Mobbing ist die häufigste Form von Gewalt in Schulen.

Die erste Assoziation geht bei den meisten Lesern meist zum Thema Mobbing unter Schülern. In der Tat ist Mobbing unter Schülern ein absolut ernst zu nehmende Angelegenheit. Statistiken zufolge wird jedes dritte Kind im Laufe seines Schullebens mindestens ein Mal zum Mobbingopfer. Fast jeder zehnte Schüler wird im Laufe seiner Schulzeit mindestens ein Mal zum Opfer von Gewalt.

Schaut man sich die Berichterstattung der letzten Jahre in den Medien an, so erkennt man, dass der Begriff des Mobbings derzeit regelrechte Wellen geschlagen hat. Anti-Mobbing Programme werden meiner Einschätzung nach in nächster Zeit so etwas wie ein Qualitätsmerkmal für Schulen werden. In der Zwischenzeit nutzen Schülerinnen und Schüler den Begriff oft leichtfertig, darauf verweist ein Artikel von Carmen Gräf in der ZEIT online. Dennoch muss absolut jede(r) an und in Schule Beteiligte dieses Phänomen ernst nehmen.

Und ernst zu nehmen sind auch die Mobbingvorkommnisse zwischen anderen Beteiligten in Schule, SchülerInnen sind nämlich nicht die einzigen Mobbingbetroffenen an Schule. Vielmehr gibt es auch unter Lehrern eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Mobbingopfern. Heutzutage sind Lehrerinnen und Lehrer in vielen Schulen immer noch „Einzelkämpfer“. Es treffen sich LehrerInnen unterschiedlichster pädagogischer und didaktischer Ausrichtungen an einer Schule. Selten wird ein Kollegium ein wirkliches Team. Da bleiben dann auch leichte, mittlere oder schwere Mobbingfälle nicht aus.

Seit längerem beobachte ich die Zusammenhänge zwischen den Themengebieten „Konflikte bzw. Konfliktbearbeitung“ und „Mobbing“. Meine Beobachtungen zeigen, dass es zwei Wege für den Start von Mobbing gibt.

Erstens:
Mobbing beginnt manchmal mit einem sozialen Konflikt zwischen zwei oder mehr Personen. Im Mittelpunkt des Konfliktes steht beispielsweise ein Thema, das nicht besprochen bzw. gelöst wird. Ein intrapsychischer Konflikt einer Streitpartei spielt eine wichtige Rolle im Geschehen. Der Konflikt verfestigt sich, einer Streitpartei geht es jetzt darum, der anderen Person zu schaden. Das Machtungleichgewicht zwischen den ursprünglichen Konfliktpartnern vergrößert sich.

Zweitens:
Mobbing startet ganz bewusst von der ersten Minute an mit einer Schädigungsabsicht. Damit steigt der Konflikt bereits in einer höhreren Eskalationsstufe ein. Ein intrapsychischer Konflikt ist Auslöser für die Mobbinggeschehnisse. Ein sozialer Konflikt folgt auf den innerpsychischen Konflikt der ersten Streitpartei.

In beiden Fällen hängt ein sozialer Konflikt mit einem innerpsychischen Konflikt zusammen. Systemisch gesehen heißt dies, dass an allen Systempunkten angeknüpft werden kann: beim „Mobbingtäter“, beim „Mobbingopfer“, im Gespräch mit den verschiedenen am Mobbing beteiligten Parteien oder auch (am besten?!) mit dem erweiterten gesamten „Mobbingsystem“.

In dem von Christian Stock geschriebenen Büchlein „Mobbing“ aus dem Haufe Verlag gibt es ein Kapitel zum Thema „Mobbing vorbeugen“. Die Empfehlungen aus diesem Kapitel sind auch für Schulen als Organisationen recht hilfreich – müssen jedoch stets auf die entsprechende Institution angepasst werden:

  1. Die Unternehmenskultur sollte partnerschaftlich sein, die Organisationsstrukturen überschaubar und der Führungsstil kooperativ …
  2. Mobbing sollte nicht verschwiegen, sondern thematisiert werden …
  3. Supervisionsmöglichkeiten, regelmäßige Besprechungen in Arbeitsgruppen sowie Qualitätszirkel machen Konflikte früher transparent, sodass sie sich nicht aufstauen und verschleppt werden …
  4. Ein betrieblicher Mobbing- oder Konfliktberater (Konfliktlotse) sollte ernannt oder eingerichtet werden …

Das eben angesprochen Buch ist übrigens ein wunderbarer erster Überblick für alle, die sich erstmals mit dem Thema Mobbing auseinandersetzen wollen. Kurz, knapp und treffend wird darüber berichtet, woran man Mobbinghandlungen erkennt, wie Mobbing entsteht, wie man sich selbst helfen kann, und was Vorgesetzte und Kollegen im Mobbingfall tun können.

Im Internet findet man eine gute Übersicht zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz beispielsweise auf der Seite des Personalrates der Uni Gießen.

Ein Artikel zum Thema Cybermobbing hier …

Christa D. Schäfer