Mediation und Konfliktberatung in Berlin

Mediationsmärkte,

so lautet das Thema der neuen Ausgabe der Mediationszeitschrift perspektive mediation (pm). Zunächst erst einmal herzlichen Glückwunsch an das Herausgeberteam der pm; nach acht erfolgreichen Jahren auf dem Markt wurde das layout der Hefte geändert … sieht gut aus …

Aber nun zum Inhalt des neuen Heftes, denn es ist interessant, was mit dem Thema „Mediationsmärkte“ verbunden wird. Ein Artikel von Christoph Besemer zum Thema Stuttgart 21 berichtet über das dortige Schlichtungsverfahren und stellt die deutlich erkennbaren Unterschiede zu einem ebenfalls hypothetisch möglich gewesenen Mediationsverfahren heraus. Dieter Lünse und Katty Nöllenburg schildern den Stand von Gemeinwesen- und Schulmediation in Hamburg. Franziska Becker beschreibt Nutzungskonflikte um Trinker- und Drogenszenen auf zwei öffentlichen Plätzen in Berlin Wedding. Sie weist natürlich auch auf die beide Formen zu deren Bearbeitung hin und betitelt den Fall „Sparrplatz“ als eine klassische Gemeinwesenmediation und den Fall „Leopoldplatz“ als ein gemeinwesenorientiertes Konfliktmanagement.

Schließlich, und darüber möchte ich hier ein wenig ausführlicher berichten, wird in der neuen perspektive mediation von Philippe Domont über den Mediationsmarkt in der Schweiz berichtet. Der Schweizerische Dachverband Mediation (SDM) hat 2009 eine Umfrage unter 1000 in der Schweiz arbeitenden Mediatorinnen und Mediatoren durchgeführt. Die hierdurch gewonnenen Ergebnisse sind natürlich auch für uns in Deutschland spannend. Einige Hauptergebnisse der Untersuchung möchte ich darum hier im folgenden gerne vorstellen:

  • Mediationen benötigen im Durchschnitt 4,4 Sitzungstermine á 1,5 Stunden.
  • Die Spanne, die eine Mediation umfasst, liegt damit zwischen einem und drei Monaten.
  • Die an der Untersuchung teilnehmenden Mediatorinnen und Mediatoren führten durchschnittlich 13,4 Mediationen pro Jahr durch.
  • Die Erfolgsquote der Mediationen liegt dabei im Durchschnitt aller Mediationsfelder bei 70,4 %,
    bei Nachbarschaftskonflikten gibt es nur in 64 % ein einvernehmliche Lösungen.
  • Beinahe ein Drittel der Mediationen finden im Bereich der Familie statt,
    an zweiter Stelle stehen innerbetriebliche Konflikte (20,0 %),
    an dritter Stelle Konflikte im Schulumfeld (9,1 %).
  • Mediation als Methode wird oft im Coaching genutzt, im Teambuilding und in der Beratung.
  • 34,5 % der an der Untersuchung teilnehmenden MediatorInnen stellten fest, dass die Nachfrage nach Mediationen in den letzten drei Jahren der Untersuchung zugenommen habe. Das stärkste Wachstumspotential sahen die TeilnehmerInnen in den Bereichen Arbeit, Familie und öffentlichem Raum, gefolgt von Wirtschaft, Strafsachen und Schule.
  • Die MediatorInnen benannten fast alle, dass sie gerne mehr Mediationen durchführen würden als auf dem Markt verfügbar sind.

„Die Analyse der Resultate belegt, dass die Mediation grundsätzlich eine schnelle, günstige und erfolgreiche Methode der Konfliktlösung darstellt.“ (Quelle: Domont, Philippe: Der Mediationsmarkt in der Schweiz. In: perspektive mediation. Heft (1)2012. Verlag Österreich. S. 12)

„Neben der ergebnisbezogenen und finanziellen Effizienz sind zeitliche Aspekte ebenfalls relevant für die Entwicklung der Mediation in der Gesellschaft. Zeitgewinn ist fast immer ressourcenschonend, sei es im emotionalen Bereich (psychische und physische Ressourcen) oder im wirtschaftlichen Bereich (Vermeiden von Kosten und Verlusten, Produktivität, Imageschäden).“ (ebenda, S. 14)

Ebenfalls wird in der Auswertung zur Untersuchung betont, dass Mediationen nicht nur geschieht, indem professionelle MediatorInnen für Mediationen beauftragt werden. Mediation ist vielmehr heutzutage ein wichtiger Kompetenzbereich für viele Berufe mit Führungsverantwortung und Mediative Kommunikation ist für viele Konfliktsituationen von großem Vorteil.

Mal sehen, was die für 2014 geplante Follow-Up Untersuchung ergibt …

Wer Näheres zu den Ergebnissen der Untersuchung wissen möchte: Die vollständige Untersuchung kann auf der Seite des Schweizer Dachverbandes Mediation eingesehen werden.

Christa D. Schäfer

Zurück

Mediation, Supervision und Coaching

Weiter

Kampfzone Straße

  1. Inge Weid

    Sehr geehrte Frau Schäfer,
    gibt es für Deutschland ähnliche Untersuchungen zur Nachfrage von Mediation?

    Mit freundlichen Grüßen
    I. Weid

  2. Sehr geehrte Frau Weid,

    leider nein. Zum Thema Mediation gibt es sowieso sehr wenige statistische Untersuchungen. Die Stiftung Warentest untersucht derzeit den Ausbildungsmarkt zur Mediation in Berlin, auch das ist das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich beobachte derzeit, dass die Untersuchungen zum Thema Mediation jetzt immer wichtiger und dringender werden und sich sicherlich da in den nächsten Jahren viel tun wird …
    Herzliche Grüße von Christa Schäfer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén