Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Kränkungen, Konflikten und Krisen vorbeugen – keine Katastrophen zulassen

Als Prävention (vom lateinischen praevenire für „zuvorkommen, verhüten“) bezeichnet man vorbeugende Maßnahmen, um ein unerwünschtes Ereignis oder eine unerwünschte Entwicklung zu vermeiden. Ganz allgemein kann der Begriff mit „vorausschauender Problemvermeidung“ übersetzt werden. (wikipedia)

Es gibt Gewaltprävention, Suchtprävention, Mobbingprävention, Kriminalprävention und viele viele weitere Arten von Prävention. Gewaltprävention ist der Oberbegriff für Initiativen und Maßnahmen, die Menschen bei der Vermeidung gewalttätiger Auseinandersetzungen helfen bzw. den richtigen Umgang mit Konflikten schulen soll. Sucht- bzw. Drogenprävention bezeichnet zum einen Maßnahmen zur Verhinderung des Konsums, zum anderen Maßnahmen, die Gesundheitsschäden durch den Konsum legaler (Alkohol, Nikotin, Koffein und einige Medikamente) und illegaler Drogen vorbeugen.

Die Sozialwissenschaften unterscheiden drei verschiedenen Stufen von Prävention, und da der Präventionsbegriff ursprünglich aus der Medizin kommt, ist bei den folgenden Definitionen auch stets von einer Störung (psychischen Störung) die Rede. Diese „Störung“ kann in Bezug auf die verschiedenen Arten von Prävention der erste Drogenkonsum, der erste Alkoholkonsum, der erste Gewaltvorfall oder anderes sein. Primäre Prävention bedeutet die Vorbeugung zur Verhinderung des (ersten) Auftretens einer Störung. Unter sekundärer Prävention werden alle Maßnahmen zur Therapie und Eindämmung der Störungen im Verlauf ihres Auftretens verstanden. Durch die tertiäre Prävention soll ein weiteres Fortschreiten einer ausgebrochenen Störung verhindert werden. Die tertiäre Prävention umfasst schließlich alle Bemühungen, die in der Folge einer Störung der Rehabilitation dienen und der Gefahr entgegenwirken sollen, dass die Störungen wieder auftreten oder chronisch werden könnte.

Schülerinnen und Schüler können heute in verschiedene „gefährliche Entwicklungen“ hineingeraten oder diese Entwicklungen bei anderen beobachten: innerpsychische Krisen, Mobbing, Cyber-Mobbing, Drogen, Aggression, Gewalt, aber auch Suizid oder ein School Shooting.

Christine Spies hat zu bedrohlichen Entwicklungen im Jugendalter ein Präventionskonzept erarbeitet und dieses in ihrem Buch „Wir können auch anders!“ im Beltz Verlag vorgestellt. Sie spricht davon, dass die drei K’s angenommen werden müssen: Kränkungen, Konflikte und Krisen – dass aber Katastrophen natürlich zu vermeiden sind.

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)

„Bemühe dich, deiner Krise zu begegnen, bevor sie dich überfällt.“ ( Pavel Kosorin)

Das Buch umfasst Erkenntnisse aus Erziehungswissenschaft, Sozialpsychologie, Schulpsychologie für Gewaltprävention und Krisenintervention, Kriminologie, Forensischer Psychologie, Jugendgewaltforschung, Suchtprophylaxe, Kinder- und Jugendpsychiatrie (Suizidforschung) sowie der Medienwirkungsforschung und deckt die primäre und sekundäre Präventionsebene ab. Es ist für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren gedacht, enthält 154 Arbeitsblätter und kann ohne große Vorarbeit direkt in Schule im Unterricht oder in Projekten eingesetzt werden.

Exemplarisch möchte ich Sie hier zum Denken darüber anregen, welcher Verarbeitungstyp in Reaktion auf eine Krise Sie sind. Es gibt acht von Christine Spies benannte Muster, mit denen Jugendliche auf eine Krise reagieren. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Nehmen Sie sich bitte 10 Minuten Ruhe, setzen Sie sich mit einer Tasse Kaffee oder Saft auf den Balkon in die Sonne und überlegen Sie, welcher Verarbeitungstyp Sie selber sind. Dazu ein Zitat von S. 161 des hier vorgestellten Buches:

