D.: Du studierst in Berlin und möchtest Lehrerin werden. Inwiefern verfolgst du Berichte über Gewalt in Schulen in den Medien?

F.: Also man kommt ja nicht dran vorbei, aber ich achte schon auch speziell darauf und beobachte ja auch in meiner lebensnahen Umgebung die Bereitschaft von Jugendlichen zu Gewalt. Ich bin teilweise leider nicht mehr so erschüttert, sondern halte das manchmal schon fast für Klischeeentsprechung, aber ich denke, es gibt in jeder Situation eigentlich einen anderen Weg dem zu begegnen oder damit umzugehen, als der, der da so beschritten wird. Einfach sofort so überzureagieren sowohl in Wortwahl und Tonfall. Da geht’s sofort um Respekt und Ehre und Rangfolge und wer da mit wem was machen darf. Das find ich dann schon grenzwertig und da müssen sich nicht erst zwei heftig verprügeln bis man von Gewalt spricht.

D: Kannst du dir vorstellen als Lehrerin Angst zu haben?

F.: Ich denke es gibt Grenzmomente zwischen „das könnt ihr so einfach nicht machen“ und „da fühl ich mich nicht mehr zuständig“, also Fälle in denen man mit zwischenmenschlichen und sozialen Fähigkeiten nicht mehr weiter kommt und vielleicht auch die Polizei holen muss. Ich setz nicht mein Leben aufs Spiel und ich kann sicher nicht zwei 18jährige ohne eigenen Schaden davon abhalten sich zu prügeln.

D.: Wirst du in deinem Studium auf solche Grenzsituationen vorbereitet?

F.: Es wird schon zunehmend thematisiert, besonders die Studierenden stellen häufig die Frage, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wobei meistens die Fragen zu Motivationsproblemen beantwortet werden. Aber was man jetzt in Situationen macht, in denen jemand aggressiv wird, darauf werden wir nicht explizit vorbereitet, würde ich sagen. Allerdings gibt es ein Seminar zum Thema „Unterrichtsstörungen“, das geht ja in die Richtung, aber wenn ich dann vor der Klasse steh, ist sicher alles wieder neu und darauf kann mich vielleicht auch kein Seminar vorbereiten.

Im Sommersemester 2011 fand an der Universität der Künste ein Seminar zum Thema “Gewalt und Gewaltprävention in Schule” statt. Das Seminar beschäftigte sich eingangs mit Definitionen und Erklärungsmodellen für Aggressionen und Gewalt, um dann vertiefend auf verbale Gewalt, Mobbing und der in letzter Zeit viel diskutierten neuen Form des Cyber-Mobbings einzugehen. Am Ende des Semesters standen nun noch die Themen „School-shooting“ und „Gewalt an Schulen“ und Möglichkeiten der Prävention.

Als Ergänzung nimmt das Seminar ein Angebot des Landeskriminalamts Berlin (LKA Präv 4 / Anti-Gewalt-Projekt) wahr. Dieses bietet im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema an, die für die Teilnehmer kostenlos sind. Ziel dieser Seminare ist es, Strategien zum deeskalierenden und gewaltfreien Verhalten in Konflikt- und Bedrohungssituationen zu vermitteln bzw. gemeinsam mit den Teilnehmern zu erarbeiten. Damit soll die Handlungskompetenz und das subjektive Sicherheitsgefühl der an der Veranstaltung Teilnehmenden verbessert werden.

Ein spezielles Seminar für Lehrer und Lehrerinnen und solche die es werden wollen, soll diesen helfen Gefahren in der schulischen Umgebung richtig einzuschätzen und sich in gewissen Situationen richtig zu verhalten, dabei ist die nonverbale Kommunikation genauso wichtig, wie ein „dazwischen gehen“. Mittels verschiedener Rollenspiele sollen Aufschaukelungsprozesse und das eigene Verhalten verdeutlicht werden. Ebenso wird auf rechtliche Fragen geantwortet: Welche Verpflichtungen habe ich als Lehrer? Wann muss ich eingreifen? Was tun bei Bedrohung, Mobbing oder bei einem Waffenfund?

Für die Studierenden eine wichtige Sache, schließlich kann man sich im 1. Semester manchmal nicht vorstellen irgendwann 30 Kinder gleichzeitig zu unterrichten, geschweige denn prügelnde Kinder auseinander zu halten oder gar mit einem Waffenfund zurecht zu kommen.

Wir freuen uns auf diese Möglichkeit der Fortbildung, und wenn Sie mögen, dann besuchen Sie doch ebenfalls ein Seminar! Das nächste Basisseminar zum Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum findet übrigens am 24. August 2011 statt. Einen kurzen Bericht zu einer solchen Veranstaltung finden Sie übrigens auch auf diesem Blog …

Dominik Mühe