben, Kontakt und Riesendrama, Kontaktabbruch – sind alle für die ein oder andere Seite mehr schmerzhaft und nicht zufriedenstellend. Sie fühlen wie Sie fühlen, und das ist gut so !! Nun kommt es also darauf an, wie Ihr Brief aufgenommen wird. Vielleicht gibt der Brief Ihrer Mutter doch zu denken, vielleicht aber auch …

    Wir würden uns freuen, wenn Sie hier berichten, wie es weitergeht …
    Und meiner persönlichen Ansicht nach ist es nie zu spät, die Konfliktlösung und den Kontakt zu suchen.
    Mal gelingt dies gut, in anderen Fällen leider nicht.
    Alles Gute wünscht Ihnen Christa Schäfer

  22. Wahlkölnerin

    Liebe Frau Dr. Schäfer,
    liebe ‘verlassene’ Kinder,

    zunächst möchte ich Ihnen und euch allen wirklich von Herzen für eure Beiträge danken. Sie sind differenziert, teils wissenschaftlich fundiert (Alice Miller u.a.) und wahrhaftig, weil sie die Vergangenheit nicht mehr idealisieren oder bagatellisieren.

    Es ist ein wahnsinnig schwerer Akt all dies aufschreiben zu können. Es tut mir so unendlich leid, dass es noch weitere ‘verlassene’ Kinder gibt – wie ich eines bin. Es ist für mich ein Trost zu wissen, dass andere Menschen dasselbe Loch im Herzen tragen wie ich.

    Nämlich die Sehnsucht nach Eltern, die uns lieben. Die uns nicht für ihre eigenen Bedürfnisse missbrauchen und das dann Erziehung nennen. Eine Sehnsucht nach Zuneigung, Vertrauen, Respekt und Sicherheit.

    Eine Sehnsucht, die wir als Babies und als Kleinkinder instiktiv spüren und einfach verdrängen, wenn sie nicht gestillt wird.

    Ich bin so ein Kind.

    Ein Kind, das alles daran gesetzt hat seinen Eltern zu gefallen. Alles.

    Doch eigene Bedürfnisse, die hatten keinen Platz. Im Grunde frage ich mich, warum meine Eltern überhaupt ein Kind in die Welt gesetzt haben – zwar beteuerten sie immer, dass ich ein Wunschkind sei.

    Ja, eines nach ihren Wünschen – das weiß ich heute.

    Wie bin ich dem Ganzen Elend überhaupt auf die Spur gekommen? Vermutlich ahnte ich es schon immer.

    Aber erst eine aktute Psychose mit 22 hat den Stein für mich ins Rollen gebracht. Ich wusste zunächst überhaupt nicht wie mir geschah. Aber ich wollte immer wissen: “Warum?” Wenigstens diesen Funken kindlicher Neugier konnten mir meine Eltern nicht nehmen.

    In einer jahrelangen Therapie konnte ich dann endlich meiner Realität ins Auge blicken:

    Sie. Stolze Eltern, hilfsbereite Nachbarn, fleißige Arbeiter und so verständnisvoll und höflich nach außen – und innen so leer.

    In Wirklichkeit waren und sind sie: Neidische Eltern, lästernde Nachbarn, sich über Geld definierende Geschöpfe um sich ihren eigenen unliebenden Eltern und Geschwistern gegenüber erhaben zu fühlen, verurteilend und heuchlerisch.

    Ich wuchs in einer absolut schizophrenen Umgebung auf. An materiellen Dingen mangelte es mir natürlich nicht: Viel Taschengeld, teure Geschenke zu Weihnachten und Geburtstag, ein Auto zum 18., Amerikaurlaube mit Karibik, die Finanzierung meines Studiums.

    Aber Liebe? Nein.

    An dieser Stelle möchte ich ein paar Sätze nennen, die ich mir oft anhören durfte:

    .Du bist zu dick (bei 1,65m wog ich 56kg)
    .Du bist unmusikalisch, du kannst nicht singen
    .Du bist unsportlich
    .Du hast ein Mondgesicht
    .Du wirst nie so gut kochen können wie ich (Mutter)
    .Wenn du nicht tust was ich sage, drehe ich dir den Geldhahn zu (Vater)
    .Wenn ich dich jemals beim Rauchen erwische, frisst du die ganze Schachtel vor meinen Augen (Vater, seit seinem 15. Lebensjahr selbst Raucher)
    .Wieso soll es dir anders gehen als mir!
    .Ja nicht weinen!
    .Du musst abnehmen, damit dein Freund dich nicht verlässt
    .Du dramatisierst alles
    .Du verträgst keine Kritik
    .Du bist Schuld an deiner Psychose, du hast im Studium zu viele schlimme Bücher gelesen (Mutter)
    .Eine 3 in Mathe, das ist ja ein Schuss in den Ofen (Vater)
    .Hätte ich dich als Kind etwa nicht schlagen sollen, damit du dann mit 16 Arschloch zu mir sagst?! (Vater)
    . Bedanke dich bei deinem Vater – von mir hättest du das nicht bekommen. (Mutter, an jedem Geburtstag, an jedem Weihnachten)
    . Was haben wir dir angetan, dass du uns jetzt sowas antust?! (Vater zu meiner Erkrankung)
    . Wenn es dir gut geht, dann geht es uns auch gut (Meine Eltern vor einem halben Jahr)

    Dies ist nur ein Auszug.

    Was letztendlich an emotionaler Erpressung, Manipulation und Missbrauch ablief – und das weit in meine Gegenwart hinein, füllt ein ganzes Buch.

    Meine Eltern hatten es durch ihre eigenen Erkrankungen (Schlaganfall/Refluxkrankheit) geschafft, mich an sie zu binden. Zum Glück wurde ich selbst schwerkrank, um mich davon zu lösen – das dauerte allerdings acht Jahre.

    Ich gebe meinen Eltern keine Schuld, im Grunde haben sie dasselbe bei ihren Eltern erlebt und letztendlich reicht dieses Leid in die Vergangenheit generationenweise hinein.

    Das einzige was ich ihnen vorhalte ist, dass sie kein einziges klärendes Gespräch mit mir vernünftig führen wollten. Sie konnten es auch nicht, denn ICH war ja immer diejenige, die SIE verstehen MUSSTE.

    Selbst wenn sie heute hier bereit zur Aufklärung mit mir am Tisch sitzen würden – sie könnten niemals begreifen, was sie mir angetan haben.

