Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Familienmediation

Die Zeiten sind glücklicherweise vorbei, in denen mit Familienmediation lediglich Trennungs- und Scheidungsmediation verbunden wurde. Heute spricht man eher von Mediation in Familie und Partnerschaft. Die Fachgruppe im Bundesverband Mediation, die sich mit dieser Form der Mediation beschäftigt, beschreibt, dass es bei dieser Form der Mediation um Konflikte im sozialen Nahraum geht und Menschen beteiligt sind, die verwandtschaftlich oder verwandtschaftsähnlich miteinander verbunden sind.

Mediation unterstützt bei Konflikten

  • zwischen Paaren im Zusammenleben und bei Trennung und Scheidung
  • zwischen Eltern bei Trennung und Scheidung
  • bei schwierigen Verhältnissen in Patchwork-Familien
  • zwischen leiblichen Eltern und Adoptiv- oder Pflegefamilien
  • zwischen verschiedenen Generationen wie z.B. Schwiegersohn und Schwiegermutter, Kindern/ Jugendlichen und ihren Eltern
  • beim Erben und Vererben
  • bei Ehen und Familien aus verschiedenen Kulturen
  • zwischen Geschwistern
  • wenn alte Eltern oder kranke Familienangehörige betreut werden müssen
  • in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und bei deren Auflösung
  • in Wohn- und Lebensgemeinschaften

so heißt es auf der Webseite des BM. In der Tat ist dieses Feld der Mediation durch die Bandbreite der Mediationen äußerst spannend. Ich durfte beispielsweise bereits einige Mediation mit Eltern und Kindern durchführen. Durch die intensiven Gefühle während diesen Mediationen ist die Arbeit stets eine Herausforderung. Mal ging es um „kleinere Streitigkeiten“ wie Regeleinhaltung und Regelübertretungen; da wurden beispielsweise vereinbarte Zeiten nicht eingehalten oder das gemeinsame Kümmern um den Haushalt funktionierte nicht. Dann ging es um das Verhalten eines Jugendlichen, das den Eltern größte Sorge machte, sie es ihm aber nicht gut sagen konnten bzw. er es nicht gut hören konnte. Dann ging es in einer anderen Mediation um Streitigkeiten zwischen erwachsenen Kindern und Eltern, um Erbschaft, alte Verletzungen und Geschwisterstreitigkeiten … ein faszinierendes Thema in der Mediation …

Meist steckt hinter diesen Streitigkeiten, dass kein Verständnis für „die andere Seite“ aufgebracht werden kann. Eltern wollen über Kinder bestimmen oder haben ihre Vorannahmen und wissen alles besser. Jugendliche oder junge Erwachsene hören schon gar nicht mehr hin bzw. zu, was Eltern sagen. Geschwister leben nach dem Tod der Eltern aneinander vorbei und reden über die wichtigen Dinge bzw. den vorhandenen Konflikt nicht miteinander. Eltern wollen sich trennen oder scheiden lassen oder suchen einen Weg, um wieder zueinander zu finden. Neue Personen ergänzen die Familie (neue Freunde der Kinder, Schwiegersöhne, Schwiegertöchter), und alle Beziehungen müssen neu „sortiert“ werden. Ich könnte viele weitere Schwierigkeiten in Familien benennen, die mitunter nicht selber „gelöst“ werden können. Da ist die Mediation ein prima Verfahren, um in solchen Fällen zu unterstützen, – und ganz eindeutig ist sie natürlich von der Familienberatung bzw. der Familientherapie abzugrenzen.

Da ich als Mediatorin den Konfliktparteien Vertraulichkeit zusichere, kann ich hier natürlich nicht ins Detail verschiedener Fälle gehen. Deshalb war ich ganz erstaunt und auch erfreut ein Buch mit 22 „Geschichten“ zur Familienmediation zu finden. MediatorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben auf Bitten des Mediators Siegfried Rapp außergewöhnliche und besondere Mediationsgeschichten zur Familienmediation aufgeschrieben, die dann unter dem Titel „Lesebuch Familienmediation“ erschienen sind.

Das hat ein Repertoire ergeben, das von Luigis Seitensprüngen über binationale Kindschaftskonflikte, dem Vater auf Freiersfüßen, Erbschaftsstreitigkeiten und Nachfolge in Familienbetrieben bis zu Wegen für Partnerschaften und Trennungen reicht. Wer sich für Mediation in Partnerschaft und Familie interessiert, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt. Man erhält in jeder der geschilderten Geschichten einen kurzen Einblick in den Konflikt und kann auch grob den Weg nachvollziehen, mit dem die bearbeitenden MediatorInnen die Mediation gestalten. Damit ist das Buch auch für Nicht-Fachleute interessant und lehrreich, und für MediatorInnen sowieso.

Eine meiner Ideen ist es, in Familien mit „verlassenden Kinder“ bzw. „verlassenen Eltern“ zu mediieren. Ich habe in der Zwischenzeit die Möglichkeit gehabt mit vielen unterschiedlichen Familienmitgliedern aus solchen Familienkonstellationen persönliche Gespräche zu führen. Leider ist es stets bei diesen Einzelgesprächen geblieben, da entweder der Kontakt zur anderen Streitpartei nicht hergestellt werden konnte oder eine der Parteien noch nicht für eine Mediation bereit war. Ich bleibe dran …

Christa D. Schäfer

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Alles Kooperation oder was? –

  1. Berthild Lorenz

    Ja, ich investiere etliche Zeit in Gruppen in facebook, in denen sich Väter beklagen, dass sie keinen Zugang zu den von ihnen gezeugten Kindern bekommen, weil die Gerichte den Frauen helfen … Ein anderes Riesenproblemfeld ist der Kindesentzug und die Vorstellung davon, dass Mediation Traumtänzerei ist und was Mediation sein muss und die Erfahrung mit Mediation, die nur Zeit und Geld nahm!
    Es ist viel Arbeit für mich, daran zu rütteln, die allerdings nicht als Arbeit entlohnt wird. Wenn es mir nicht so wichtig wäre, das überall zu hörende Gegeneinander der Menschen in ein Miteinander zu verwandeln, ich hätte längst aufgegeben! Ein Miteinander funktioniert allerdings nur dann, wenn Menschen bei sich beginnen Gedanken zu sortieren und Standpunkte zu hinterfragen! Be – WEG – lich werden!
    Sich auf den Weg machen …

  2. Hallo Frau Lorenz,
    schön, wieder von Ihnen zu lesen. Wie ich erkenne, sind Sie weiterhin sehr rege und machen die Mediation bekannt, wo Sie können. Das ist schön. Ihnen weiterhin alles Gute wünscht Christa Schäfer

  3. Berthild Lorenz

    Liebe Frau Dr. Schäfer,
    Sie schreiben hier oben: „Eine meiner Ideen ist es, in Familien mit „verlassenden Kinder“ bzw. „verlassenen Eltern“ zu mediieren. Ich habe in der Zwischenzeit die Möglichkeit gehabt mit vielen unterschiedlichen Familienmitgliedern aus solchen Familienkonstellationen persönliche Gespräche zu führen. Leider ist es stets bei diesen Einzelgesprächen geblieben, da entweder der Kontakt zur anderen Streitpartei nicht hergestellt werden konnte oder eine der Parteien noch nicht für eine Mediation bereit war. Ich bleibe dran …“
    In den letzten Jahren war Dominic Barter zwei Mal in Berlin und hat uns seine „Restorativen Circle“ vorgesetllt und gelehrt. Der Weg dorthin ist hier: Restorative Circles
    http://www.restorativecircles.de/Home.html
    Das Wichtigste ist, dass mit dem ersten Menschen, mit dem, der zu einem RC einladen will, ein einladender Satz für alle erarbeitet wird! Es lohnt sich, sich damit intensiv zu beschäftigen! Viel Freude daran und herzliche Grüße Ihnen! Berthild Lorenz

  4. Hallo Frau Lorenz,
    da kann ich nur zustimmen,
    das Konzept von Dominik Barter mit seinen Restorative Circles ist wirklich ein absolut lohnenswertes, das sich glücklicherweise so langsam auch in Deutschland ausbreitet.
    Herzliche Grüße von Christa Schäfer

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