„Fast drei- bis vier Mal täglich werden im Neuköllner Kiez Kinder, Jugendliche und Heranwachsende Opfer von Raubtaten oder Körperverletzungen, in denen ein Messer als Tatmittel eingesetzt wird. Dabei wird mit dem Messer, je größer, umso besser, nicht nur gedroht, um die Opfer einzuschüchtern und sie so leichter zur Herausgabe der Beute zu veranlassen, nein, erschreckenderweise wird auch genauso schnell zugestochen. Dabei spielen, wie bei vielen Vernehmungen festgenommener Täter festgestellt, Motive eine Rolle, die zusätzlich betroffen machen. Da wird schon mal im „Rausch“ des Machtgefühls auf den sich wehrlos Ergebenden eingestochen, obwohl man bereits im Besitz der Beute ist. Das Erniedrigen des Opfers, einhergehend mit gruppendynamischen Prozessen, ist eine weitere abscheuliche Art, zusätzlich Gewalt im Übermaß anzuwenden. Meist will sich der Einzelnde in der Gruppe als Überlegener darstellen, um so eine Machtpositition zu erreichen oder zu festigen.“ (Kampfzone Straße, S. 18)

Das ist eine der vielen vielen Stellen aus dem Buch „Kampfzone Straße“ von Fadi Saad und Karlheinz Gaertner, die betroffen macht.

Im April diesen Jahres wurde in Neukölln ein 22jähriger junger Mann erschossen, der sich gerade mit seinen Freunden auf der Straße unterhielt. Vom Täter fehlt bis jetzt jede Spur.

Was ist los?

Bereits 2007 gab es die Idee an einigen Schulen in Neukölln einen Wachschutz zu beauftragten, der das Eingangstor und den Pausenhof der Schulen bewachen sollte. Privater Sicherheitsschutz wurde engagiert, um schulfremde Personen draußen zu halten und um Gewalt vorzubeugen. 16 Schulen aus Neukölln machten gute Erfahrungen mit diesem Programm. Ende letzen Jahres dann trauerten die Neuköllner Schulen um ihre Wachschützer, aber eine Weiterfinanzierung war nicht in Sicht. Der Bezirk Neukölln konnte sich die Finanzierung des Wachpersonals nicht mehr leisten.

Der Wachschutz wurde als Gewaltprävention angesehen. Die Leiterin der Röntgen-Realschule sah das damals so: „Es werden ja keine Schlägertypen aus der Türsteher-Szene engagiert“, betonte sie. Wichtig sei, dass die ausgewählten Sicherheitsfirmen über Personal verfügen, das in Deeskalation und kommunikativem Verhalten geschult ist. Die Wachleute müssten „höflich, aber bestimmt auftreten“.

Ist Wachschutz eine gute Methode zur Gewaltprävention?

Laut Statistik ist die Zahl der gemeldeten Gewaltvorfälle in Schulen im letzten Schuljahr erneut zurück gegangen. 38 % aller Berliner Schulen waren von Gewaltvorfällen betroffen. 1468 Vorfälle waren es im Schuljahr 2010/2011. Der Bezirk Mitte musste die meisten Gewaltvorfälle verzeichnen, gefolgt von Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg.

Mit dem Brandbrief der Rütli-Schule fing in Neukölln alles an. Jetzt ist die Rütli-Schule aufgrund der vielfältigen Maßnahmen wieder beliebt bei Eltern und SchülerInnen.

Gerade die Schulen sind ein guter Ort zur Gewaltprävention. Es gibt vielfältige Programme. Packen wir’s an!! Wilfried Schubarth gibt beispielsweise in seinem Buch Gewalt und Mobbing an Schulen einen guten Überblick über die Programme zur Gewaltprävention an Schulen.

Karlheinz Gaertner ist als Polizeihauptkommissar in Neuköllner Schulen und zur Bekämpfung der Straßenkriminalität unterwegs. Fadi Saad arbeitet als Quartiersmanager in Moabit-Ost, kennt aber Neukölln gut. Beide berichten in ihrem Buch „Kampfzone Straße“ von Kindern und Jugendlichen in Neukölln. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer ist dieses Buch interessant, um einen Perspektivwechsel vorzunehmen und zu erfahren, was die Lebenswirklichkeit mancher Schüler in Neukölln ist. Interessant ist das Buch natürlich auch im Hinblick auf die von Gaertner und Saad durchgeführte Gewaltprävention … es müsste mehr solcher Menschen in allen Berliner Bezirken geben …

Haben sie übrigens schon mal vom Denkzeit-Programm gehört?
Dazu demnächst mehr …

Christa D. Schäfer