    Ich konnte niemals Kind sein – und wenn ich denn mal war, dann haben sie es in diesen wenigen Momenten geschafft mich zu beschämen, sich über mich lustig zu machen und nein, diesen Spaß verstehe ich bis heute nicht.

    Dennoch geht es mir heute sehr gut.

    Seit drei Jahren lebe ich in Köln, weit weg von meinen Eltern und der Verwandtschaft, beende mein damals abgebrochenes Studium und freue mich über jeden Tag an dem ich gesund bin.

    Denn seitdem ich verstanden und betrauert habe, was mich krank gemacht hat, bin ich frei von Symptomen.

    Doch den Kontakt habe ich erst vor einem halben Jahr abgebrochen. Es gab mal wieder eine dieser infantilen Streitereien und für mich kam einfach nur noch ein Gedanke in den Sinn: “Zeitverschwendung.”

    Meine Eltern werden niemals so sein, wie ich sie gebraucht hätte oder wie ich sie brauchen würde.

    Sie lieben nicht mal das Kind, das ich bin – sie lieben ihre Vorstellung davon genauso wie ich nur mein Idealbild von ihnen geliebt habe.

    Sie kennen mich nicht, aber ich sie.
    Ihr Leid, ihren Schmerz.
    Das ist das einzig Echte, das ich von ihnen kenne, denn das und nichts als das, haben sie mir weitergegeben.

    Unmöglich, dass sie das jemals verstehen ohne ihr eigenes Kinderschicksal zu ergründen.
    Es würde ihre Existenz vermutlich auslöschen.

    Doch wahrhaftig gelebt haben sie nie.
    Ohne Gefühle, weil alles verdrängt.

    Ich tu es aber.
    Mit all der Wut.
    Mit all der Traurigkeit.
    Mit all meiner Ohnmacht.
    Als Kind.

    Als erwachsene junge Frau kann ich nun tun was ich will – und das hat auch mein Mann zu mir gesagt. Er ist der erste Mensch neben meinen Therapeuten, der mich dahingehend bestärkt.

    Die ganzen Glaubenssätze von oben haben heute keine Gültigkeit mehr für mich, weil ich weiß, dass die unwahr sind, nein, dass sie krank sind.

    Genauso wie meine Eltern.

    Ich habe mittlerweile auch kein Mitleid mehr mit ihnen. Die Schuldgefühle sind weg.

    Weil ich erkannt habe, dass ich meine Eltern nicht liebe. Ich habe es nie getan. Daher wusste ich auch lange Zeit gar nicht, was Liebe überhaupt ist.

    Dies heute zu wissen, zu spüren, ist das größte Geschenk – eines, das ich von meinen Eltern sowieso niemals bekommen hätte.

    Vielleicht wäre es ein Akt der Größe, wenn ich heute als Erwachsene versuchte meinen Eltern entgegenzukommen, ihnen liebend begegnen würde.

    Aber ich habe gelernt, dass Liebe bedingungslos ist und nicht erzwungen werden kann.

    Daher fühle ich kein Bedürfnis sie anzurufen, sie irgendwann wiederzusehen.

    Sie sind mir egal geworden.

    Klärungsbedarf? Vergebung? Reue nach ihrem Tod?
    Diese Dinge verpuffen angesichts der Tatsache, dass es niemals eine echte Bindung gab.

    Erleichterung?
    Nein, aber Freude über die neuen lieben Menschen in meinem neuen Leben. Freude frei zu sein.

    Wünsche für die Zukunft?
    Dass Alice Miller’s Werk der breiten Öffentlichkeit vor allem intellektuell zugänglich gemacht wird – besonders für denjenigen Eltern, die sich ernsthaft fragen, warum ihre Kinder nichts mehr von ihnen wissen wollen.

    Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich den Begriff “verlassene Eltern” in diesem Zusammenhang auch nur lese.

    Aber dies zeigt einmal mehr wie emotional blind diese Art von Eltern tatsächlich ist.
    Ja, sie haben alles für uns getan, sich aufgeopfert und uns finanziell unterstützt. Warum haben sie überhaupt Kinder bekommen? Aus welchem Grund? Für sich selbst? Für andere? Für..?

    Ach, wen interessiert’s!

    Liebe Lesende, ich wünsche euch viel Kraft beim Öffnen des ‘persönliche Päckchens’ und viel Liebe, um mit dessen Inhalt glücklich weiterleben zu können.

    M.

  23. Liebe M.,

    danke dafür, dass Sie Ihr “persönliches Päckchen” und Ihre Sehnsucht mit uns teilen.

    Eine Psychose im Alter von 22 Jahren hat den Stein bei Ihnen ins Rollen gebracht, wie Sie schrieben. Konsequent sind Sie Ihren Weg weiter gegangen, Therapie, die Beendigung des Studiums und den Kontaktabbruch.

    Die Gefühlslosigkeit auf der Seite Ihrer Eltern beschreiben Sie sehr eindrücklich. Wie erstaunlich (oder eben auch nicht erstaunlich), dass dann bei Ihnen als Kind und junge Erwachsene die Gefühle um so stärker ins Leben getreten sind mit Wut, Ohnmacht und unendlicher Traurigkeit.

    Anscheinend haben Sie sich empor kämpfen können. Das freut mich sehr. Hoffentlich können Sie weiterhin Ihren Weg fortführen und erleben Zufriedenheit und Freude und Sonnenschein im Leben. Herzliche Grüße von Christa Schäfer

  24. Susanne1958

    Hallo @ Wahlkölnerin:

    “Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich den Begriff “verlassene Eltern” in diesem Zusammenhang auch nur lese.
    Aber dies zeigt einmal mehr wie emotional blind diese Art von Eltern tatsächlich ist.”

    Die zwei zitierten Aussagen finde ich einseitig.

    Weder alle Eltern, noch alle erwachsenen Kinder können
    über einen Kamm geschert werden.

    Sehr schade ist, dass es in den seltensten Fällen zu konstruktiven Annäherungen und/oder gemeinsamen Aus-ein-ander-setzungen der beteiligten Familienmitglieder kommt.

    Es tut mir sehr leid, dass Sie durch Ihre Eltern erkrankten.

  25. Tochter S

    Ich bins nochmal. Ich wollte meiner Mutter eigentlich einen Brief schreiben und mal schauen was zurück kommt.

