Oft kann man den Artikeln hier im Blog entnehmen, dass ich systemisch denke und arbeite. Mediation systemisch betrachten … Pädagogik systemisch betrachten …

Zur systemischen Pädagogik gibt es ein kleines, kompaktes und fachlich sehr kompetentes und aussagekräftiges Buch, die „Einführung in die systemische Pädagogik“ von Karl Ludwig Holtz aus dem Carl-Auer Verlag. Darin steht:

Mit Pädagogik meinen wir vor allem die Wissenschaft von der Erziehung. Ein Teilbereich sind die Analyse und Veränderung pädagogischer Praxis, hier verstanden als die Gesamtheit der Prozesse, die unter bestimmten Organisationsformen (z.B. Schule) und bestimmten Fragestellungen (z.B. Erziehungsziele betreffend) zu beobachten sind. Wenn notwendig, wollen wir im Folgenden zwischen systemischer Pädagogik (als Wissenschaft) und systemischer-pädagogischer Praxis unterscheiden.
Unter „systemisch“ wollen wir in Bezug auf wissenschaftliche Prozesse eine Forschungsstrategie verstehen, die (…) „systemisches Denken“ als verbindliche Erkenntnisperspektive zu Grunde legt. (…)
(…) Zeitsignaturen bedeuten für eine „Schule der Zukunft“, sich verstärkt auf verschiedene Lebenswelten und Lebensentwürfe, auf umfassendere ökosystemische Zusammenhänge und veränderte Strategien des Wissenserwerbs und der Wissensvermittlung einzustellen. Und sie bedeuten auch, dass neben die klassischen Funktionen der Schule, nämlich Qualifikation, Allokation (Selektion) und Integration (vgl. Fend 1980) zunehmend Aufgaben des Kontakts treten müssen, „für die nicht Unterricht, sondern andere und vor allem familiäre Formen und Inhalte des Umgangs besser geeignet sind“ (Prange 1997, S. 28): Aufgaben intensiver Beziehungsgestaltung und sozialemotionaler Unterstützung.
Holtz, Karl Ludwig: Einführung in die systemische Pädagogik. Heidelberg: Carl-Auer 2008. S. 11 f.

Bis die Erkenntnisse der systemischen Pädagogik wirklich in der Schule ankommen, wird sicherlich noch etliche Zeit vergehen. Zunächst muss diese Erkenntniswelt erst einmal in der Ausbildung von Lehramtsstudierenden Wirklichkeit werden, und auch dieses Ziel steht noch in einiger Ferne …

Die systemische Pädagogik hat natürlich auch Konsequenzen für die Didaktik von Lehr-Lern-Arrangements in Hochschulen, Schulen, Seminaren – wie ich aus eigener Anschauung weiß. Eine „Übermittlungsdidaktik“, die über Instruktion einen Wissenstransport von Lerngegenständen beabsichtigt, ist als Lehrmethode offensichtlich nicht geeignet. Viel mehr geeignet ist eine „Ermöglichungs-“ oder „Vermittlungsdidaktik“, deren wesentliche Elemente die Bereitstellung geeigneter Lernumgebungen, Problemstellungen und damit verbundenen Beziehungsangebote sind. In diesem Sinne wird Lernen verstanden als ein Bereitstellen von Perspektiven, als Lernbegleitung und als die Anregung von Lernprozessen:

Selbst unter radikalkonstruktivistischer Perspektive wird jedoch selten behauptet, dass instruktive Vermittlungen nicht wirksam seien, d.h. im herkömmlichen Unterricht nicht gelernt werde. Es wird jedoch betont, und da stehen die Vertreter der systemisch-konstruktivistischen Didaktik in einer langen pädagogischen Tradition, dass die Qualität des erworbenen Wissens unter selbstgesteuerten, entdeckenden und sozialen Lernprozessen eine andere sei. Es gebe eben weniger träges, unverbundenes, nicht transferierbares Wissen, zudem würden die Eigenaktivität, Kreativität und Verantwortung der Lernenden gefördert.“ (ebenda, S. 79)

Wer sich für den Unterschied zwischen einer mechanistischen und einer systemischen Didaktik interessiert, der sei auf den online verfügbaren Aufsatz „Die Systemik des pädagogischen Feldes“ von Rolf Arnold verwiesen – oder eben auf oben beschriebenes Buch von Karl Ludwig Holtz.

Ja, und was Kommunikation für systemisch denkende Pädagogen bedeutet, das können Sie hier im Blog nachlesen, da steht: „Kommunikation ist der Stoff, aus dem soziale Systeme bestehen …

Viele gelingende Lern-Prozesse
wünscht Ihnen Christa D. Schäfer