… stellt die Mediatorin bzw. den Mediator bzw. meist das MediatorInnenteam vor besondere Herausforderungen. Da sind es nämlich „nicht nur“ zwei Konfliktparteien, sondern gleich mehrere Personen, die an der Mediation teilnehmen, und das erfordert natürlich spezielles Wissen und spezielle Methoden, um die Mediation gut gelingen zu lassen.

Ein Team meint dabei einen Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles. In einem Unternehmen meint ein Team eine für einen bestimmten Zweck aus Mitarbeitern zusammengesetzte Arbeitsgruppe.

Eine Gruppe kann definiert werden als Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in dieser Gruppe aufweisen.

2011 erschien im Junfermann Verlag das Buch “Praxis der Gruppen- und Teammediation“, das Methoden und Visualisierungsvorschläge zur Team- und Gruppenmediation praxisnah vorstellt. In diesem Buch von Al Weckert, Christian Bähner, Monika Oboth und Jörg Schmidt werden die dargestellten Methode zunächst ausführlich beschrieben, dann folgt die Beantwortung der FAQs (Frequent Answered Questions), also der häufigsten Teilnehmerfragen aus Mediationsausbildungen zu dieser Methode, und es schließt sich eine Visualisierung durch ein abgebildetes Flip-Chart-Blatt an, das die wichtigsten Kernmerkmale der Methode zeigt. Die dem Buch beiliegende DVD veranschaulicht die Methoden am Beispiel von drei gespielten Mediationsfällen. Damit wird das Buch für all diejenigen, die sich in dem Bereich der Gruppen- und Teammediation spezialisieren wollen, ein unbedingtes Muss …

Weckert, Bähner, Oboth und Schmidt zeigen Besonderheiten auf, die die Mediationsarbeit mit Teams und Gruppen ausmachen, da heißt es beispielsweise:

„Gruppen und Teams brauchen Struktur, um Sicherheit und Orientierung in der Konfliktklärung zu erleben. Diskussionen mit vielen Beteiligten erfordern eine hohe Konzentrationsleistung. Lässt die Konzentration nach oder ist viel Pfeffer in der Debatte, nehmen automatisch die Seitengespräche zu. Der Schallpegel erhöht sich durch Papiergeraschel, Hüsteln und Getränkegeklapper. Was um 9.15 Uhr noch kein Problem darstellt, wird um 16.15 Uhr leicht zum Auslöser von Kopfschmerzen. Das Mediationsteam achtet deshalb darauf, durch regelmäßige Methodenwechsel Körper und Geist arbeitsfähig zu halten. …“ (Buch S. 19)

Sowohl in der Wirtschaftsmediation als auch in der Umwelt- und Gemeinwesenmediation warten Team- und Gruppenmediationen. Wer in diesen Mediationsbereichen tätig ist, wird also sein Mediationswissen und sein Methodenrepertoire vergrößern müssen. Ich denke da beispielsweise an das Phasenmodell der Mediation.

Kennt man in den meisten Bereichen der Mediation das klassische Fünf-Phasen-Modell der Mediation:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Sichtweisen erhellen
  4. Lösungen entwickeln
  5. Vereinbarungen treffen

so muss dieses in der Arbeit mit Gruppen und Teams auf ein Sieben-Phasen-Modell erweitert werden:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Die Themen priorisieren
  4. Die Sichtweisen darstellen
  5. Die Sichtweisen erhellen
  6. Lösungen entwickeln
  7. Vereinbarungen treffen

Natürlich ist es im Zusammenhang zur Arbeit mit Gruppen und Teams auch hochinteressant und wichtig, Grundkenntnisse zu den Gruppenphasen und Einblick in die Gruppendynamik zu besitzen – aber dazu gibt es bereits einen anderen Artikel in diesem Mediationsblog …

Gutes Gelingen für Ihre nächsten Mediationen
wünscht Christa D. Schäfer