    Mittlerweile habe ich mich für eine Kontaktpause entschieden. Den Brief schreibe ich nun schon seit Wochen und ich merke wie mich dieses Thema immer weiter runter zieht mich damit zu beschäftigen. Ich hatte ja auch schon Streit mit meiner Mutter und kenne ihre ‘Denke’ und weiß mit welchen Reaktionen ich zu rechnen habe, wenn ich mich mit ihr auseinandersetzte.

    Der Gedanke daran das ich den Brief abschicke und dann kommt diese Warterei. Wie wird sie reagieren? In welcher Art und Weise wird sie mich bestrafen? Was kommt als Reaktion zurück? Wird sie dann wieder krank und ich bin dran Schuld? Werde ich dann wieder als psychisch krank hingestellt? Und natürlich der Satz: Wie kannst du das deiner Mutter antun. Sie habe ja immer alles für mich gemacht.

    Mir ist klar geworden das meine Mutter eine bestimmte Denkweise hat und diese beinhaltet nunmal nicht das sie sich in Frage stellt.

    Ich muss für mich selbst entscheiden welcher Weg für mich gehbar ist, was ich mir kräftemäßig zutrauen kann und natürlich auch wo ich mich selbst schützen muss. Denn alles was ich empfinde kann als Waffe wieder gegen mich verwendet werden.

    Zum Glück habe ich einen Mann, der mich sehr unterstützt.

    Gibt es hier auch Töchter und Söhne, die den Kontakt abgebrochen haben (auch wenn nur zeitweise) und noch weitere Geschwister haben? Da würde mich interessieren wie ihr da mit den Geschwister weiter umgegangen seid. Hatten diese Geschwister auch keinen Kontakt zur Mutter oder zu den Eltern? Habt ihr auch mit den Geschwistern gebrochen?

  26. Christine

    Man bricht nicht unbegründet mit seinen Eltern.
    Man liebt diese Menschen, egal wie schlecht es einem erging!

    Immer und immer wieder sucht man nach Aufmerksamkeit und Liebe.

    Ich verabscheue meine Mutter!

    Ich war immer ihr Teppich zum Schmutz abwischen, mein “großer” Bruder der Liebling.
    Etr hat mich grün und blau geprügelt – Kommentar meiner Mutter:”Hättest deinen Mund gehalten.” Ich konnte mich nur verbal gegen ihn wehren, war ihm da haushoch überlegen.

    Sexuelle Übergriffe, jahrelang vom Bruder, auch an der kleinen Schwester hat er sich vergriffen – als ich endlich den Mut fand mich an meine Mutter zu wenden, ihre Antwort: “Da gehören immer zwei dazu!”

    Erinnerungen die im Erwachsenen – Alter kommen, Übergriffe der Mutter, Psychoterror, Eifersucht auf die eigene Tochter, weil der Vater die Tochter sehr liebt (oh Gott sei dank, ohne diese Liebe wäre ich komplett zugrunde gegangen).

    Hat sich in meine Familie eingemischt, meinen Sohn aufg ihre Seite gezogen.

    Meine Beziehungen sind bis auf die jetzige immer wieder zerbrochen, musste mir sagen lassen ich sei Beziehungsunfähig – warum wohl?

    Hatte einen Partner der mich 5 Jahre lang betrogen hat, dessen Sexualpartnerinnen bei mir zu Hause anriefen und mir von ihren Abenteuern mit ihm erzählten.
    Als ich mich trennen wollte bekam ich die Drohung meiner Eltern (mein Mutter hatte es geschafft meinen Vater durch Lügen und Boshaftigkeiten gegen mich aufzuwiegeln) dass sie mir meine Kinder weg nehmen würden, wenn ich mich trenne….

    So vieles in der Kindheit, eine zwei im Zeugnis war nie gut genug – das hätte auch ne eins sein können…

    Meine Mutter erzählte mir, wenn mein Vater ihr fremd ging. Sie hatte 6 Jahre lang eine Affaire, erzählte mir als damals 14 jährige ganz stolz davon. Zwang mich für sie zu lügen falls mein Vater hätte wissen wollen wo sie ist.

    Ich könnte noch so vieles aufzählen, sie hat mich kaputt gemacht!

    Seit kurz vor Silvester letztes Jahr herrscht nun Funkstille weil sie sich wieder in Dinge eingemischt hat, die meinen Sohn betreffen. Hat in meine Familienregeln zum hundertsten Mal eingegriffen – schickte dabei immer meinen Vater vor, da sie wusste, dass ich ihm bisher nie böse sein konnte.

    Gebrochen habe ich mit ihnen, durch ihn am Telefon. Dabei habe ich nicht nur den Kontakt abgebrochen sondern auch mein eigenes Herz noch mehr zerstört.

    Ich vermisse meinen Vater und meine kleine Schwester die bei ihnen lebt, und mein Vater kennt die ganzen Hintergründe gar nicht warum ich meine Mutter und meinen Bruder so verabscheue.
    Sie kann ihn jetzt noch mehr gegen mich lotsen, hat damit nun den Beweis für ihn, dass ICH der Problemfall bin…

    Ich werde ihm niemals erzählen welche Hölle ich mit dieser Hexe erleben musste und was ich alles von ihm weiß, lieber soll er denken was sie ihm eingebläut hat, als dass ich ihn mit der Wahrheit komplett zerstöre.

    Was ich damit sagen möchte – kein Kind trennt sich ohne Grund von seinen Eltern – niemals.
    Vielleicht sollte man sich als Eltern selbst genau reflektieren, irgendwo – irgendwann hat man etwas gesagt oder getan dass es dem Kind unmöglich macht, weiter auf die Eltern zu treffen!

  27. Liebe Tochter S.,

    ja, dann ist es wahrscheinlich besser, den Brief nicht zu schreiben. Sie haben sicherlich das beste Gespür dafür, was gut ist und was nicht. Und wenn etwas schon so lange währt, ist anscheinend ein unsichtbarer dicker Faden da, der Sie immer wieder zurück zieht.

    Ich bin ebenso wie Sie gespannt, ob es hier Töchter und Söhne gibt, die den Kontakt zu den Eltern aber nicht zu den Geschwistern abgebrochen haben … Und wie sich dieses auf das Verhältnis zu den Geschwistern auswirkt … Meiner Vermutung nach ist es meist eines der Kinder, das am meisten leidet / leiden muss und den Kontakt abbricht, aber warten wir mal auf Rückmeldungen.

    Herzliche Grüße

  28. Hallo Christine,

    Ihre Geschichte ist heftig, sehr heftig. Sexuelle Übergriffe. Die Mutter, die nicht schützt, sondern Sie als Tochter “benutzt”, den Vater gegen Sie aufwiegelt, Sie ängstigt, Sie zum Lügen zwingt und jetzt sich auch immer noch in Ihre Familie einmischt. Man merkt, wie Sie lange mit sich gerungen haben, um dann diesen letzten Schritt zu gehen. Kein Kind trennt sich ohne Grund von den Eltern – so schreiben Sie. Und Sie geben Eltern den Hinweis zu reflektieren. Ich hoffe, dass Eltern dazu fähig sind …

    Die Funkstille währt noch nicht lange bei Ihnen, und man merkt die tiefen Verletzungen in Ihren Zeilen und das noch Aufgewühlt-Sein. Deshalb erst einmal alles Gute und die Hoffnung auf Abstand und Ruhe …

    Christa Schäfer

  29. Iska53

    Liebe Tochter S,

    zu deiner Frage, wie es sich denn sich bzgl. Geschwister verhält, will ich dir sehr kurz von meiner Geschwister-„Situation“ berichten:

    ich habe 2 leibliche Geschwister: eine ältere Schwester, einen jüngeren Bruder, sowie noch 3 Stiefbrüder, 2 davon älter als ich, einer jünger…

    meine Schwester hat schon mit 17 „die Flucht ergriffen“, -wenn ich es heute so betrachte-, denn sie hatte in diesen jungen Jahren schon durchgesetzt, mit ihrem damaligen Freund zusammenziehen zu dürfen, wenn auch im gleichen Ort… Mit 20 ist sie dann allein in eine 700 km entfernte Stadt gezogen, hat dort „ihr Glück“ gefunden und lebt noch heute dort, inzwischen selbst Mutter eines erwachenen Sohnes.
    Mein jüngerer, leiblicher Bruder ist schon mit etwa 14 Jahren alkoholkrank geworden, lebte recht lange in der dysfnktionalen Familie, wandte sich vor einigen Jahren komplett ab und „tauchte ab“. Er ist sozusagen verschollen, meine eigenen Recherchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen, verliefen im Sande…
    Mein jüngster Stiefbruder lebt geografisch am nächsten zu meiner Mutter, wird von ihr meines Wissens bis heute für ihre Zwecke eingespannt, ist selbst an schweren Depressionen erkrankt und hat auch zum Alkohol als Seelentröster gefunden…
    die beiden älteren Stiefbrüder leben beide sehr weit entfernt…
    Zu den Stiefbrüdern habe ich sehr, sehr sporadisch Kontakt, zu meinem kleinen Bruder gar keinen, weil unauffindbar, ja und was meine Schwester angeht:

    über meinen erneuten Kontaktabbruch zur Mutter hätten auch wir beide uns beinahe „entzweit“. Sie hat keinerlei Verständnis dafür, auch ein ganz anderes „Erleben“ unserer Kindheit; auch sie meint, ICH müsse doch Verständnis für unsere Mutter zeigen, da sie sich in ihrem Alter kaum noch ändere… Ich DÜRFE unserer Mutter doch heute keine „Vorhaltungen“ mehr machen für längst Vergangenes und überhaupt: es sei für mich ja sehr bequem, einfach „den Stecker zu ziehen“, jetzt bliebe alles an ihr hängen, und das sei doch so schwierig aus der grossen geografischen Entfernung heraus. Ich würde ja nur einen Sündenbock für meine Lebens-Untüchtigkeit suchen, meiner Mutter EEEEWIG Vorhaltungen machen und sie böswillig angehen USW.USF.
    Habe im stillen Kämmerlein auch darüber sehr geweint, weil ich empfunden habe, daß unsere blöde Mutter nun auch diese Schwester-Beziehung kaputtgemacht hat… Aber ich war auch wütend, denn im letzten Versuch der Aussöhnung mit meiner Mutter, als ich jenen Briefwechsel mit ihr hatte, habe ich ganz bestimmt keine Vorhaltungen gemacht, im Gegenteil… Als ich aus Zorn Kopien meiner Briefe an meine Schwester gesandt habe, war diese sehr betroffen, weil sie gemerkt hat, es ist nicht wahr, was unsere Mutter ihr da suggerieren wollte (von wegen „Vorhaltungen“..), meine Briefe waren sogar ausgesprochen liebevoll…
    Jetzt haben meine Schwester und ich wieder Kontakt, telefonisch, per Email, aber das Thema Mutter/dysfunktionale Familie oder gar die narzistische STÖRUNG unserer Mutter wird tunlichst ausgelassen, auch von mir, weil ich weiss, daß wir hier einfach unterschiedliche Meinungen haben und ich bis zu einem gewissen Grad sogar Verständnis für meine Schwester habe..
    Fürchten tu’ ich mich davor, wenn unsere Mutter mal pflegebedürftig würde oder gar sterben;
    da ist das nächste Zerwürfnis schon vorprogrammiert, da ich in diesen Fällen ganz sicher nicht plötzlich die „sorgende Tochter“ rauskehren werde, sondern NICHTS mache; die „Last“ also wieder an meiner Schwester hängenbliebe…

    Daß meine Schwester und ich uns so sehr unterschiedlich entwickelt habe, OBWOHL WIR DOCH AUS DEMSELBEN STALL KOMMEN, führe ich auf mind. 2 Umstände zurück:

