„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt –
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer