Schüler und Schülerinnen, Eltern und Politiker sind sich einig: Auf den Lehrer kommt es an! Schlechte Noten, mangelnde Hilfsbereitschaft, abnehmende Aufmerksamkeit… Wer die Schuld am immer schlechteren deutschen Schulsystem trägt, scheint ganz klar zu sein. Der deutsche Lehrer muss nicht nur immer gemischtere Klassen, immer mehr und stets abgelenkte Schüler in einer Klasse ertragen, nein, er muss auch noch Kritik von allen Seiten anhören. Die Lehrer bereiten den Unterricht nicht genügend vor, sie seien zu wenig motiviert und kümmerten sich nicht um ihre Sprösslinge. Um es auf den Punkt zu bringen: Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei. Doch dass gerade Lehrer übermäßig häufig unter psychosomatischen Beschwerden unterschiedlicher Härtegrade leiden wird außen vorgelassen. Dass sie von schlecht bis gar nicht erzogenen und von ihren Eltern vergöttlichten Kindern teilweise tyrannisiert werden und dabei außer einer hoffentlich vorhandenen Autorität und schlechten Noten keine anderen Mittel zur Verfügung haben, um sich zu verteidigen, darüber wird selten gesprochen.

Aufgabengebiete der Schule genau eingrenzen

Die Schule soll heutzutage die elterliche Erziehung ersetzen, eine Aufgabe, der sie nicht gerecht wird und es auch nicht kann. Das Fundament dafür, dass Schüler und Schülerinnen immer weniger Interesse an sozialer Interaktion und weniger Einfühlungsvermögen haben, wird schließlich schon früher gegossen. Auf den Lehrer kommt es da nicht an. Schnell zeigt sich, dass Kinder, die in die Krippe oder in den Kindergarten gegangen sind, schulisch weniger Probleme haben und auch mit ihren Mitschülern und Mitschülerinnen deutlich besser auskommen. Die Überbrückung sozialer Unterschiede ist in Deutschland immer noch eines der Hauptthemen, wenn es um die Bildungspolitik geht.

Faktoren zur guten Schulleistung

Hierzulande ist eine gute soziokulturelle Herkunft immer noch Eintrittskarte zu höherer Bildung. Ob dieses Problem damit zu lösen ist, die Jugendlichen, wie im Gesamtschulmodell, länger am gleichen Ort lernen zu lassen, ist fraglich. So gibt es Studien die erweisen, dass dies auf Kosten der intelligenteren Kinder gehe, weil die Klassenbesten sich zwangsläufig, durch Reduktion der Unterrichtsgeschwindigkeit, an die Schlechteren anpassen. Andere Studien sagen, dass bei individueller Förderung vor allem die Intelligentesten profitieren, entsprechend dem Matthäus-Effekt.

Julia Schneider

Gutes Konfliktmanagement ist unerlässlich

Auch in anderer Hinsicht muss sich das Schulsystem heutzutage eine Debatte gefallen lassen, nämlich im Hinblick auf das dort vorherrschende Konfliktmangementsystem. In jede Schule herrscht dazu ein anderes Vorgehen, an manchen Schulen wird gut und wohltuend mit auftretenden Konflikten umgegangen, an anderen Schulen wiederum weiß keiner der dort an Schule Beteiligten wie gutes und gesundes Konfliktmangement funktioniert.

So ist es gerade wieder in Berlin geschehen. Die Direktorin des Montgolfier-Gymnasiums in Berlin Treptow war lange krank geschrieben. Vor ihrer Krankschreibung gab es massive Probleme mit dem Kollegium, denn die Direktorin soll diktatorisch und autoritär gewesen sein. Nun kam die Direktorin zum neuen Schuljahr wieder zurück, und es hat sich ein Großteil des Kollegiums krank schreiben lassen, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

Auch Krankschreibung ist eine Möglichkeit der Konfliktlösung, wenn auch keine erstrebenswerte … Sie ist vielmehr dem Konflikttyp „Rückzug / Flucht“ zuzurechnen. Das bekam dann auch der Schulrat und der Bildungs-Staatssekretär mit, und beide besuchten im Sinne eines Krisenmanagements die Schule. Zuerst wurde mit der Schulleiterin, dann mit den Vertretern der Lehrerschaft gesprochen. Eine zweite Schulleiterin wurde der Schule zur Unterstützung zugeteilt. Zusätzlich wurde dem Kollegium eine Konfliktmediatorin „vorgestellt“, diese soll versuchen, wieder „Kommunikationsstrukturen“ aufzubauen. Das hätte ja auch schon früher passieren können …

Christa D. Schäfer