    1.)Schwangerschaft und Eheschliessung meiner damals noch minderjährigen Mutter waren für sie die einzige Möglichkeit, ihrem eigenen Elternhaus zu entkommen. All ihre Sehnsüchte nach Geborgenheit, eigener kleiner Familie, Friede-Freude-Eierkuchen, sollten sich doch jetzt erfüllen, also war die Freude über das Erstgeborene noch riesengross. Noch dazu ein so hübsches Kind, das nach der Familie meines Vaters kam… Sie, meine Schwester, war überall willkommen, sowohl in der väterlichen, als auch der mütterlichen Familie, sie durfte ein sehr positives Selbstwertgefühl entwickeln…
    Bei mir, nochmehr meinem kleinem Bruder, war der Traum schon ausgeträumt, mein Vater Alkoholiker unnd nicht der Prinz auf weissem Ross… Ich hatte noch das Pech, meiner Mutter „wie aus dem Gesicht geschnitten“ zu sein, in den Augen der Verwandtschaft an sich schon ein Grund, mich abzulehnen… So sehr alles, was meine Schwester tat, mit Lob belohnt wurde, sosehr habe ich immer „alles falsch gemacht“, bzw. war „meins“ irgendwie nie gut genug… Will das nicht weiter vertiefen, meine ganze Lebensgeschichte würde den Rahmen sprengen, ich will daraf hinaus, daß ich meiner Ansicht nach schon als sehr kleines Kind eben NICHT den Raum bekommmen habe, mich seelisch gesund zu entwickeln, deshalb habe ICH eine Autonomie-/Abhängigkeitsstörung entwickelt und nicht meine Schwester.
    2.)durch das ausschliesslich positive Erleben ihrerselbst seit frühester Kindheit konnte meine Schwester eine gesunde Autonomie schon früh entwickeln, wie gesagt, mit 17 ausgezogen, mit 20 ab in die Ferne… Sie hat dadurch auch nicht mehr hautnah miterlebt, wie es daheim zuging… Den erzwungenen Umzug (durch Wiederheirat der Mutter, einen Witwer mit 3 Söhnen) vom dörflichen Idyll in anonyme Grossstadt habe ich als Trauma erlebt, meine Schwester hatte das viel besser „weggesteckt“…

    So, ich muss gerad Schluss machen, kommt wieder soviel hoch…
    Wollte dir, liebe Tochter S nur berichten, wegen der Geschwister; fast fürchte ich, dass unter Kontaktabbrüchen zu den Eltern meistens auch Konflikte mit den Geschwistern entstehen…

    Alles Gute für dich,
    Iska

  30. Tochter S

    Hier nochmal Tochter S,

    ja vielen Dank für die Rückmeldungen.

    Vielen Dank auch dir Iska. Es tut mir leid was dir passiert ist. Andererseits tut es mir gut zu lesen, dass es anderen auch ähnlich geht. Dein Beitrag gibt mir sehr viel Kraft! Einen traumatsichen Umzug in eine Großstadt hatte ich beispielsweise auch.

    Ich habe zwei Brüder. Der eine ist psychisch meiner Meinung nach krank (als Laie kenn ich mich nicht so aus, vermute aber eher so etwas wie ein Asperger-Syndrom). Er kann keine Gefühle anderer wahrnehmen und kommt dadruch im zwischenmenschlichen Bereich (gerade auch beruflich) sehr schnell an seine Grenzen. Mir tut er leid, obwohl er mich durch seine Art auch schon oft verletzt hat, dass sich da damals als er Kind war niemand um diese Besonderheit gekümmert hat. Er musste einfach so ‘mitlaufen’ und alles erfüllen was andere ohne diese Problematik auch spielend schaffen. Durch diese vorprogrammierten Mißerfolge, hat er sich zeitweise auch viel in Drogen geflüchtet. Generell gibt es bei uns in der Familie viele Suchtkranke.
    Mein anderer Bruder ist zwar nach außen hin sehr erfolgreich, hat aber die ganze Familiengeschichte nicht mal im Ansatz irgendwie aufgearbeitet. Ich glaube er sucht auch nach Bestätigung und versucht das irgendwie auf der beruflichen Ebene. Meiner Meinung nach hat er die dominate Mutter gegen eine dominate Frau ausgetauscht. Und ich würde sagen das er die Muster meiner Mutter von uns Geschwister am meisten nachlebt. Er war aber auch immer der Bruder mit dem ‘Sonderstatus’, der Gewollte und Gewünschte, der Sonnenschein. Er war der Älteste, der auf uns zwei Geschwister ab und zu aufpassen musste, da meine Eltern geschieden waren. Durch diese ‘Mehraufgaben’ durfte er immer irgendetwas Extra. So hat meine Mutter ihr schlechtes Gewissen beruhigt ihn in so eine erwachsene Rolle schon in so jungen Jahren gedrängt zu haben.

    Mein Vater war für meine Mutter die Bösartigkeit in Person. Er hat ja auch die Familie mit drei Kindern verlassen und sich danach nicht mehr um uns gekümmert.

    Auch wenn mein Vater da Vieles falsch gemacht hat, habe ich den Vorteil mit ihm darüber reden zu können. Er beschönigt da auch nichts, schämt sich dafür und hat sich entschuldigt und bemüht sich jetzt wirklich um einen guten Kontakt.

    Meine Mutter sieht sich da eher als eine Heilige, deren Wort und Tat nicht angezweifelt werden darf. Inzwischen bin ich felsenfest davon überzeugt, dass sie eine narzisstische Störung hat.

    Ich selbst litt jahrelang unter einer Panikstörung und später unter eine depressiven Verstimmung. Wegen beiden Sachen war ich in Therapie.
    Wenn ich mal mit irgendwas ein Problem hatte innerfamiliär, lag das dann auch für meine Familie immer daran das ich ja eh so sensibel bin und psychisch labil. Das war für die dann sogar eine willkommene Ausrede mich nicht all zu ernst nehmen zu müssen. Die zweite Therapie hab ich daher auch fast keinem aus meiner Familie überhaupt dann erzählt.

    Ich weiß noch nicht wie ich genau mit meinen Brüder darüber reden werde bezüglich meiner Kontaktpause mit meiner Mutter. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass ich sage das wir uns überworfen haben, ich mit ihr das Thema aber selbst klären möchte und daher nicht mit ihnen darüber in Detail reden möchte weil das eine Sache zwischen mir und ihr ist.
    Mit dem einen Bruder wird es schwierig, weil er einfach nicht das Feingefühl hat dann meiner Mutter gegenüber entsprechend aufzutreten.
    Mit meinem anderen Bruder habe ich eh nur sporadischen Kontakt, da die angeheiratete Frau und deren Familie sehr speziell sind. Ich hab echt lang versucht mit denen klar zu kommen. Das ist auch eine Geschichte für sich. In dieser Familie gibt es beispielsweise zig Tabuthemen, die keiner ansprechen darf. Das betrifft dann beispielsweise auch wer wem was zum Geburtstagsgeschenke gemacht hat, also Dinge bei denen weder ich noch irgendjemand, den ich kenne ein Tabu in irgendeiner Art vermuten würden. Dadurch hatte ich dann ab und an versehentlich Tabuthemen angesprochen für die ich von meinem Bruder auch sehr blöd angeredet wurde. Dabei hat mir meine Feinfühligkeit auch nichts gebracht. Leider war er in der Hinsicht auch keine Unterstützung uns mal zu sagen was genau die Tabuthemen sind und wie deren Logik funktioniert. Kurz und gut, war es mir dann irgendwann zu blöd diese Familie zu sehen. Wenn jedes Thema ein Fettnäpfchen sein kann, ist das mal so Null eine entspannte Atomsphäre.
    So wie meine Mutter immer wollte das wir als Familie den ‘Tripp’ der ihr gewählen Männer mitfahren, möchte nun auch mein Bruder das wir den ‘Tripp’ der Familie seiner Frau mitfahren. Ich denke ihr könnt daran selbst erkennen das mein einer Bruder die Muster meiner Mutter unhinterfragt nachlebt.
    Da ich durch den Kontaktabbruch zu der Familie seiner Frau eh bei ihm ein Stück weit unten durch bin, hab ich da jetzt auch nicht das Gefühl das wir uns so furchtbar nahe stehen und ich daher mit ihm darüber reden möchte wie es in mir aussieht.

