374 Grundschulen gibt es derzeit in Berlin. Sie arbeiten als verlässliche Halbtagsgrundschule oder als offene bzw. gebundene Ganztagsgrundschule. Damit stehen den Eltern konzeptionell und zeitlich unterschiedlich ausgerichtete schulische Angebote zur Verfügung.

In der verlässlichen Halbtagsgrundschule werden die Kinder zwischen 7:30 und 13:30 Uhr auf jeden Fall verlässlich in der Schule betreut, auch wenn mal Unterricht ausfallen sollte, das Angebot ist für die Eltern kostenfrei.

80 % dieser Grundschulen arbeiten im offenen Ganztagsbetrieb. Das Angebot der verlässlichen Halbtagsgrundschule wird in dieser Schulform um ergänzende Förderungs- und Betreuungszeiten in Form von Angebotsmodulen erweitert: Frühbetreuung 6:00 bis 7:30 Uhr, Nachmittagsangebot 13:30 bis 16:00 Uhr, Spätbetreuung 16:00 bis 18:00 Uhr sowie Ferienbetreuung. Der Nachweis eines Betreuungsbedarfs ist für die Teilnahme an den Modulen der offenen Ganztagsgrundschule notwendig, die Eltern beteiligen sich abhängig von ihrem Einkommen an den Betreuungsmodulen sowie dem Mittagessen.

64 Grundschulen einschließlich der 17 Staatlichen Europa-Schulen Berlin arbeiten als gebundene Ganztagsgrundschulen; die in Berlin derzeit vorhandenen 10 Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt sind wie die Gemeinschaftsschulen gleichfalls gebundene Ganztagschulen. In diesen gebundenen Ganztagsgrundschule gibt es ein schulisches Gesamtkonzept von Unterricht, Erziehung, ergänzender Förderung und Betreuung, an dem alle Schülerinnen und Schüler in der Zeit von 8:00 bis 16:00 Uhr an mindestens vier Tagen in der Woche verpflichtend teilnehmen. Der Besuch der gebundenen Ganztagsgrundschule ist für die Eltern kostenfrei, nur die Kosten für das Mittagessen müssen übernommen werden. Betreuungsmodule vor und nach der Unterrichtszeit sowie in den Ferien erweitern das Angebot, die Eltern müssen hierfür einen Betreuungsbedarf nachweisen und einkommensabhängig für dieses Angebot bezahlen.

Unter dem Stichwort „Berlin macht ganztags Schule“ kann man mehr über diese verschiedenen Arten der Berliner Grundschulen im offiziellen Hauptstadtportal www.berlin.de nachlesen.

Ich habe in diesem Blog über die verschiedenen Grundschultypen berichtet, um deutlich zu machen, dass Rhythmisierung in der Grundschule ganz wichtig ist. Nur durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung ist kindgerechtes Lernen und Arbeiten gut möglich. Das ABC der Ganztagsschule sagt zum Stichpunkt der Rhythmisierung:

Leben ist durchgängig rhythmisch und nicht etwa mechanisch-linear konstituiert. Der menschliche Körper unterliegt vielfältigen vorgegebenen rhythmischen Ordnungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Rhythmen, die sich etwa auf die Jahreszeiten beziehen, und der Biokurve mit den über den Tag verteilten Leistungshöhepunkten und Tiefpunkten sowie dem „Eigenrhythmus“, der sich im Biorhythmus und im persönlichen Tempo bei Menschen stark unterscheiden kann. (…) Eine Schule, die Kindern bis zu sechs oder sogar sieben Unterrichtsstunden am Vormittag zumutet, kämpft gegen den Biorhythmus des Menschen und fordert erheblich mehr Kraft. Schule sollte daher ihre Jahres-, Wochen- und Tagesplanung nach rhythmischen Gesichtspunkten überprüfen. Vor allem der Gesamtverlauf eines Tages sollte auf den Wechsel von Phasen der Anspannung und Erholung hin geplant werden.

Im Sinne der Rhythmisierung, aber auch im Sinne der Konflikt- und Gewaltprävention sind Entspannungsgeschichten und Fantasiereisen von besonderer Bedeutung. Gelingt Rhythmisierung in Grundschule, so sind dort auch weniger Konflikte und weniger Gewalt feststellbar.

