In Berlin ist der Erwerb sozialer Kompetenzen als allgemeines Ziel in den Bildungsplänen aller Schularten verankert. Seit Sommer 2011 gibt es jetzt 1.500 Anti-Mobbing-Koffer für die Berliner Oberschulen. Der Koffer ist Bestandteil des Programms „Gesunde Schule“. Die Techniker Krankenkasse hat zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und dem Brandenburger Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung diese Initiative „Mobbingfreie Schule – Gemeinsam Klasse sein!“ ins Leben gerufen.

In Hamburg entwickelt, findet dieser Koffer jetzt mit 1.500 Exemplaren seine Wege innerhalb Berlins. Er wurde für die Sekundarstufe I konzipiert und kann wunderbar in den Klassenstufen fünf bis acht eingesetzt werden. Vor den Sommerferien 2011 hat ein zweitägiges MultiplikatorInnentraining stattgefunden. Jetzt stehen ca. 100 geschulte MultiplikatorInnen in Berlin bereit, um Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit dem Anti-Mobbing-Koffer zu schulen. In Brandenburg startet das Programm zum neuen Schuljahr 2012/2013.

Das Mobbing-Präventionsprogramm soll innerhalb einer Projektwoche an fünf Schultagen durchgeführt werden. Im Berliner Anti-Mobbing-Koffer befindet sich ein Hefter, in dem der Ablauf der Projekttage genau beschreiben wird. Ferner sind auf zwei DVDs Filme für Lehrer, Schüler und Eltern zum Thema. Elterninformationen und Lehrerspickzettel (Was ist Mobbing usw.) runden das Angebot des Koffers ab.

Ziel des Anti-Mobbing-Koffers ist es, dass die an den Projekttagen teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nachhaltig in der Lage sind, Zivilcourage zu zeigen, offen miteinander zu kommunizieren und Mobbing zu vermeiden.

In der Praxis hat es sich bewährt, von Mobbing zu sprechen, wenn folgende fünf Merkmale feststellbar sind:

  1. Ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Personen hat sich verfestigt.
  2. Eine Konfliktpartei ist unterlegen.
  3. Die unterliegende Person wird von einzelnen Gruppenmitgliedern häufig und
  4. über längere Zeit angegriffen.
  5. Die unterlegene Person erhält keine Hilfe und kann die Situation nicht allein auflösen.

(nach Horst Kasper: Schülermobbing – tun wir was dagegen! AOL 2000)

Im Anti-Mobbing-Koffer gibt es für Lehrerinnen und Lehrer folgenden Hinweis zum Schutz vor Gewalt: Mobbing können Sie am besten verhindern, indem Sie

  • gezielt die positive Entwicklung der Klasse als Gruppe fördern
  • vertrauensvolle Beziehungen in der Klasse aufbauen
  • eine offene Kommunikation unterstützen, in der auch die Beziehungen selbst Thema sein können.

LehramtsstudenInnen der UdK haben sich in die Lage von Berliner Schülerinnen und Schülern hineinversetzt und überlegt, wie sich diese SchülerInnen wohl den Umgang in der Klasse miteinander wünschen. Die folgenden Bilder zeigen einen Eindruck davon.



Ich hoffe, dass in möglichst vielen Klassen Berlins dieser Koffer eingesetzt wird.

Und falls Sie Unterstützung in der Mobbingprävention suchen, oder bereits ein Mobbingfall vorliegt, so wenden Sie sich bitte gerne vertrauensvoll mit der Bitte um Unterstützung an mich ….

Die Berlin-Brandenburger Anti-Mobbing-Fibel kümmert sich um den Fall, wenn es bereits in einer Klasse einen Mobbingfall gibt, diese Veröffentlichung kennen Sie bereits?


Übrigens waren gerade die Tage im Berliner Tagesspiegel zwei interessante Artikel zum Thema Mobbing: Viele, die Cyber-Mobbing mitbekommen, reagieren nicht. Sie haben Angst, selber Opfer zu werden – oder meinen, dass ein Eingreifen nichts bewirken würde. Das zeigt eine Studie der TU Berlin. Ist ein Hund in der Nähe eines Mobbing-Opfers, so sind soziale Kränkungen besser zu ertragen.

Gehört die Bearbeitung von Mobbing in der Schule zu den Aufgaben von SchülermediatorInnen? Eine Antwort finden Sie hier …

Christa D. Schäfer