    Irgendwie fühlte ich mich daher auch schon vor der Kontaktpause emotional von meiner gesamten Familie verlassen. In gewisser Weise rückt somit die Realität meinem Gefühl ein Stück nach.

    Mein Mann und ich, wir haben einen Kinderwunsch. Ich habe mich erst sehr spät dafür entschieden. Ich denke ich musste erst mal ein paar Sachen für mich klären, bevor ich selbst Mutter werden wollte. Ich bin gespannt ob es biologisch noch klappt selbst Mutter zu werden.

    Dennoch ist mir bewußt wie diese Problematik mit meiner Mutter eine gesamte Familiendynamik wiederspiegelt, deren Abläufe und Muster auch ich gelernt habe. Ich habe wirklich Angst dieselben Fehler zu wiederholen und diese Muster nicht durchbrechen zu können.

    Mich macht auch der Gedanke traurig das ich eigentlich gar keine Lust hätte meine Familie über ein Enkelkind oder Neffen bzw. Nichte zu informieren. Aber damit fahre ich ja dann schon wieder ein bekanntes Muster meiner Familie das bestimmten Familienmitgliedern Kinder fern gehalten werden. Es ist so viel komplizierter unter diesen Bedingungen Mutter werden zu wollen. Und es ist wirklich viel einfacher für das Kind den Kontakt komplett abzubrechen als irgendeinen Mittelweg zu finden irgendwie für alle in Kontakt zu bleiben. Um so mehr ich darüber nachdenke, wird mir klar warum manche Kinder diesen Schritt so radikal gehen.

  31. Tochter A

    Hallo zusammen,

    ich als erwachsene Tochter (47) einer emotional missbrauchenden Mutter (77) habe mich in sehr vielem wieder gefunden, was ich hier gelesen habe.

    Den Kontakt zu meiner Mutter habe ich erst vor kurzem auf unbestimmte Zeit abgebrochen, nachdem mir nach und nach klar wurde, dass sie unter einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet und ich nicht nur mich, sondern auch meine eigene Tochter (12) vor ihr schützen muss und will.

    Auch ich konnte mir erst sehr spät vorstellen, überhaupt Mutter zu werden. Und ich habe einiges (trotz Therapien etc.) an Auswirkungen meiner eigenen Kindheit und Jugend unbeabsichtigt an meine Tochter “weiter gegeben”. Aber ich reflektiere darüber und kann mich bei meiner Tochter entschuldigen, was meiner Mutter beides bspw. komplett abgeht (sie erwartet dies nur von anderen und stellt sich als unfehlbar da, erwartet permanente Aufmerksamkeit und Bestätigung etc).

    Im ersten Schritt fühlte ich mich nach meinem Kontaktbbruch unendlich befreit. Ich habe meiner Mutter damit den Nährboden entzogen und kann meine Energie nun viel sinnvoller nutzen. Sie ist schon mit simplen Fragen, die ich ihr zuletzt stellte, komplett überfordert gewesen, meinte bspw. weinend, ich würde “ihren Charakter zerstören”, obwohl ich sie lediglich freundlich fragte, weshalb sie mich eigentlich ständig kritisiert) und kennt nichts anderes als ihre Opferrolle. Ich habe auch mit ihrem Arzt darüber gesprochen, der mir dies bestätigte und auch, dass er ihr mehrmals eine Psychotherapie nahelegte, die sie jedoch unter hanebüchenen Begründungen weit von sich wies und mir dies natürlich auch nie erzählt hat).

    Somit habe ich keinerlei “Hoffnung” auf das, was hier einige verlassene Kinder bereits zu recht ansprachen:

    auf eine mögliche Versöhnung infolge dessen, dass der Elternteil/die Eltern die Auswirkungen ihrer Verhaltensweisen anerkennen, bedauern und sich entschuldigen. Meine Mutter ist leider absolut unzugänglich.

    Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein tiefer innerer Frieden mit meiner Biografie für mich nur über eine Versöhnung möglich ist.

    Diese Versöhnung finde ich, indem ich – ähnlich, wie es bspw. die Opfer oder die Angehörigen von Opfern uneinsichtiger Straftäter tun – meinen Eltern vergebe für etwas, deren “Schuld” sie noch nicht mal (an)erkennen.

    Es ist eine Vergebung um meiner selbst willen, nicht um ihretwillen. Ich spreche sie nicht frei. Ich heiße nicht gut, was sie getan haben. Aber ich spreche mich selbst frei, um wieder leben zu können und um meine Schuldgefühle loslassen zu können.

    Ähnlich, wie es bereits an anderer Stelle geschrieben wurde, sehe ich es so, dass unsere Generation nicht nur die Arbeit für ihre Elterngeneration mit übernimmt, sondern auch für die Enkelgeneration, also für inges. 3 Generationen.

    Vielleicht ist dies historisch gesehen “unsere Aufgabe”.
    Mir persönlich hilft diese Sichtweise dabei, den Rahmen etwas weiter zu fassen (denn wie hier ebenfalls schon geschrieben wurde: “Wir sind viele.”), Distanz zu meiner individuellen, persönlichen Geschichte zu finden.

    Und es hilft mir, meine Mutter aus der Rolle der “Schuldigen” zu entlassen. Sie wird mir diese Rolle weiterhin zu schreiben. Und dieses Recht gestehe ich ihr zu.