Mit Entspannungsgeschichten und Fantasiereisen kann es Grundschülern ermöglicht werden, zur Ruhe zu kommen. Seit einiger Zeit gibt es zu diesem Zweck die Geschichten mit der Fly. Die Fly ist eine Border Collie Hündin, die in diesen Geschichten die Hauptrolle spielt. In dem Buch „Die Fly reist um die Welt“ bereist sie unterschiedliche Kontinente und Länder. Wissenswertes wird verbunden mit Entspannung und einer dicken Prise Konzentration. Das Buch “Die Fly reist um die Welt“ ist aus dem Borgmann Verlag und stammt von Dieter Krowatschek (Text) und Caroline Reid (Illustration).

Der 2011 verstorbene Marburger Schulpsychologe Dieter Krowatschek hat in diesem Buch zunächst kurz und präzise grundlegende Gedanken zur Nutzung von Entspannungsgeschichten in der Schule benannt: Was sind physiologische und psychologische Hintergründe der Geschichten? Was haben sie mit Autogenem Training zu tun? Wozu ist Entspannung bereits im Kindesalter wichtig? Wie sollte die Körperhaltung bei Entspannungsgeschichten sein? Was sind Voraussetzungen für die Entspannung? Anschließend gibt es dann sage und schreibe 40 Geschichten von der Fly, von Alaska bis China und zum Sternbild des Großen Bären geht die Reise. Und damit Sie einen kleinen Eindruck erhalten, folgt hier ein Auszug aus der ersten Geschichte, in der die Fly über den Regenbogen geht:

Die Fly ist eine Border Collie Hündin und inzwischen zwölf Jahre alt. Als sie noch sehr jung war, hat sie Schafe gehütet und sogar auf Wettbewerben Preise gewonnen. Insgesamt bekam sie 42 Junge. Sie sehen alle aus wie die Fly und sind schwarz-weiß mit braunen Pfoten. Man nennt das tricolor. Die Fly stammt eigentlich aus Wales in England, aber daran kann sie sich natürlich nicht mehr erinnern. Jetzt ist sie eine ältere Dame, aber immer noch sehr unternehmenslustig.
Stell dir vor, die Fly geht jeden Tag mit mir spazieren und bei jedem Spaziergang nehme ich einen Gummiball mit, den ich möglichst weit werfen muss. (…)
Einmal gab es ein richtig heftiges Gewitter mit vielen leuchtenden Blitzen und grollendem Donner. Aber ganz kurz nach dem Gewitter schien sofort wieder die Sonne und weil es auch ein bisschen geregnet hatte, bildete sich am Himmel ein wunderschöner farbiger Regenbogen. Als die Fly den Regenbogen sah, war sie ganz begeistert. So beschloss sie, schnell einmal über den Regenbogen zu laufen. Und schon raaste sie zu dem einen Ende und ehe ich überhaupt etwas sagen konnte, winkte sie mir von oben aus zu. Umso höher sie hinaufstieg, desto weiter konnte sie sehen. Erst hat sie nur unser Haus erkannt, dann das Städtchen, in dem wir wohnen, und schließlich konnte sie über viele ferne Länder und schließlich auf die ganze Erde blicken.

Die Fly war begeistert. Und weil dieser Blick auf fremde Länder so schön war, entschloss sich die Fly, ihr Flugzeug zu betanken und in ferne Länder zu reisen. Was sie dabei erlebt, das erfahren KiTa- und Grundschulkinder in den Geschichten des Buches. Jeder Geschichte ist natürlich eine Ruhetönung vorangestellt und eine Rücknahme zum Wiederankommen in der Realität angefügt. Damit können die Geschichten ganz einfach im Ganztagsbetrieb oder auch zu Hause genutzt werden.

Ein entspanntes zweites Schulhalbjahr
wünscht Christa D. Schäfer

Beachten Sie bitte auch die Blogpostings zu weiteren Entpannungsgeschichten:
Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt
50 Spiele für 100 % Entspannung