Emotionales und Soziales Lernen sind Schwerpunkte dieses Blogs. Jetzt habe ich ein dickes und sehr inhaltsreiches Buch entdeckt, das sich dem Fachgebiet der Sozialerziehung widmet und ein ganzes Bündel von Aufsätzen und praktischer Ideen zum Thema vorlegt. Es handelt sich um das von Maria Limbourg und Gisela Steins herausgegebene Werk Sozialerziehung in der Schule aus dem VS Verlag für Sozialwissenschaften. Dieses inhaltsschwere Buch bietet auf sage und schreibe 574 Seiten einen hervorragenden theoretischen Überblick zum Thema, es zeigt Verbindungslinien zwischen Sozialerziehung und den verschiedenen Schulfächern sowie fächerübergreifend, es gibt Impulse zum Thema Leistungsbewertung sowie zum Lehrerverhalten im Feld der Sozialerziehung. Allgemein: vielfältige Aspekte und wissenswerte Details.

Sozialverhalten ist ein Begriff, der in der Alltagssprache mit sehr vielen verschiedenen Assoziationen belegt ist. Sozialverhalten umfasst Verhalten, das auf das Verhalten anderer bezogen ist und sich an dem sozialen Kontext orientiert, in dem es ausgeführt wird. Häufig wird mit Sozialverhalten ein prosoziales Verhalten gemeint.

Der Begriff der Sozialerziehung ist im Titel des Buches enthalten. Sozialerziehung zielt nach Hanna Kiper (S. 41 des Buches) darauf ab, einen heranwachsenden Menschen zu befähigen, sich in seiner sozialen Umwelt kompetent und sozialverträglich verhalten zu können. Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen wollen mit Sozialerziehung auf Kinder und Jugendliche unter einer wertbezogenen Perspektive einwirken. Sozialerziehung will dazu befähigen, zielführend zu kommunizieren, zu interagieren, zu kooperieren und sich zu verständigen. Sie zielt darauf ab, eigene Interessen zu vertreten, andere Interessen zu berücksichtigen, Konflikte zu lösen oder ggf. zu ertragen. Natürlich ist die Voraussetzung dafür, sich selbst und andere gut zu verstehen.

In dem eben angesprochenen Aufsatz von Hanna Kiper kann auch nachgelesen werden, durch welche Aktivitäten der Aufbau sozialer Kompetenz ermöglicht werden kann, nämlich:

  • „durch ein Vormachen und Nachmachen (Lernen am Modell)
  • durch den Erwerb von Regeln für unterschiedliche Konstellationen resp. Herausforderungen
  • durch eine bewusste Auseinandersetzung mit Problemen, Situationen und Konstellationen unter Finden eigener Zielsetzungen und Handlungsplanungen
  • durch die Auseinandersetzung mit je unterschiedlichen, auch wertbezogenen Modellen für soziales Handeln in unterschiedlichen Situationen
  • durch die Kontrastierung der eigenen Paradigmen über Lösungswege von Problemen und Konflikten und den Abgleich vorhandener Heuristiken zur Bewältigung unterschiedlicher sozialer Situationen mit tatsächlichen Notwendigkeiten
  • durch den Vergleich des Wissens, welche Verhaltensweisen zur Lösung von Situationen notwendig sind, und dem eigenen Repertoire an zur Verfügung stehenden Verhaltensmöglichkeiten“
    (Kiper, Hanna: Soziales Lernen, soziale Kompetenz, Sozialerziehung – Versuch einer begrifflichen Klärung. In: Limbourg, Maria; Steins, Gisela (Hrsg.): Sozialerziehung in der Schule. VS Verlag. S. 49)

In den Schlussbemerkungen wird im Buch von den Buchherausgeberinnen der Frage nachgegangen, wie eine Schule aussehen könnte, die soziales Lernen und soziales Verhalten optimal fördert. Acht Merkmale werden benannt, zu denen heutige Schulen noch intensiv arbeiten müssen:

  • Gestaltung der Schule
  • Unterricht
  • Außenorientierung
  • Öffnung der Schule
  • Leistungsmessung und -bewertung
  • Lehrerverhalten
  • Elternarbeit
  • Schulklima

Aber damit geht’s dann nach den Ferien wieder weiter …
Jetzt steht erst einmal Soziales Lernen im Ferienkontext oder sogar im Urlaubskontext im Vordergrund, und das ist nicht zu unterschätzen … Bei einer Kanutour oder während eines Zelturlaubs kann man beispielsweise ganz viel im sozialen Bereich lernen. Aufeinander achten, mit eigenen und fremden Gefühlen umgehen, Verantwortung übernehmen, Probleme und Konflikte gemeinsam lösen, all das wird besonders wichtig. Da passiert Soziales Lernen praktisch „nebenbei“ …

Viel Spaß bei Ihren Ferienaktivitäten wünscht Ihnen Christa D. Schäfer

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