    Ich wünsche uns allen, dass selbst, wenn keine Verständigung mehr in Form von (Familien) Therapie, Mediation oder einem wie auch immer gearteten persönlichen Kontakt stattfinden kann, dennoch ein Frieden gefunden werden kann.

    In diesem Sinne herzliche Grüße
    Tochter (und Mutter) A

  32. Liebe Tochter (und Mutter) A,

    mich hat Ihr Gedankengang sehr beeindruckt, dass Sie Ihren inneren Frieden über “Versöhnung” suchen und finden / über die Vergebung von “Schuld” – wie Sie schreiben. Das ist sicherlich keine einfache Sache und dauert seine Zeit, bis man hierzu bereit ist und vorallem dies schafft. Ich wünsche Ihnen (auch im Hinblick auf Ihre Tochter) gutes Gelingen dabei. Wahrscheinlich gibt es auch Tage, wo dies einfacher ist, und Tage, wo es fast unmöglich ist. Aber vielleicht stellt sich mit der Dauer dieser Einstellung dann doch Frieden ein …

    Herzliche Grüße von Christa Schäfer

  33. Hallo Iska,
    danke für Ihren Bericht bezüglich der Geschwistersache.
    Interessant, wie Geschwister unterschiedlich und doch auch in einigen Dingen gleich mit einer solchen Familiensituation umgehen. Wie das Alter eine Rolle spielt. Die geografische Entfernung zum Elternhaus. Was passiert, wenn Mutter und Tochter sich ähnlich sehen, wer in der Geschwisterreihenfolge wann kommt. Wie immer wieder Krankheiten wie Depression und Alkoholismus auftauchen. Und wie Trennung auch Heilung sein kann, mit der ein neues Leben beginnt.

    Danke für das Teilen Ihrer Erfahrung sagt Christa Schäfer

  34. unikat

    Hallo!

    Mit großem Interesse und tiefer Betroffenheit habe ich die Beiträge hier zum Thema Kontaktabbruch gelesen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass andere Betroffene hier ihre traumatischen Erlebnisse und ihren Umgang mit diesen teilen. Es ist mir ein Bedürfnis, selbiges hier mit einem Teil meiner Geschichte zu machen.

    Ich bin 34 Jahre alt und die Tochter einer meiner Meinung nach psychischen kranken Mutter. Ich arbeite seit 2,5 Jahren meine Lebens- und Familiengeschichte im Rahmen einer Psychotherapie auf und hab vor ca. 1 Jahr den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Ein sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess, jedoch alternativlos und heilsam.

    Ich habe den Muttertag vor wenigen Wochen zum Anlass genommen, mich wieder einmal (schreibend) intensiver mit meinem Kontaktabbruch auseinanderzusetzen. Einfach auch aus dem Bedürfnis heraus, anderen Menschen in meinem näheren Umfeld leichter darüber erzählen zu können, was mich bewegt, ein großes Thema in meinem Leben ist und wie es mir damit gerade rund um den Muttertag geht. Für mich bedeutet das auch den Ausbruch aus einem Gefängnis des Schweigens, das mir meine Mutter auferlegt hat. Ein Schweigen, das sie schützt und mich belastet und isoliert, und das ich hinter mir lassen möchte.

    Ich habe mich damit beschäftigt, mit welcher Aussage ich den aktuellen Zustand am treffendsten bezeichnen soll: Ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter? Ich habe den Kontakt zu ihr abgebrochen? Wir haben keinen Kontakt mehr? Etc. Feine Nuancen – die aber aus meiner Sicht eine große Wirkung haben. Und welche Begründung liefere ich dazu? Eine solche „Bombe“ bedarf einer nachvollziehbaren Erklärung, mit der ich erklären möchte, warum es aus Selbstschutz nicht anders geht, dass mir meine Mutter Schreckliches angetan hat. Eine Erklärung, bei der ich etwas von meiner Geschichte preisgeben möchte, in der aber auch vieles ungesagt bleiben muss. Hier geht es für mich auch um die Schuldfrage – wer ist Opfer, wer ist Täter? Ich möchte für mein als Opfer so Handeln müssen nicht die Täterrolle zugeschrieben bekommen (etwas, das meine Mutter nur zu oft getan hat). Und: Ich möchte auf gar keinen Fall gut gemeinte Ratschläge bzw. Floskeln á la „Aber sie ist doch Deine Mutter, Du mußt ihr verzeihen, Du verdankst ihr doch so vieles, sie hat doch ihr bestes gegeben, etc. etc.“ zu hören bekommen. Ich ertrage solche dummen Sprüche im Sinne von „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass Du …“ einfach nicht mehr. Danke an dieser Stelle Alice Miller für ihre großartigen Bücher, bei deren Lektüre es mir wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Solche unbedacht dahingesprochenen Aussagen sind in meinen Augen wie Fußtritte gegen jemanden, der bereits am Boden liegt, eine weiterer Gewaltakt gegen das eigentliche Opfer zum Schutz der Täter.

    Mich hat ein hier sicher bekanntes Buch von Tina Soliman und die Suche nach den richtigen Worten schließlich zu der Frage geführt: Was bin ich eigentlich – Abbrecherin oder Verlassene? Ich habe mich bis dahin immer in der Rolle der ersteren gesehen. Meine Mutter hat mich mit einer unglaublichen Lebenslüge aufwachsen lassen, sehend und darüber Bescheid wissend, womit ich hadere. Sie hat mich von Kindheit an in Ihre Konflikte hineingezogen und zur Parteinahme gezwungen: Im Streit mit ihren Geschwistern, mit ihrer älteren Tochter (meiner Halbschwester), zu der sie den Kontakt bereits vor über 20 Jahren abgebrochen hat, im Ehekrieg mit ihrem Mann, von dem sie sich betrogen und in ihrer unglaublichen Paranoia durch Beschatten und Vergiften bedroht wähnte, ihren hypochondrischen Gesundheitsproblemen und vieles, vieles mehr. Für meine Mutter gibt es nur schwarz oder weiß – bist du nicht für mich, so bist du gegen mich. Eine eigene Meinung, Respekt und Toleranz sind ihr im Grunde genommen fremd. Sie hat mir vorgelebt, wozu sie fähig ist, denn sie hat mit allen gebrochen, die ihr Weltbild nicht akzeptiert haben: Ihre ältere Tochter, ihre Geschwister, mein Vater, diverse Freunde und Bekannte.