Typ 1 – Verdränger
Probleme und unangenehme Gefühle schiebst du weg: „Ich zieh mir doch nicht jeden Mist rein!“ Lieber stürzt du dich in andere Beschäftigungen und lenkst dich ab. Vielleicht betäubst du dich auch mit Alkohol oder anderen Drogen. Manchmal verkriechst du dich auch im Bett und pennst endlos lange, oder du dröhnst dich stundenlang mit Fernsehen oder Computerspielen zu. Auf alle Fälle vermeidest du erst mal alles, was dich an das Unangenehme erinnern könnte …

Typ 2 – Dampfkessel
Du lässt Probleme und negative Gefühle gar nicht an dich rankommen. Nach außen hin wirkst du ruhig und beherrscht. Auf andere bist du nicht angewiesen, was sie von dir denken, interessiert dich nicht. Du gehst deinen eigenen Weg. Ab und zu fällt dir auf, dass du immer weniger Kontakt zu anderen hast und oft wie in einer eigenen Welt lebst. Du hast deine Hobbys, in denen du deine Fantasien ausleben kannst. Das hilft dir, wenn andere dich runtermachen, bloßstellen und ihre Macht ausspielen …

Typ 3 – Schluckspezialist
Du gehst Problemsituationen lieber aus dem Weg. Du möchtest nicht anecken und dich unbeliebt machen, deswegen schluckst du ungerechtes und unfaires Benehmen von anderen. Streit ist dir unangenehm, du magst es, wenn Beziehungen harmonisch sind. Dich zu wehren hältst du nicht für sinnvoll, denn es bringt ja doch nichts. Oft sagst du dann lieber gar nichts und ziehst dich zurück. Dann grübelst du lange darüber nach, was zwischen den Menschen falsch läuft …

Typ 4 – Showmaster
Du bist kontaktfreudig und stehst am liebsten im Mittelpunkt. Anerkennung und Bewunderung saugst du auf: du brauchst sie wie die Luft zum Atmen. Wehe, wenn du dich zurückgewiesen oder abgelehnt fühlst. Dann steigerst du dich so in die Sache hinein, bis jedem klar ist, dass du eine wahre Katastrophe erlebst. Deine Gefühle kannst du gar nicht für dich behalten …

Typ 5 – Lonesome Cowboy
Du warst schon immer eher ein Einzelgänger und teilst anderen selten mit, was in dir vorgeht. Wozu auch? Jeder muss doch versuchen, mit seinen Problemen alleine klar zu kommen – so siehst du das. Deshalb verlässt du dich lieber nur auf dich. Manchmal gelingt es dir, eine Person ins Vertrauen zu ziehen und dich zu öffenen, aber dafür kommen nur wenige infrage …

Typ 6 – Manager
Bei einem Problem versuchst du dir erst einmal darüber klar zu werden, was gerade abgeht. Du entspannst dich und überlegst. Wenn du nicht weiterkommst, sprichst du eine Vertrauensperson an. Freunde hat man doch, damit sie einem helfen, oder?

Typ 7 – Ausraster
Wer dich beleidigt, entwürdigt oder in deiner Ehre verletzt, muss damit rechnen, „eine zu fangen“. PP: Persönliches Pech! Weil du dich ständig von anderen provoziert fühlst, rastest du oft aus. Du brauchst das Gefühl von Macht und den Nervenkitzel: Alles ist besser als Langeweile und das Gefühl, unterlegen zu sein …

Typ 8 – Nullchecker
Probleme haben andere – du hast alles im Griff!

Welcher Typ sind Sie?
Was sind die Vor- und Nachteile, so zu sein?
Was müsste der Typ lernen, um Krisen besser bewältigen zu können?

Besten Dank an Christine Spies für diese interessante Übung und auch für das dicke wunderbare Buch mit den vielen Übungen, mit denen man gefährlichen Entwicklungen im Kindes- und Jugendalter vorbeugen kann. Christine Spies hat übrigens auch an der Anne-Frank-Grundschule das Projekt mit den Stopp-Regel-BuddYs ins Lebens aufgebaut.

Christa D. Schäfer

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  1. Die wenigsten Menschen können mit Konflikten natürlich und offen umgehen. Man denkt an die Erziehung, die man genossen hat, an die eigene gesellschaftliche Stellung etc. Und so wird vieles nicht ausgesprochen, was eigentlich ausgesprochen gehört. Oft kommen so Kleinigkeiten zusammen, die für sich genommen gar nicht schlimm gewesen wären. Wegen des langen Schweigens allerdings summiert sich das auf und führt irgendwann zur Eskalation. Das sollte man von vornherein versuchen zu vermeiden.

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