    Als ich schließlich die Kraft aufgebracht habe, die Lüge meines Lebens und ihre schändliche Rolle darin aufzudecken, hat sie es noch gewagt, mir Vorwürfe zu machen, sich selbst als das Opfer und mich als die verschlossene, entfremdete, undankbare Tochter hinzustellen. Sie hat die Rollen einfach umgedreht und ist in die Offensive gegangen. An einer Therapie oder Mediation hatte sie kein Interesse: „Ich lasse mir nicht auch noch von einem Therapeuten weh tun.“ Sie hat versucht, mich finanziell und emotional zu erpressen, um mich wieder in meine alte Rolle zurückzuzwingen, und mich kühl und distanziert behandelt – als hätte i c h etwas falsch gemacht und müsste m i r etwas vorwerfen.

    Gegipfelt ist das ganze dann vor ca. einem Jahr darin, dass sie trotz wiederholter Bitten über Monate hinweg nicht bereit war, mir die von ihr verwahrten Familienfotos zu geben, damit ich mir davon Abzüge machen lassen kann. Nach einem Überrumpelungsanruf ihrerseits hat sie auf meine Anrufe einfach nicht mehr reagiert – weder abgehoben noch zurückgerufen. Ich habe ihr daraufhin einen längeren Brief geschrieben, in dem ich vieles zur Sprache gebracht habe und klar gestellt habe, was bis dahin über alle die Jahre hinweg ungesagt geblieben war, weil ich es aus Angst vor ihrer Radikalität und Unversöhnlichkeit nicht gewagt habe auszusprechen. In dem Brief habe ich ihr durch die Blume auch ein Ultimatum gestellt: Wenn sie bis zu einem gewissen Datum nicht auf meinen Brief reagiert und mir die Fotos zum Erstellen von Abzügen gibt, dann habe ich ihr über diesen Brief hinaus nichts mehr zu sagen. Sie hat auf den Brief nicht reagiert.

    Ich habe ihr für eine Reaktion eine Frist mitgeteilt, bis zu der ich darauf warte – Ultimaten sind nicht hilfreich, aber es ging um meinen Selbstschutz. Trotzdem konnte ich nicht aufhören zu warten, auf irgendeine Reaktion von ihr, auch viele Monate später nicht. Der leere Briefkasten wurde zu einem Sinnbild für mein Dasein und die Beziehung zu meiner Mutter. Er wurde auch zum Anstoß dafür, mich noch einmal eingehender damit auseinander zu setzen, was ich bin: Abbrecherin? So habe ich mich bis dahin gesehen. Oder Verlassene? Ein sehr schmerzhafter, für mich auch schuldbehafteter Gedanke. Ich habe mir viele Begebenheit und zentrale Aspekte noch einmal vor Augen geführt und aufgeschrieben:

    Im Grunde genommen bin ich ein von seiner Mutter immer wieder zurückgewiesenes, mit sich selbst im Stich gelassenes, verlassenes Kind. Ein Kind, das das aber Zeit seines Lebens nicht sehen kann und darf und will, sich an ein Wunschbild von der eigenen Mutter klammert, und an jedes Indiz, dass zu diesem Wunschbild passt. Weil alles andere so weh tut und Angst macht. Meine Mutter ist zu einer echten (= bedingungslosen) Beziehung und Kommunikation gar nicht fähig, eine stabile Bindung mit Geborgenheit und Sicherheit unmöglich – denn diese droht sie ja ausgesprochen wie unausgesprochen jederzeit zu kappen. Meine Mutter hat mich in Wirklichkeit schon vor langer Zeit verlassen, den Kontakt zu mir abgebrochen, war mir schon lange keine Mutter mehr. Sie hat mir als Mutter etwas angetan, vor dem ich mich als Kind nicht schützen kann. Ich meine diesen Aspekt in vielen Schilderungen anderer Betroffener hier ebenfalls zu erkennen, ohne dass er so benannt worden ist: Der Kontaktabbruch, die Verweigerung von Beziehung, Bindung und Kommunikation, sind schon sehr viel früher passiert. Der spätere, für alle erkennbare und offensichtliche Kontaktabbruch ist in meinen Augen einfach eine längst überfällige Grenzziehung aus Selbstschutz, um dem Missbrauch und der Gewalt endlich ein Ende zu setzen.

    Die schreckliche Wahrheit meiner Lebensgeschichte zu erkennen und zu akzeptieren, fällt mir schwer. Ich bin nicht mehr darin gefangen, um etwas zu fürchten und zu kämpfen – weil ich nicht verlieren kann, was ich nicht mehr besitze und möglicherweise nie wirklich besessen habe. Ich kann jetzt aufhören, an verschlossenen Türen zu rütteln. Ich will nicht mehr auf etwas warten, dass ich nie von meiner Mutter bekommen habe und auch nie mehr von ihr bekommen werde.

    Ich schulde meiner Mutter nichts mehr, keine Erklärungen, kein Verständnis und auch keinen Kontakt. Ich habe keine Mutter mehr. Ich bin frei. Ich kann (und muss) um das trauern, was war und nicht mehr zu ändern ist. Aber ich bin frei.

  35. Karin

    Liebe Unikat,
    vielen Dank für deine Gedanken und Anregungen. Ich gebe dir recht – man hat nicht mehr viel zu verlieren, es gab nie eine Beziehung auf gegenseitigem Respekt und Anerkennung der Würde basierend (auch bei mir). Die Beziehung ist vor Jahrzehnten schon zerbrochen. Dies zu erkennen als auch die Abneigung meiner Eltern mir gegenüber endlich anzuerkennen war für mich sehr schmerzhaft, hat aber zu einer eindeutigen Verbesserung geführt. Es so anzuerkennen wie es war/ist, war für mich sehr heilsam.
    Nichts desto trotz (oder weil ich ggf doch noch etwas Träume) habe ich beschlossen, den Kontakt nicht ganz ab zu brechen. Ich hätte durch einen totalen Kontaktabbruch genau dem entgegen gewirkt, was mir wichtig war – meiner Freiheit (da mich die absolute Abwendung zu sehr emotional gebunden bzw beschäftigt hat). Im Moment kann ich meine Eltern einfach leben lassen, und ich lebe mein Leben – und es ist so in Ordnung (der Kontakt ist auf ein absolutes Minimum beschränkt).
    Ich wünsche dir viel Kraft und Mut auf deinem weiteren Weg, liebe Grüße Karin

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